Frosch Basti und der Skorpion FPÖ: Ein Best-of der Kickl-Briefe

    Kommentar der anderen21. Mai 2019, 14:39
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    Innenminister Herbert Kickl mag Geschichte sein, seine Cousine wird ihm weiter Brieferl schicken

    Wenn Daniela Kickl ihre Blogbeiträge mit "Lieber Cousin Herbert" beginnt, dann werden keine familiären Nettigkeiten ausgetauscht. Im Gastkommentar erinnert sich die Informatikerin an die besten Brieferln an den Ex-FPÖ-Generalsekretär und -Innenminister.

    Begonnen hat alles damit, dass ich doppelte Anstandslosigkeit ortete. Nämlich das Fehlen von Anstand, auch nur Anstand zu heucheln. Die gesamte FPÖ hatte nämlich am 9. November 2017 nach der Rede von Christian Kern im Nationalrat zu den Novemberpogromen nicht applaudiert.

    Und mitten in dieser anstandslosen Traube saß er, der Generalsekretär Herbert Kickl, seines Zeichens auch einer meiner Cousins. Es juckte mich in den Fingern, ich wollte anständig kommentieren. Nach zwei Tagen des Überdenkens etwaiger negativer Konsequenzen – Rechte sind ja für vieles bekannt, aber Humor gehört nicht dazu – siegte das Bewusstsein, dass ich nur dann etwas zu einer Welt nach meinen Vorstellungen beitragen kann, wenn ich etwas sage. Beziehungsweise schreibe.

    Humor – eine Überlebensstrategie

    Humorvoll sollte es jedenfalls sein. Humor ist ja viel mehr als nur Lachen. Er ist auch Überlebensstrategie und trägt dazu bei, auch grausliche Nachrichten besser zu verdauen. So schrieb ich am 11. November 2017 mein erstes Brieferl an den "lieben Cousin Herbert".

    Mittlerweile sind es 192. Vieles hat sich in den Brieferln entwickelt, mein Fokus hat sich entwickelt. War ich zu Beginn doch eher mit Herbert, der FPÖ und den damit einhergehenden Abschiebegrauslichkeiten beschäftigt – man erinnere sich zum Beispiel an die Familie Tikaev –, so stellte sich bald heraus, dass es noch ganz andere Grauslichkeiten gibt. Nämlich jene, die wirklich jeden Menschen in Österreich betreffen und die auch an anderen Stellen fabriziert werden.

    Türkis-blaue Helden ...

    Daher präsentierte ich im Brieferl Nummer 15 die BBHF – "Basti & Bumstis Hall of Fame". Sie ist ein Dokument der ruhmreichen Taten der türkis-blauen Helden, um meinen Lesern die Grundlage dafür zu geben, was die Regierung gerne will: an ihren Taten gemessen werden. Die BBHF wird regelmäßig aktualisiert, denn wir vergessen doch alle viel zu schnell.

    So kristallisierte sich im Laufe der Regierungsperiode ein besonderer Liebling heraus, den ich auch gerne als "das Gelbe im faulen Regierungsei" bezeichnete. Weil ich mir die Reihenfolge des Doppelnamens nie merken konnte, habe ich, in verklärter Erinnerung an den schönen KHG, ihre Initialen umgedreht. Ach, was hat uns KHB mit ihrer unprofessionellen Darstellung der Gesundheits-, Arbeits-, Sozial- und Konsumentenschutzministerin nicht für traurig-unterhaltsame Stunden beschert! Ihr größtes Verdienst neben der Beibehaltung des Rauchens in der Gastronomie, der fragwürdigen Reform der Krankenkassen inklusive eines neuen, blauen Chefs, der Kürzung der Mindestsicherung und ihrer gesamten Nichtexpertise in wirtschaftlichen Zusammenhängen sind zweifellos das Verbot von Hasch-Brownies und der privaten Braunbärhaltung.

    ... und seine Kürzlichkeit

    Natürlich war auch Herbert selbst immer wieder Thema in den Brieferln. Denken wir nur an seine internationalen Presseauftritte wegen der "konzentrierten Haltung von Flüchtlingen", mit denen er selbst einen Gottfried Waldhäusl lockerst in den Schatten stellte. Vom BVT will ich erst gar nicht anfangen.

    Eines war allerdings im Laufe der Zeit bald glasklar. Es gibt nur einen Einzigen, der für alles verantwortlich ist. Nämlich ihn, den ich entweder Basti nenne, weil er doch selbst auf seiner Homepage amikal-volksnah mit uns allen per Du ist, oder aber seine Kürzlichkeit, was schleimig-devot auch gut zur türkisen Ausgeburt des schwarzen Geilomobils passt.

    Frosch und Skorpion

    So habe ich mir bald jene wesentliche Frage gestellt, die auch im Brieferl Nummer 112 vom 7. September 2018, im Nationalrat von Martha Bißmann verlesen, das zentrale Thema wurde: Konnte oder wollte der Frosch Basti nicht wissen, welcher Natur der Skorpion FPÖ ist? Nichtkönnen zeugt von Unfähigkeit, Nichtwollen von Amoral. Beides ist übrigens keine Option für einen Kanzler.

    Nun ist der Posten des Innenministers für meinen lieben Cousin Herbert Geschichte. Ich war nie erfreut, dass er ihn überhaupt innehatte. Dass die FPÖ insgesamt überhaupt in die Regierung gelassen wurde. Jedoch bin ich geneigt, meinem Cousin zu glauben, wenn er von den falschen Versprechungen seiner Kürzlichkeit berichtet. Dem hinterrücksen Taktieren. Und ich bin ganz seiner Meinung, wenn er von "Machtversoffenheit" seiner Kürzlichkeit spricht.

    Moralische Unterstützung

    Basti ist zweifelsohne ein guter Redner und kommt gerade ob seiner Jugend bei manchen sehr gut an. Das darf und wird uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er an Fäden hängt, die bei genauerer Betrachtung ohnehin mehr als sichtbar sind. Sein adrettes Auftreten wird uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein neoliberaler Rechtspopulist ist, dem sicherlich vieles, aber sicherlich nicht das Wohl der Menschen in diesem Lande am Herzen liegt.

    Und so werde ich weiterhin Brieferl an den "lieben Cousin Herbert" schreiben, da er jetzt besonders auf meine moralische Unterstützung angewiesen ist. Von Zeit zu Zeit werde ich auch wieder Ausflüge grundsätzlicher Natur unternehmen, um anhand der Grillsaison à la Milgram gesellschaftliche Vorgänge zu erklären und mit Spaziergängen am sozialen Holzweg das bastianische Sprücherl "sozial ist, was stark macht" zu entkräften. Denn das, was vor drei Jahren noch als rechts oder rechtsradikal bezeichnet wurde, ist es heute noch! (Daniela Kickl, 21.5.2019)

    Daniela Kickl schreibt seit 2017 in ihrem Blog und auf Facebook Briefe an ihren "lieben Cousin Herbert", den damaligen FPÖ-Generalsekretär und mittlerweile abberufenen Innenminister. Sie ist Informatikerin und Autorin des Buchs "Apple Intern: Drei Jahre in der Europa-Zentrale des Technologie-Multis".

    Kommentare der anderen:

    • Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Innenminister Herbert Kickl in einem Ministerrat vor der großen Regierungskrise.
      foto: apa/roland schlager

      Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Innenminister Herbert Kickl in einem Ministerrat vor der großen Regierungskrise.

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