Stadttheater Klagenfurt: Josef Winklers "Lass dich heimgeigen, Vater"

    22. Mai 2019, 16:20
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    Sebastian Schug inszeniert den Text im legendären Tonhof Maria Saal

    Die Erde spuckt es wieder aus: Ohne die Metapher der Natur ist die österreichische Literatur nicht zu denken. Die Erde öffnet sich und gibt, wie etwa bei Elfriede Jelinek, Untote frei, oder sie kommt in Form einer gigantischen Mure daher und begräbt den Unrat der Menschen unter sich (bei Ferdinand Schmalz). Bei Josef Winkler ist es die Kärntner Sautratten, ein Feld am Ufer der Drau, welches auch sein Vater mit bewirtschaftet hatte und aus dessen Untergrund sich die verdrängte Geschichte erhebt: Lange wurde verschwiegen, dass dort der Nazimassenmörder Odilo Globocnik (Zwei Millionen ham’ma erledigt) begraben liegt.

    In Lass dich heimgeigen, Vater oder Den Tod ins Herz mir schreibe! lässt Winkler das Schweigen des Vaters gegen das "Gedächtnis des Bodens" anlaufen. Es ist ein aus verschiedenen, auch seriellen Sprachmustern gebauter, fast liturgischer Text, ein Brief an den bereits verstorbenen Vater, der im Auftrag des Burgtheaters entstand und Ende 2017 auf der Kasino-Bühne seine Uraufführung hatte.

    Sebastian Schug inszeniert den Text nun für das Stadttheater Klagenfurt, das dafür den legendären Tonhof in Maria Saal als Spielstätte nützt; Premiere ist am 29. Mai. Der herrschaftliche Gutshof, das ehemalige Gerichtsgebäude des Ortes, wurde in den 1960er-Jahren zu einer Art Sommerresidenz für Künstlerinnen und Künstler, vornehmlich Schriftsteller und Musiker.

    Gerhard Rühm, Jeannie Ebner, Christine Lavant, Peter Turrini oder H. C. Artmann haben am Hof des Besitzerehepaars Lampersberg angedockt. Berühmt wurde der Treffpunkt vor allem durch Thomas Bernhards skandalisierten Schlüsselroman Holzfällen, ein Abgesang auf eine Künstlerblase beim Abendessen. Es spielen Klaus Huhle, Nicolaas van Diepen und Martina Spitzer. (Margarate Affenzeller, 23.5.2019)

    • Um das Gedächtnis und die Geschichte ringen: Vater (Huhle) und Sohn (van Diepen).
      foto: verena schellander

      Um das Gedächtnis und die Geschichte ringen: Vater (Huhle) und Sohn (van Diepen).

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