Polizist bot Smartphone-Gaffern an, Unfalltoten zu sehen

    22. Mai 2019, 09:59
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    "You can say hello": Vorfall auf deutscher Autobahn – Maßnahme soll Lerneffekt bringen

    Sie genießen besonders bei Notfalleinsatzkräften einen absolut schlechten Ruf: Personen, die sich rein als Zuseher rund um eine Unfallstelle versammeln oder gar gleich mit ihrem Handy fotografieren und filmen.

    Auch die Polizei hat immer wieder mit dem Phänomen Gaffer zu kämpfen. So auch bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn A6 im deutschen Franken, nahe der Ortschaft Feucht. Dort hat ein Polizist nun zu unkonventionellen Maßnahmen begriffen, berichtet pnp.de.

    Verkehrschaos

    Bei einem Auffahrunfall war ein Lkw-Fahrer ums Leben gekommen. Laut Polizei kam es danach aufgrund von neugierigen Zuschauern auf der Gegenfahrbahn schnell zu einer chaotischen Verkehrssituation. Diese blieben teils mit ihren Fahrzeugen stehen und nahmen ihre Smartphonekameras in Betrieb.

    passauer neue presse

    Effektive Maßnahme

    Die Beamten begannen daraufhin Bußgeld zu kassieren. Wer Einsatzarbeit behindert, wird mit einer Strafe von 128,50 Euro belegt. Allerdings erschien dies allein nicht als ausreichende Maßnahme. Stefan Pfeiffer, Leiter der örtlichen Verkehrspolizei, bot einzelnen Umstehenden an, sie zur Leiche des Unfallopfers zu bringen. "You want to see him? You can say hello to him", hört man ihm in einer Aufnahme gegenüber einem Gaffer sagen.

    Laut Pfeiffer sei diese Maßnahme recht effektiv, wie er laut "Münchner Abendzeitung" gegenüber Medienvertretern zu Protokoll gab. Denn niemand würde dieses Angebot annehmen wollen, sondern lieber schnell gehen. "Man merkt, dass den Leuten dann bewusst wird, wie tragisch das Ereignis ist und dass das kein Spaß ist", so der Beamte.

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    Österreich verschärfte Strafen für Gaffer

    Auch in Österreich plagen sich Einsatzkräfte immer wieder mit Schaulustigen, die mitunter für gefährliche Verzögerungen bei Rettung und Bergung von Unfallbeteiligten sorgen. Um Aufmerksamkeit zu schaffen, hat die Stadt Wien im vergangenen Jahr eine Kampagne durchgeführt und ein Video mit dem Titel "Hab Anstand, halt Abstand" produziert.

    Zudem wurden in einer Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes (PDF) die Strafen für Gaffer verschärft. Wer trotz Anweisung einen Unfallort nicht verlässt, kann mit bis zu 500 Euro belangt werden. Unter besonders schweren Umständen droht zudem bis zu eine Woche Gefängnis. (gpi, 22.5.2019)

    • In Österreich wurden 2018 die Strafen für störende Schaulustige erhöht.
      foto: stadt wien

      In Österreich wurden 2018 die Strafen für störende Schaulustige erhöht.

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