MPG fordert Änderung der europäischen Gentechnik-Richtlinie

    23. Mai 2019, 15:38
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    Forscher lehnen Veränderungen der menschlichen Keimbahn ab, kritisieren aber die pauschale Einstufung von Genome Editing bei Pflanzen als Gentechnik

    Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), eine der führenden Institutionen für Grundlagenforschung in Deutschland, hat eine Stellungnahme zum Umgang mit neuen Gen-Technologien wie der "Gen-Schere" CRISPR/Cas9 veröffentlicht. Darin lehnt die Gesellschaft Veränderungen der menschlichen Keimbahn zum jetzigen Zeitpunkt ab. Gleichzeitig rufen die Wissenschafter aber dazu auf, Pflanzen mit geneditiertem Erbgut nicht grundsätzlich als gentechnisch verändert einzustufen.

    Sogenannte Genome-Editing-Techniken erlauben es, kostengünstig, schnell und vergleichsweise einfach Änderungen im Erbgut vorzunehmen. Die Weiterentwicklung von Werkzeugen wie CRISPR ist in den vergangenen Jahren rasant vorangekommen und hat zu zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnissen und medizinischen Möglichkeiten geführt.

    Eingriffe mit solchen Techniken in die menschliche Keimbahn oder die Verwendung menschlicher Embryonen für die Forschung wird von der internationalen Forschergemeinschaft aber abgelehnt. Als im vergangenen November ein chinesischer Forscher die Geburt der weltweit ersten geneditierten Babys verkündete, sprachen Experten von einem ethischen Dammbruch und verurteilten das Vorgehen scharf. In ihrem Positionspapier lehnt auch die MPG Eingriffe in die menschliche Keimbahn ab, da zentrale Sicherheitsbedenken und ethische Fragen noch ungelöst seien.

    Restriktives Urteil

    Was den Umgang von Genome Editing bei Pflanzen betrifft, fordert die MPG jedoch eine Anpassung der derzeitigen Regelung an den Stand der Forschung. Im Juli 2018 fällte der Europäische Gerichtshofs(EuGH) in Luxemburg ein überraschend restriktives Urteil: Demnach fallen bei Pflanzen neuere Techniken, die keine transgenen Organismen erzeugen, pauschal unter die bestehenden strengen Gentechnikrichtlinien.

    Wissenschafter kritisierten die Entscheidung, da bei Verfahren wie CRISPR im Unterschied zu klassischen gentechnischen Verfahren häufig keine artfremden Gene in das Erbgut eingebaut, sondern vorhandene Gene gezielt ausgeschaltet oder Mutationen ausgelöst, die zum gewünschten Zuchtergebnis führen sollen. Solche Veränderungen könnten auch auf natürliche Weise oder mit herkömmlichen Zuchtmethoden entstehen – aber viel aufwendiger, kostspieliger und unpräziser.

    Öffnung in Russland

    Die MPG äußert in ihrer Stellungnahme nun die Befürchtung, dass diese enorme rechtliche Einschränkung Feldstudien und die Züchtung von Genom-editierten Nutzpflanzen extrem erschwert. Sie fordert deshalb die Aktualisierung der europäischen Gentechnik‐Regulation. Eine neue Richtlinie solle zwischen Technologien unterscheiden, die durch die Genom-Editierung natürliche Mutationen nachahmen, und solchen, die mehr Kontrolle erfordern.

    In einigen Ländern, etwa den USA, wurden geneditierte Pflanzen ohne Fremd-DNA generell von Gentechnikrichtlinien ausgenommen. Zuletzt beschritt auch Russland diesen Weg: Eine neue Verordnung bewertet Techniken wie CRISPR/Cas9 als vergleichbar mit herkömmlichen Zuchtmethoden, sofern die genetischen Veränderungen nicht durch das Einschleusen artfremder Gene hervorgerufen werden. (red, 23.5.2019)

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