Montafon: Mit der Bahn gegen die Landflucht

    16. Mai 2019, 11:52
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    Die Montafonerbahn, älteste elektrische Nebenbahn Österreichs, soll ausgebaut werden. Und junge Menschen ins Tal locken

    Schruns – Das Montafon, Vorarlbergs südlichstes Tal, soll für junge Menschen attraktiver werden. Eigentlich habe das Montafon alles, was man sich von einem Lebensraum wünschen könne, sinniert Herbert Bitschnau, Bürgermeister von Tschagguns. Dennoch stagniert die Bevölkerung.

    Mit aktuell 16.436 Menschen hat sich der Einwohnerzahl in den letzten zehn Jahren nicht verändert. "Die Jungen gehen zur Ausbildung weg und kommen nicht zurück, junge Familien wandern ab", zieht der Repräsentant des Standes Montafon, wie sich der Gemeindeverband der zehn Kommunen nennt, nüchtern Bilanz. Nun will man gegensteuern.

    Bahn als Lebensader

    "Mobilität ist der Schlüssel für künftige Entwicklung", sagt Bitschnau. Damit meint er nicht den bisher favorisierten Autoverkehr. Lange hat man gestritten, nun sind sich die zehn Bürgermeister einig: Die Montafonerbahn soll aus- und umgebaut werden.

    Vor 114 Jahren als erste elektrisch betriebene normalspurige Eisenbahn der Monarchie zwischen Schruns und Bludenz errichtet, soll die Bahn künftig bis Gaschurn-Partenen, 15 Kilometer weiter Richtung Talschluss, geführt werden. Auch die Talstationen der Bergbahnen will man ansteuern. Neue ganztägige Kinderbetreuungseinrichtungen sollen in Bahnnähe entstehen. 2030 bis 2035 schwebt den Bürgermeistern als Fertigstellungstermin vor.

    Noch wird an einer Machbarkeitsstudie mit Kostenschätzung gearbeitet. Im Sommer soll sie präsentiert werden. Davor wollen die Kommunalpolitiker keine Zahlen nennen. Über die Aufteilung haben sie sich aber bereits Gedanken gemacht. 50:40:10 lautet die Formel. Was heißt: 50 Prozent Bund, 40 Prozent Land und zehn Prozent Region.

    Land hofft auf Bund

    Es sei zu früh, über einen Finanzierungsschlüssel zu reden, sagt Landesrat Johannes Rauch (Grüne). "Das ist Verhandlungssache." Das Land wolle den Ausbau, er sei Teil des neuen Mobilitätskonzepts. Rauch hofft nun auf Worttreue des Verkehrsministers: Minister Norbert Hofer (FPÖ) habe eine Nahverkehrsmilliarde und den Ausbau der Nebenbahnen versprochen, über eine solche Sonderfinanzierung könnte man auch den Ausbau der Montafonerbahn mitfinanzieren. Für Rauch eine Notwendigkeit, "um das Montafon vom wintertouristischen Autowahnsinn zu befreien".

    Bund will mehr Informationen

    Noch liege keine offizielle Anfrage der Gemeinden oder des Landes Vorarlberg vor, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Teil der beabsichtigten Nahverkehrsmilliarde sei auch eine Erhöhung der Mittel für den Ausbau und die Attraktivierung der Regional- und Privatbahnen, somit könnte das Projekt inhaltlich darunter fallen.

    "Eine grundsätzliche Zusage kann derzeit jedoch noch nicht gemacht werden", sagt Sprecher Lothar Höferl. Dazu bedürfe es noch umfassender Informationen über die Wirkung, das geplante Verkehrsangebot, die neuen Infrastrukturmaßnahmen, deren Kosten, ein Finanzierungskonzept und konkrete Angaben zum Umsetzungszeitraum.

    Über die einzige Verbindungsstraße zur Autobahn, die L188, fahren täglich 14.000 Fahrzeuge, im Winter 19.000. Das Verkehrsaufkommen verursacht nicht nur der Skitourismus. Das Auto ist Hauptverkehrsmittel der Montafonerinnen und Montafoner. Über die Hälfte der Haushalte besitzt mindestens ein Auto, ein Drittel hat ein Zweitauto. Regelmäßig mit Bahn und Bus fahren nur zwölf Prozent. Knapp 4.700 Menschen müssen aus dem Tal auspendeln, 3.700 fahren zur Arbeit ins Tal. (Jutta Berger, 16.5.2019)

    • Die Montafonerbahn soll attraktiver werden.
      foto: jutta berger

      Die Montafonerbahn soll attraktiver werden.

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