"Limits" ist das schlechteste Lied von Pændas neuem Album

    16. Mai 2019, 06:00
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    Heute tritt sie damit im Halbfinale des Song Contest an, der Rest ihres Albums "Evolution II" klingt erfolgversprechender

    Wien – Pænda hat im Vorfeld klargestellt, dass der Song Contest für sie kein Schicksal sein wird. Gut, im Falle eines Sieges vielleicht schon, im Falle eines eher wahrscheinlichen Nichtsieges gelte aber, dass sie sich davon nicht entmutigen lassen wolle. Wie sehr das der Lockerheit bei ihrem heute Abend stattfindenden Auftritt im Halbfinale zuarbeitet, weiß man nicht. Ob ihr Song Limits und Pændas Aufführung desselben sie ins Finale bringen werden – wir werden sehen. Die Wettquoten der letzten Tage räumen ihr keine realistischen Chancen ein.

    paenda music

    Immerhin hat die 31-jährige gebürtige Steirerin ein eigenes Album als mentale Stütze im Rücken. Es ist ihr zweiter Longplayer und ist dem Werktitel nach die Fortsetzung ihres Debütalbums aus dem Vorjahr. Dieses hieß Evolution I, ihr Folgewerk nennt sie evolutionär Evolution II.

    Wrabetz' guter Schlaf

    In der Mitte des Albums eingebettet ist der Song, mit dem sie in Tel Aviv heute (und vielleicht am Samstag) ihr Glück versucht. Das wird sie brauchen, denn Limits ist mit Abstand der schlechteste Song des Albums. Der Zuschlag für die eher ereignisarme, dafür von sich selbst über die Maßen ergriffene Ballade stützt eine gängige Theorie. Nämlich, dass die jeweiligen Sendestationen der Teilnehmerländer vermeiden möchten, im Falle eines Sieges den Bewerb im folgenden Jahr veranstalten zu müssen, wie es das Reglement vorsieht. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wird heute gut schlafen können.

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    Paenda mit "I Like The Way You Hate Me".

    Pænda produziert auf Evolution II zeitgenössischen Elektro-Pop. Meist im Midtempo, also eher auf atmosphärische Wirkung bedacht denn auf kreischende Aufmerksamkeit. Lieder wie I Like The Way You Hate Me oder All The Right Things transportieren die grundsätzlich positive Ausrichtung der Frau mit den blauen Haaren. Wenn diese Songs auch keine Weltsensation sind, so besitzen sie doch mehr Pop-Appeal und Eingängigkeit als Limits, dessen Titel sich im Falle eines Nichteinzugs ins Finale für Pænda heute bewahrheiten könnte.

    Hemdsärmelig

    In ihren Songs präsentiert sich die als Gabriela Horn geborene Musikerin als selbstbestimmte moderne Frau, die um Positionen zu Hass im Netz und Sexismus nicht lange ringen muss. Doch statt mit bloßer Empörung zu reagieren, kontert sie mit einem Positivismus, der nicht aufgesetzt wirkt, sondern so, als würde es der Hemdsärmeligkeit des Menschen hinter der Kunstfigur Pænda entsprechen.

    Dass die Musik selbst nicht über die Maßen originell ist, ist ein wenig der Fluch des Genres an sich. Die Mischung von Charakteristika aus Hip-Hop, Laptop-R&B oder Trap ist weitgehend durch. Evolution II bietet da nichts Neues. Es affichiert mit dem Einsatz von Autotune bloß trendige Plaketten an gefällige Tracks, die bei einem Ohr rein und beim anderen wieder hinausgehen – ohne zu verfangen. Und ehrlich: Ohne die über den Eurovision Song Contest erlangte Prominenz wäre das Album kaum je Sujet einer größeren Betrachtung geworden. (Karl Fluch, 16.5.2019)

    Kommt Österreich heute beim Song Contest weiter? Der Ticker zum zweiten Halbfinale

    Zur Nachschau:

    Pænda im STANDARD-Videointerview:

    der standard

    Pænda im STANDARD-Player:

    derstandard.at
    • Rittert heute um den Einzug ins ESC-Finale: Pænda.
      foto: apa

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