Aufregung um FPÖ-Gemeinderäte nach KZ-Gedenkfeier in Ebensee

    23. Mai 2019, 16:19
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    Gäste beschweren sich in einem Brief beim Bürgermeister, dass blaue Funktionäre sich über Redner wie Marlene Streeruwitz und eine "Gedenkindustrie" echauffiert hätten

    Ebensee – Drei FPÖ-Gemeinderäte im oberösterreichischen Ebensee haben am Rande der Gedenkfeier in der dortigen KZ-Gedenkstätte am 6. Mai den Unmut eines Salzburger Ehepaars erregt. In einem Brief an Ebensees Bürgermeister Markus Siller (SPÖ) schreibt das Paar, dass sich die drei Männer mit einem vierten, nicht der FPÖ zugehörigen Mann lautstark über die Reden auf der Feier "als von Hass erfüllt echauffierten" und sie insbesondere die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz als "Vertreter einer Gedenkindustrie, die sich damit ihr Geld verdienen", bezeichneten.

    Ärger über Essenseinladung

    Siller erzählt dem STANDARD, dass es im Vorfeld seitens der FPÖ Beschwerden darüber gab, dass man Parteifunktionäre nicht zum Essen mit KZ-Überlebenden einlade. Siller dazu: "Wir halten uns dabei an die Richtlinien des Mauthausen-Komitees Österreich." Er glaube seinen Gemeinderäten schon, dass sie persönlich nichts mit Rechtsradikalismus zu tun hätten, räumt Siller ein, "aber wenn sie sich nicht einmal bei einer Gedenkfeier zu benehmen wissen, bestärkt uns das nur". Einer der Gemeinderäte war für den STANDARD erreichbar.

    Die Frau, die den Brief mit ihrem Mann geschrieben hat, betont darin: "Die Gedenkstätte ist gleichzeitig auch ein Friedhof und die Feier auch ein Gedenken an die im KZ Ermordeten. Ungeachtet der persönlichen Meinung und des politischen Standpunkts kann ein angemessenes und respektvolles Verhalten erwartet werden."

    Zum STANDARD sagt sie: "Wir waren schwer irritiert, und mein Mann hat sogar gefragt, ob sie von der FPÖ sind." Die Männer hätten das stolz bejaht.

    Keine Erinnerung über Gesprächsdetails

    Dass man ihn gefragt habe, ob er von der FPÖ sei, an dieses Detail erinnert sich auch der vom STANDARD kontaktierte Gemeinderat. Er bestätigt auch, dass er und die anderen beiden Männer am Eingang des KZ-Areals nach der Feier "über die Veranstaltung gesprochen haben, aber was wir im Detail geredet haben, weiß ich nicht mehr".

    Mauthausen-Komitee-Vorsitzender Willi Mernyi dazu: "Die FPÖ hat empört getan, weil das Mauthausen-Komitee sie nicht zu Gedenkveranstaltungen einlädt. Jetzt zeigen freiheitliche Politiker wieder einmal, dass sie das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verachten und verleumden."

    8.412 namentlich bekannte Insassen des KZs Ebensee, einem Außenlager des KZs Mauthausen, wurden von 1943 bis 1945 ermordet. Die Namen von etwa 300 weiteren Opfern konnte man bis heute nicht eruieren. (Colette M. Schmidt, 23.5.2019)

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