Smarte Tattoos, Helme, Bojen: Diese Gadgets könnten Leben retten

    Ansichtssache17. Mai 2019, 06:00
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    Wie uns Technologie vor Krankheiten und Unfällen schützen kann

    ibm developer

    Hilfe von oben

    Nach Naturkatastrophen gibt es oft weder Handyempfang noch Internet. Es soll Schlimmeres geben? Stimmt. Aber auch Rettungskräfte müssen kommunizieren, und viele wollen Familie und Freunde in Sicherheit wissen.

    Deshalb soll es Enten regnen: Clusterducks heißen die knallroten Bojen, die das Project Owl per Drohne in Katastrophengebieten abwerfen will. In dem Gehäuse, das etwa so groß ist wie ein Tennisball, steckt ein WLAN-Router und ein sogenanntes Lo-Ra-Modul. Bis zu zehn Kilometer kann so gefunkt werden, was allerdings auf Kosten der Geschwindigkeit geht. Netflix-Schauen ist nicht drin, die Verbindung ist aber gut genug, um Einsatzkräften wichtige Daten wie Standort oder Verletzungen mitzuteilen.

    Nervige Pop-ups werden zu Lebensrettern

    Dabei macht sich Project Owl die Technologie zunutze, die man von WLAN-Netzwerken in Hotels, Flughäfen und Cafés hassen gelernt hat: Dort öffnet sich oft automatisch eine Login-Seite, wenn sich ein Gerät mit dem Netzwerk verbindet. Nur dass beim Verbinden mit einer Boje eben statt des Passworts gefragt wird, ob man Medikamente, Essen oder Brennstoff braucht.

    Eine Duck soll etwa 38 US-Dollar kosten. Um ein 200 Quadratkilometer großes Gebiet, wie etwa nach dem Hurrikan in Puerto Rico, zu versorgen, würden wenige hundert Geräte genügen.

    Das Team von Project Owl hat sich Ende vergangenen Jahres bei Call for Code gegen 100.000 andere Entwickler durchgesetzt. Der von IBM gesponserte Ideenwettbewerb suche Lösungen, wie Technik in Katastrophensituationen helfen kann.

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    icfo people

    Tattoos gegen Sonnenbrand

    Hautkrebs ist ein Problem – vor allem in sonnigen Weltregionen. In Australien, das noch dazu unter dem Ozonloch liegt, erkranken etwa zwei von drei Einwohnern einmal in ihrem Leben an Hautkrebs. Der beste Schutz: übermäßiges Sonnenbaden und Solariumsessions vermeiden.

    Wie viel Sonne genau zu viel ist, das könnte künftig ein Tattooable verraten. Das Institut für Photonik in Madrid hat eine Folie konzipiert, die wie ein Kindertattoo auf die Haut geklebt wird und die UV-Strahlung misst. Per Smartphone schlägt die Folie Alarm, sobald zu viel Sonne auf die Haut kommt. Quasi nebenbei könnte das Tattoo auch Herz- und Atemfrequenz, Hydrierung, Sauerstoffsättigung und Temperatur messen. Mit Betonung auf könnte – denn bislang ist das Tattoo ein Prototyp. Für den anstehenden Sommer sollte man also noch die von Dermatologen empfohlene ABC-Regel beachten: ausweichen, bekleiden, cremen.

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    lets innovate

    Helmi reloaded

    Nicht überall sind Sturzhelme für Motorradfahrer so verbreitet wie in Österreich. In Pakistan etwa tragen nur rund zehn Prozent aller Motorradfahrer einen Helm – mit fatalen Folgen: Jeden Tag sterben 15 Menschen bei Motorradunfällen.

    Let's Innovate, ein Start-up aus Islamabad, will das Fahren mit Helm wieder cool machen. "Viele Helme, die man in Pakistan kaufen kann, sind eigentlich gefährlich", sagt Ali Syed, Gründer von Let's Innovate, zum STANDARD. Sie würden die Kraft beim Aufprall nicht verteilen, sondern konzentrieren. Es werde oft am Material gespart, die Helme würden einfach nicht gut aussehen.

    "Aber Pakistanis lieben Gadgets", sagt Sayd. Will man Helme attraktiver machen, müsse man sie technisch aufmotzen. Mit dem "smarten" Helm des pakistanischen Start-ups können Anrufe freihändig per eingebauten Lautsprechern angenommen werden, ein Beschleunigungssensor steuert ein Stopplicht und Blinker im Helm. Falls es doch zum Unfall kommt, ruft der Helm automatisch die Einsatzkräfte – und sendet die exakten GPS-Koordinaten gleich mit. Momentan ist der Helm in Produktion, ab Herbst kann man ihn zunächst in Pakistan für circa vier Dollar pro Monat mieten. Im nächsten Schritt soll er dann in weiteren asiatischen Ländern und Teilen Europas verfügbar sein. (pp, 17.5.2019)

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