Hip-Hop-Lüge? Wie Rapper Streaming-Klickzahlen manipulieren

    25. Mai 2019, 12:52
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    Video zeigt einen "Social-Media-Experten", der mithilfe von Netz an Accounts Songs massenhaft streamt und so bekannt macht

    In der Rap-Szene in Deutschland wird immer mehr Rappern wie Mero und Sero El Mero vorgeworfen, ihre Online-Klickzahlen auf Streamingdiensten und Youtube zu manipulieren. Spotify und Co geben längst an, was populär ist – dort also in den Charts aufzutauchen führt zu massiver Bekanntheit und wirtschaftlichem Erfolg. Immer öfter stellt sich jedoch, gerade bei Künstlern, die kurzfristig viele Millionen Zugriffe auf deutschsprachige Songs verzeichnen, die Frage: Geschieht das organisch, oder werden Klickzahlen manipuliert?

    y-kollektiv

    Dieser Frage widmet sich der Youtube-Kanal "Y-Kollektiv" in einem aktuellen Video. Darin trifft der Reporter einen "Social-Media-Experten", wie sich der vermummte Unbekannte bezeichnet, der ihm anbietet, ein Lied zu pushen, um ihm zu zeigen, wie er die Charts "hackt". Der Mann gibt an, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern die Charts gegen Entgelt manipulieren zu können. Das habe er bereits bei den "Top 5 Künstlern" in Deutschland getan, die Namen, die er nennt, werden in der Reportage jedoch ausgeblendet, da "Y-Kollektiv" angibt, derzeit keine Beweise dafür zu haben.

    Netz an Konten

    Der Reporter, der selbst keine musikalischen Vorkenntnisse hat, produziert daraufhin einen Rap-Song – auf Anweisung des Unbekannten ist er nur knapp zwei Minuten lang, dadurch sei es leichter, die Songs öfter zu Streamen und so die Klickzahlen zu erhöhen. Der Unbekannte zeigt ihm dann, wie er anhand eines automatisierten Programms eine Horde an Fake-Konten dazu schickt, eine vorgegebene Playlist abzuspielen, die zu einem Großteil Lieder von "Kunden" enthält. Zwischendurch werden auch Songs bekannterer Künstler hinzugefügt, damit das Streaming-Verhalten nicht auffällt. Pro Account sind so zehn Streams möglich, erklärt der Unbekannte.

    Herkunft der Accounts offen

    Woher die Konten stammen, ist offen – möglich ist es, dass Zugangsdaten existierender Nutzer verwendet wurden, etwa aus vergangenen Datenlecks anderer Webseiten – oft verwenden User auf unterschiedlichen Plattformen dasselbe Passwort.

    Jedenfalls scheint die Methode aber zu funktionieren: Innerhalb kürzester Zeit generiert der Song tausende Klicks auf Youtube und Spotify. Der "Hacker" bietet dem Reporter an, für Geld weiter zu machen – laut ihm sei es gar möglich, auf diese Weise eine Goldene Schallplatte zu bekommen.

    Anfragen des "Y-Kollektiv" bei Spotify blieben bis zu der Veröffentlichung des Videos unbeantwortet, das Lied wurde später jedoch entfernt. Offenbar gibt es wohl einen Mechanismus, der versucht, künstlich generierte Zahlen zu sperren, laut dem Unbekannten sei er jedoch leicht zu umgehen.

    Reportagen aus dem Funk-Netzwerk

    Der Youtubekanal "Y-Kollektiv", der zu dem öffentlich-rechtlichen Angebot Funk des ARD und ZDF betrieben wird, veröffentlicht regelmäßig Reportagen zu einem breiten Themenspektrum. Dafür gewann er auch schon etwa den Webvideopreis Deutschland und wurde mehrfach für weitere Awards nominiert, etwa dem Grimme Online Award in der Kategorie Information. (red, 25.5.2019)

    In der Rubrik WebTipp wollen wir Ihnen unregelmäßig gut gemachte und lehrreiche Videos aus dem Netz präsentieren.

    Link

    Y-Kollektiv auf Youtube

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