Experimentell bewiesen: Fertiggerichte machen dick

    17. Mai 2019, 07:00
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    Ein Laborversuch zeigt, dass stark verarbeitetes Essen dazu verleitet, mehr Kalorien zu konsumieren. Warum das so ist, bleibt (noch) unklar

    foto: hall et al./cell metabolism
    Typisches Beispiel für ein Fertiggericht, das den Probanden in der experimentellen Studie vorgesetzt wurde.

    Bethesda/Wien – Die Weltbevölkerung wird immer dicker – und das ziemlich schnell: Von 1975 bis heute hat sich die Zahl der adipösen Personen weltweit verdreifacht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht deshalb auch längst von einer Pandemie. Doch was sind die Gründe für diese Entwicklung? Ein Hauptfaktor sind natürlich unsere sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten wie kohlenhydratreiches Essen oder stark zuckerhaltige Getränke.

    Ernährungswissenschafter in den USA haben nun speziell den Konsum von Fertiggerichten einer detaillierten experimentellen Studie unterzogen und dabei eine nicht ganz überraschende Beobachtung gemacht: Stark verarbeitete Speisen veranlassen Menschen offenbar dazu, mehr zu essen.

    Verarbeitet versus unverarbeitet

    Für die im Fachblatt "Cell Metabolism" erschienene Untersuchung ließ Studienleiter Kevin Hall von den US-National Institutes of Health in Bethesda 20 Probanden vier Wochen lang in einem Labor leben und essen.

    Eine Hälfte der Personen aß in den ersten zwei Wochen stark verarbeitete Fertiggerichte, in den zweiten 14 Tagen dann frisch zubereitetes Essen ohne viel Verarbeitung. Bei der anderen Hälfte war es genau umgekehrt.

    foto: hall et al./cell metabolism
    Beispiel für wenig verarbeitetes Essen, das die Versuchspersonen konsumierten.

    508 Kilokalorien pro Tag mehr

    Die Mahlzeiten, deren Effekt verglichen wurde, waren in Sachen Kaloriengehalt, Fett, Zucker, Salz, Ballaststoffe und Makronährstoffe gleich, lösten dennoch unterschiedlichen Appetit aus: Probanden der Fertiggerichtgruppe nahmen im Schnitt täglich 508 Kilokalorien mehr zu sich und hatten nach zwei Fertiggerichtwochen ein Kilo zugenommen.

    foto: hall et al./cell metabolism
    Die Ergebnisse der Studie in einer Grafik zusammengefasst: Oben die durchschnittlich konsumierte Kalorienmenge, unten das Gewicht der Testpersonen über die Studiendauer.

    Was genau für diesen Unterschied verantwortlich ist, können die Forscher nur vermuten: Infrage komme die Essgeschwindigkeit, die Menge der Getränke oder der leicht unterschiedliche Proteingehalt der Speisen. (tasch, 16.5.2019)

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