Online-Handel kannibalisiert die deutschen Einkaufsstraßen

    20. Mai 2019, 14:12
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    Vor allem Modehandel, die Elektronikanbieter und die Einrichtungshäuser leiden unter Abwanderung der Kunden

    Der Online-Handel boomt, die Einkaufsstraßen in Deutschland darben: Denn immer mehr Verbraucher sparen sich den Weg in die Innenstädte und geben ihr Geld lieber im Internet aus. Besonders der Modehandel, die Elektronikanbieter und die Einrichtungshäuser in den Einkaufsstraßen und Shopping-Centern leiden unter der Abwanderung der Kunden, wie aus dem am Montag veröffentlichten "Online-Monitor 2019" des Handelsverbands Deutschland hervorgeht.

    Beispiel Mode

    "In den Branchen Fashion, Consumer Electronics und Wohnen kannibalisiert der Online-Handel zunehmend den stationären Handel offline", heißt es in der Studie. Beispiel Mode: Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen laut HDE im Internet rund 13,2 Mrd. Euro für Kleider, Jeans, Schuhe und Accessoires aus. Das war eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr. Und der Zuwachs ging eindeutig zu Lasten der stationären Händler. Denn bei ihnen fehlten am Ende im Jahresvergleich rund 1,1 Mrd. Euro in der Kassa – ein Umsatzrückgang von 3,1 Prozent.

    Noch schlimmer war die Situation im stationären Elektrohandel – wo die Umsätze sogar um 4,3 Prozent zurückgingen. Nach Umsatz gerechnet werden inzwischen laut HDE fast ein Drittel der Einkäufe von Elektrogeräten (31 Prozent) und mehr als ein Viertel aller Modeeinkäufe (27,7 Prozent) online erledigt – mit steigender Tendenz.

    Schwächer als erwartet

    Und der Online-Handel ist dabei, weitere Branchen zu erobern. So mussten die stationären Wohn- und Einrichtungshäuser 2018 Umsatzeinbußen von rund 1,4 Mrd. Euro hinnehmen – ein Rückgang um 4,3 Prozent. Gewinner war auch hier die Online-Konkurrenz, die sich über ein Umsatzplus von 10 Prozent freuen konnte.

    Dabei wuchs der Online-Handel laut HDE 2018 mit 9,1 Prozent sogar etwas schwächer als erwartet. Doch für die Händler in den Innenstädten war das kaum ein Trost. Denn trotzdem hatten die Onlineanbieter am Ende mehr als 4,4 Mrd. Euro mehr in der Kassa als im Vorjahr. Insgesamt kauften die Deutschen für mehr als 53 Mrd. Euro im Internet ein – und dabei ist die Umsatzsteuer noch gar nicht berücksichtigt.

    Ende nicht in Sicht

    Und ein Ende des Online-Booms ist der Studie zufolge nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der E-Commerce erobert neue Branchen wie das Heimwerken, die durchschnittlichen Ausgaben der Online-Shopper steigen, und auch immer mehr Ältere steigen ein: Die Zahl der Online-Shopper in der Generation 60+ erhöhte sich im vergangenen Jahr laut HDE um elf Prozent. Immerhin mehr als ein Drittel dieser Altersgruppe kaufe inzwischen im Internet ein.

    Zwar haben mittlerweile auch viele stationäre Händler eigene Online-Shops eröffnet oder verkaufen ihre Waren auf Marktplätzen wie Amazon und eBay. Doch spielen sie im Internet nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle.

    Einstellung geändert

    Der Siegeszug des Online-Handels spiegelt sich auch in der generellen Einstellung der Verbraucher zum E-Commerce. Sagte 2012 noch gut jeder zweite Verbraucher, er kaufe "nicht gern im Internet ein", so hat sich das Bild inzwischen völlig gewandelt.

    Nicht einmal mehr jeder Vierte (23 Prozent) bevorzugt aktuell auf jeden Fall klassische Geschäfte. Dagegen hat sich die Zahl der begeisterten Online-Shopper fast verdreifacht. Immerhin 28 Prozent der Befragten bekennen aktuell: "Ich kaufe am liebsten im Internet ein." (APA, 20.5.2019)

    • Online-Einkäufe boomen.
      foto: kochphoto/istock

      Online-Einkäufe boomen.

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