FPÖ: Totgesagte leben länger

Kommentar20. Mai 2019, 18:56
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Den harten rechten Kern gibt es weiterhin. Man weiß nur noch nicht, wer der nächste Peter, Haider oder Strache sein wird, der ihn um sich schart

Schadenfreude gilt für viele Menschen als die schönste aller Freuden. Man kann gut nachvollziehen, wie viele Menschen jetzt herzlich über die Tollpatschigkeit lachen, mit der die damaligen freiheitlichen Politstars im Ibiza-Video bloßgestellt wurden. Recht geschieht ihnen. Im schadenfrohen Überschwang kann man auch zu der Meinung – und sogar zu der Schlagzeile – kommen, der zufolge die FPÖ nun am Ende sei.

Wohl wahr: Die Freiheitlichen geben ein Bild des Jammers ab. Gerade jetzt, wo man von ihnen mannhaftes Auftreten erwarten würde, ergehen sich die scheidenden wie auch die nachrückenden Männer in der Führungsriege in sentimentalen Hinweisen auf ihr belastetes Familienleben und weinerlichen Klagen darüber, dass die ganze Gesinnungsgemeinschaft in so boshafter Weise bloßgestellt worden ist. Das wird Stimmen kosten, zumindest bei den rechten Recken, die Waschlappen im Nadelstreif misstrauen.

Hardcore-Rechte des Funktionärskaders

Aber man darf sich nicht täuschen: Die FPÖ-Gefolgschaft besteht nur zu einem kleinen Teil aus den Hardcore-Rechten des Funktionärskaders. Im großen Rest der freiheitlichen Wählerschaft mag es schon die eine oder den anderen geben, die das Gesülze für Reue, die Weinerlichkeit für menschliche Zuwendung und sogar noch die Uneinsichtigkeit für beharrliche Systemkritik halten.

Die Geschichte lehrt, dass die FPÖ sich immer wieder aufrappelt. Das ist quasi ihre DNA seit den Richtungskämpfen und dem Zerfall des Verbands der Unabhängigen (VdU) zu Beginn der 1950er-Jahre. 1956 schuf Friedrich Peter die FPÖ, die alle Wahlniederlagen überstand. Immer wieder schien sie am Ende zu sein – etwa als ihr die Rolle als Juniorpartner der SPÖ von 1983 bis 1986 verheerende Umfragewerte bescherte. Noch dazu war die Partei damals, wie schon 30 Jahre davor der VdU, in ein nationales und ein liberales Lager gespalten. Aber dann kam Jörg Haider. Die Nationalen setzten sich durch, und es folgten 15 Jahre mit zahllosen Wahlerfolgen, die auch durch etliche unappetitliche Finanzaffären nicht verhindert wurden.

Den harten rechten Kern gibt es weiterhin

2002 dann der Aufstand der Funktionäre in Knittelfeld, die Abspaltung des fast vergessenen BZÖ und etliche Wahlniederlagen. Es war Heinz-Christian Strache, der die Partei rund um einen harten Kern wiederaufgebaut hat. Man darf nicht übersehen: Den harten rechten Kern gibt es weiterhin. Man weiß nur noch nicht, wer der nächste Peter, Haider oder Strache sein wird, der ihn um sich schart. (Conrad Seidl, 20.5.2019)

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