Ungarns Medienlandschaft als Vorbild für Strache

    19. Mai 2019, 16:25
    8 Postings

    Heinz-Christian Strache bezog sich im Ibiza-Video immer wieder auf Ungarns Premier Viktor Orbán

    Der tiefe Fall des Heinz-Christian Strache hat Ungarns Regierungschef Viktor Orbán bis auf die Knochen blamiert, denn noch vor zwei Wochen hatte der ungarische Rechtspopulist den damaligen österreichischen Vizekanzler und FPÖ-Chef höchst amikal in seiner Residenz auf der Budaer Burg empfangen. "Europa soll das Modell Österreich übernehmen", hatte er zur Kleinen Zeitung getönt. Die damalige Kurz-Strache-Regierung würde vorexerzieren, wie gut Parteien der rechten Mitte und des rechten Randes zusammenarbeiteten.

    Die Botschaft war vor allem an die Europäische Volkspartei (EVP) gerichtet, der die ÖVP angehört. Die EVP-Mitgliedschaft von Orbáns Regierungspartei Fidesz ist seit März ausgesetzt, weil Orbán deren Spitzenpolitiker permanent angreift. Mit dem Argument, wie gut Türkis-Blau in Wien funktioniere, wollte Orbán die EVP auf eine Zusammenarbeit mit dem neuen ultrarechten Block des Italieners Matteo Salvini einschwören. Das war schon vor der Video-Affäre irreal und ist nun wohl völlig unmöglich geworden.

    Straches Vorbild Orbán

    Entlarvend ist vielmehr, wie sich Strache in dem Ibiza-Video in seinen Gelüsten, die Medienmacht in Österreich an sich zu reißen, immer wieder auf das Vorbild Orbán beruft. "Wir wollen eine Medienlandschaft ähnlich wie der Orbáns aufbauen", sagt er darin. Analysen zufolge kontrolliert der Premier 75 bis 80 Prozent des ungarischen Medienmarkts. Für eine Übernahme der "Krone" legt Strache der vermeintlichen russischen Investorin den österreichischen Geschäftsmann Heinrich Pecina ans Herz: "Pecina ist ein Investor, der hat dem Orbán alle ungarischen Medien der letzten 15 Jahre aufgekauft und für ihn aufbereitet."

    Das Video stammt aus dem Juli 2017. Im Oktober 2016 hatte Pecina die wichtigste ungarische Oppositionszeitung "Népszabadság" geschlossen. Das Blatt hatte zu einer Medienholding gehört, die Pecina quasi als Strohmann Orbáns zugespielt worden war. (Gregor Mayer aus Budapest, 19.5.2019)

    • Anfang Mai war Heinz-Christian Strache bei Viktor Orbán zu Gast.
      foto: szilard koszticsak/mti via ap

      Anfang Mai war Heinz-Christian Strache bei Viktor Orbán zu Gast.

    Share if you care.