Kampagne für den Nationalpark im eigenen Garten

    16. Mai 2019, 17:27
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    Auch Privathaushalte sollen auf Pestizide verzichten

    Wien – Bilder chinesischer Obstgärtner, die Bäume eigenhändig mit Pinseln bestäuben, gingen um die Welt. "Weil sie keine Viecher mehr haben, die das für sie erledigen", sagt Professor Otto Moog von der Wiener Universität für Bodenkultur. Moog spricht damit das inzwischen schwindend geringe Bienenvorkommen in manchen Gegenden der Erde an.

    Das sechste große Artensterben der Weltgeschichte

    Schätzungen zufolge sterben weltweit täglich bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten aus, jährlich sind das 50.000 Arten, die für immer von der Erde verschwinden. Experten sprechen bereits vom sechsten großen Artensterben der Weltgeschichte – das bis dato letzte sorgte für das Ende der Dinosaurier. De facto haben wir Menschen also dieselbe verheerende Wirkung auf die Erde wie Naturkatastrophen.

    Der Rückgang der Biodiversität macht vor Österreich nicht halt: 2019 gibt es um gut ein Drittel weniger Vögel als noch 1998. 100 Prozent der Reptilien und Amphibien, über 60 Prozent der Fische, 50 Prozent der Vögel und 45 Prozent der Säugetiere sind gefährdet.

    foto: global 2000
    Auch in Österreich geht die Artenvielfalt rapide zurück.

    Schuld daran sind wir: Durch aggressive Landwirtschaft, intensive Flächennutzung und die Verwendungen von Pestiziden und Herbiziden, die Insekten töten und übers Wasser in unser gesamtes Ökosystem gelangen, vergiften wir systematisch Lebensräume.

    Umwelt- und Luftverschmutzung, fehlende Naturräume in Städten und Hausgärten und der allgemeine Klimawandel tun – ebenfalls menschlich verschuldet – ihr Übriges.

    Gegeninitiative: Projekt Nationalpark Garten

    Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 ruft mit dem Projekt Nationalpark Garten zur Gegeninitiative auf: Städte und Gemeinden, aber vor allem auch Privatpersonen mit Gärten, Terrassen, Balkonen oder begrünten Fensterbänken können sich registrieren und versichern damit, keine Pestizide, Kunstdünger und torfhaltige Blumenerden zu verwenden.

    So geben sie zahlreichen Pflanzen- und Insektenarten Lebensraum zurück. Denn: 2017 wurden 700 Tonnen an Pestiziden an Privathaushalte verkauft – reines Gift für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Ziel ist es, ganz Österreich auf das Artensterben aufmerksam zu machen und ihm so gemeinsam entgegenzuwirken.

    Artensterben ist auch verheerend für Menschen

    Die Auswirkungen des Verlustes der Biodiversität sind zuletzt auch fatal für den Menschen: Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt, dass der Rückgang der Artenvielfalt bald Konsequenzen für die Lebensmittelproduktion haben könnte.

    Ertragreiche Landwirtschaft, aber auch sauberes Trinkwasser und das Ausbleiben von Extremereignissen wie Hochwasser, Lawinen und Hangrutschungen sind Beispiele dafür, was ein intaktes Ökosystem für den Menschen bedeutet. (Stefanie Schermann, 16.5.2019)

    • 40 Prozent der Insekten sind weltweit vom Aussterben bedroht.
      foto: martin aschauer

      40 Prozent der Insekten sind weltweit vom Aussterben bedroht.

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