Kurzer China-Abstecher inmitten der Regierungskrise

    21. Mai 2019, 17:09
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    Trotz Dauerberatungen ließ es sich der Kanzler nicht nehmen, die neue Europazentrale der weltgrößten Bank in Wien zu eröffnen

    Wien – Und er kam doch. Angesichts der innenpolitischen Krise und der damit verbundenen intensiven Beratungen auch über seine Zukunft erschien der angekündigte Auftritt von Sebastian Kurz in den Prunkräumen der Nationalbibliothek am Dienstag fraglich. Doch der Kanzler ließ sich die Eröffnung einer Niederlassung durch die ICBC nicht nehmen. Immerhin handelt es sich um die größte Bank der Welt, die von Österreich aus auch Ost- und Südosteuropa beackern will. Angesichts der ambitionierten Pläne Chinas im Rahmen des Projekts Neue Seidenstraße erwartet man sich viel Geschäft.

    Kurz machte es recht spannend. Moderator Tarek Leitner musste das Publikum eine Dreiviertelstunde lang vertrösten. Nach der Aufforderung an die Gäste, sich zum Einzug der Würdenträger zu erheben und selbige zu beklatschen, sprach der Kanzler von einer "Auszeichnung" Österreichs, die die Ansiedlung der Bank in Wien darstelle. Auf Schlenker zur innenpolitischen Lage warteten die Anwesenden vergeblich.

    Die Regierung hatte sich intensiv für die Niederlassung eingesetzt – das war auch notwendig, hatte die Europäische Zentralbank den Zuzug doch einigermaßen gefährdet. Die EZB wollte verhindern, dass Finanzdaten ausschließlich auf chinesischen Servern gespeichert werden und somit eine Einschau bei etwaigen Nachforschungen nicht sehr einträglich wäre. Letztlich einigte man sich, Details dazu wurden nicht kommuniziert. (

    Auf Eis

    Als besonders interessante Branchen für Chinas Firmen werden Technologiefirmen, Energie und Umweltschutz, "Eis- und Schneeindustrie" genannt. Chinesische Firmen haben laut Aussendung bisher über eine Milliarden US-Dollar (900 Millionen Euro) in Österreich investiert, davon alleine 190 Millionen Dollar im Jahr 2018. Dem stünden österreichische Investitionen von 2,14 Milliarden Dollar (150 Millionen Dollar 2018) gegenüber.

    Finanzierung für Seidenstraße

    Alleine für Projekte im Rahmen der Neuen Seidenstraße habe die ICBC Kredite von 100 Milliarden Dollar vergeben. Der Börsengang 2006 hatte ein Volumen von 22 Milliarden Dollar. Die Bilanzsumme liegt bei 3,5 Billionen Dollar, der Gewinn bei 40 Milliarden Dollar. (as, red, 21.5.2019)

    • Wirtschaftsministerin Schramböck, Kanzler Kurz und Chinas Parlamentspräsident Li Zhanshu bei der Bankeröffnung.
      foto: gregor nesvadba/icbc

      Wirtschaftsministerin Schramböck, Kanzler Kurz und Chinas Parlamentspräsident Li Zhanshu bei der Bankeröffnung.


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