EU-Wahl in Deutschland: SPD und Union sehen sehr alt aus

Kommentar26. Mai 2019, 22:27
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Die Parteichefinnen in Deutschland müssen von den deutschen Grünen lernen

Es gibt in Deutschland nur eine Partei, die nach dem EU-Votum und der Landtagswahl in Bremen uneingeschränkt frohlocken kann: die Grünen.

Bei der EU-Wahl haben sie ihr Ergebnis verdoppelt und erstmals bei einer bundesweiten Wahl die SPD auf Platz drei verwiesen. In Bremen geht ohne sie nichts, die Ökopartei kann sich aussuchen, ob sie ein rot-rot-grünes Bündnis oder Jamaika aus CDU, Grünen und FDP unterstützen möchte.

Der Erfolg ist keine Eintagsfliege, sondern die Fortsetzung einer Entwicklung, die man seit längerem verfolgen kann. Grün wiegt in Deutschland immer mehr, die einstige Protestpartei verdrängt gerade die SPD und knabbert auch heftig an der Union. Von den unter 30-Jährigen wählt mittlerweile jeder Dritte grün, keine andere Partei kommt an einen solchen Wert auch nur annähernd heran.

Konsequent wie niemand anderer treten die Grünen für den Klimaschutz ein, ihre Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck machen jeden Tag klar: Das! Muss! Sein! Dagegen sehen SPD und Union uralt aus.

Enttäuschte CDU-Hoffnungen

Die Union rügt oberlehrerhaft die Fridays-for-Future-Bewegung, der Protest möge doch bitte in der Freizeit stattfinden und nicht während der Schulzeit. Und sie wird vom Youtuber Rezo dermaßen vorgeführt, dass auch der Letzte kapiert: Diese Partei hat von jungen Menschen wenig Ahnung. Zudem muss Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die seit knapp sechs Monaten im Amt ist, erkennen: Sie konnte die CDU nicht in die Höhe reißen, wie es viele erhofft hatten. Im Gegenteil.

Noch schlechter schaut es bei der SPD aus. Ihr ewiger Zickzackkurs in der Sozialpolitik und ihre so offensichtlich unter Druck stehende Vorsitzende Andrea Nahles sind einfach kein attraktives Angebot. Bloß: Wo ist die Alternative zu Nahles? Es gibt keine, und ein erneuter Wechsel wäre ohnehin kein Garant für eine Trendumkehr.

Man wird jetzt wieder sehr oft von Union und SPD hören, dass man die Zeichen der Zeit jetzt wirklich verstanden habe. Mag man das glauben? Eigentlich nicht mehr, man lässt sich gern überraschen. Vielleicht begreifen die beiden alten Parteien ja doch noch, dass sie Klimapolitik nicht den Grünen überlassen sollten. (Birgit Baumann, 26.5.2019)

  • Für Andrea Nahles werden die kommenden Tage ungemütlich. Die SPD ist erstmals in einer bundesweiten Wahl auf Platz drei.
    foto: imago images / stefan zeitz

    Für Andrea Nahles werden die kommenden Tage ungemütlich. Die SPD ist erstmals in einer bundesweiten Wahl auf Platz drei.

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