Facebook verschärft nach Christchurch Regeln für Livestreams

    15. Mai 2019, 05:53
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    Hochrangiges Treffen in Paris nach Anschlag auf Moscheen in Neuseeland

    Menlo Park – Zwei Monate nach dem Facebook-Livestream des Angriffs auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat das Online-Netzwerk neue Einschränkungen angekündigt. So sollen Nutzer schon nach einer schwerwiegenden Regelverletzung "eine bestimmte Zeitlang" keine Live-Videos übertragen dürfen, teilte Facebook am Mittwoch mit.

    Die Ankündigung kam kurz vor dem Beginn eines "Christchurch-Gipfels" in Paris, bei dem unter anderem hochrangige Politiker eine Initiative gegen Internet-Übertragungen von Terrorangriffen auf den Weg bringen wollen. An dem Treffen am Nachmittag nehmen neben Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mehrere Staats- und Regierungschefs teil, darunter die britische Premierministerin Theresa May, Jordaniens König Abdullah II. und Kanadas Premier Justin Trudeau sowie der scheidende EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker.

    Sperrung für 30 Tage

    Als Beispiel für einen schwerwiegenden Regelverstoß nannte Facebook die Weiterleitung eines Links zu einer Mitteilung einer Terrorgruppe ohne Einordnung. Als Beispielzeitraum für eine Sperrung wurden 30 Tage angegeben. Als weitere Einschränkung sei geplant, dass von der Live-Plattform ausgeschlossene Nutzer unter anderem auch keine Anzeigen bei Facebook schalten können.

    Außerdem will Facebook in einem 7,5 Millionen Dollar teuren Forschungsprojekt gemeinsam mit Wissenschaftlern die Bilderkennung in Videoaufnahmen verbessern. Die Algorithmen von Facebook hatten zum Teil Probleme, von Nutzern neu hochgeladene Kopien des Christchurch-Videos zu entdecken, wenn sie etwas verändert worden waren.

    Hinweis auf Terrorvideo zu spät

    Mitte März hatte ein australischer Rechtsextremist zwei Moscheen in Christchurch angegriffen und dabei 51 Menschen getötet. Er hatte die Attacke in einem 17 Minuten langen Video über Facebooks Livestreaming-Plattform übertragen. Der erste Nutzerhinweis sei zwölf Minuten nach Ende dieses Livestreams eingegangen, hatte Facebook im März mitgeteilt. Livestream-Videos bleiben nach Ende einer Übertragung zum Abruf verfügbar.

    Das Video sei während des Livestreams weniger als 200-mal angesehen worden und insgesamt rund 4.000-mal, bevor Facebook es entfernte. Allerdings habe ein Nutzer eine Kopie auf eine Filesharing-Seite hochgeladen, noch bevor Facebook auf das Video aufmerksam gemacht worden sei. Das dürfte zur späteren Verbreitung des Videos beigetragen haben.

    Facebook hatte allein in den ersten 24 Stunden 1,5 Millionen Videos mit der Darstellung des Anschlags gelöscht. Davon seien 1,2 Millionen bereits beim Hochladen gestoppt worden. Da Nutzer versucht hätten, die automatische Erkennung mit Veränderungen am Video auszutricksen, sei auch der Ton abgeglichen worden. (APA, 15.5.2019)

    • Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist immer wieder der Kritik ausgesetzt, dass seine Plattform zu wenig gegen radikale Inhalte unternehme.
      foto: apa/afp/amy osborne

      Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist immer wieder der Kritik ausgesetzt, dass seine Plattform zu wenig gegen radikale Inhalte unternehme.

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