Volkstheater: Neubestellung bis spätestens Ende Juni

    21. Mai 2019, 17:58
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    Bis Mitte Juni soll die Jury einen Dreiervorschlag präsentieren – aus diesem will die Wiener Kulturstadträtin dann eine neue Leitung ernennen

    Wien – Den Kampf um eine Million Euro vom Bund für das Volkstheater – im Gleichzug mit zwei Millionen von der Stadt Wien – hat Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) aufgegeben. Sie hat nun den Findungsprozess für eine neue Leitung auf Basis der zwei Millionen Euro mehr Budget wieder in Gang gesetzt. Der Jury gibt sich nun also ein Stück weit mehr Spielraum, um eventuell abgesprungene Kandidaten wieder ins Treffen zu führen.

    Bis Mitte Juni soll die Jury einen ungereihten Dreiervorschlag vorlegen; aus diesem wird Kaup-Hasler bis spätestens Ende Juni eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger ernennen. "Auf alle Fälle noch vor dem Sommer", so Pressesprecher Alfred Strauch auf Anfrage.

    Neustart im Spätherbst 2020

    Die Zeit drängt. Für einen fundamentalen Neustart, wie er gefordert wird, geplantermaßen im Spätherbst 2020, ist der Zeitplan schon jetzt knapp. Es muss ein Team gebildet, ein Ensemble zusammengestellt, ein Spielplan erstellt werden.

    Je länger der Findungsprozess andauert, umso länger wird auch die Liste der genannten Namen. Denn alle Optionen sind offen. Wobei die spannendsten Kandidaten – wie etwa Rita Thiele vom Schauspielhaus Hamburg – schon wieder vom Tisch zu sein scheinen. Will man nicht auf internationale Strahlkraft schielen, dann wäre Thiele, die Spitzendramaturgin und Jelinek-Expertin, ohnehin am falschen Dampfer gewesen.

    Michael Sturminger?

    Sollte es also in eine Richtung gehen, die etwa das Münchner Volkstheater mit Christian Stückl eingeschlagen hat – neues Volkstheater, aber im gemäßigten Stil -, dann hätte ein weiterer kolportierter Bewerber, Michael Sturminger, gute Karten. Der Jedermann-Regisseur steht für solides Handwerk. Aber will man nicht mehr?

    Eine Lösung, die auf Nummer sicher setzt, passt so gar nicht zu den Ankündigungen der Kulturstadträtin, die noch im Dezember von einem Theater "mit dem größten anarchischen Potenzial" sprach. Dieses könnte aus der freien Szene kommen, zu der etwa Schauspielerin Manuela Hurdes-Galli zählt; sie hat sich angeblich mit einem Team von Frauen beworben. Das politische Chaos auf Bundesebene habe auf die Volkstheaterbestellung indes keinen Einfluss, so Strauch. (afze, 22.5.2019)

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