Behinderte Menschen warten weiter auf ihre Rechte

    14. Mai 2019, 18:55
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    Caritas-Präsident Michael Landau und Anwalt Hansjörg Hofer mahnen Maßnahmen ein

    Wien – Welche Folgen das Herunterschauen auf Menschen mit Behinderung auf diese hat, weiß Iris Grasel aus eigener Erfahrung: "2008 war ich im Spital. Dort haben sie gesagt: 'Führen Sie sich nicht so auf. Sie sind ja eh vom Behindertenheim. Dort sind ja lauter Depperte'", liest die 50-jährige Interessenvertreterin der Bewohner eines Caritas-Wohnprojekts in Niederösterreich vor.

    Den Text, eine von sechs Wortmeldungen behinderter Menschen bei einer Caritas-Pressekonferenz im Parlament am Dienstag, hat Grasel im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit der UN-Behindertenkonvention geschrieben. Von dieser sowie vom Nationalen Aktionsplan Behinderung ausgehend formulierten sechs Interessenvertreterinnen und -vertreter Forderung für mehr Inklusion behinderter Personen.

    Viele nicht sozialversichert

    Diese lasse großteils auf sich warten, sagte Caritas-Präsident Michael Landau. Vom neuen Erwachsenenschutz abgesehen sei der überwiegende Großteil der 250 Forderungen aus dem Aktionsplan bisher nicht umgesetzt worden. So seien viele Menschen mit Behinderung nach wie vor nicht sozialversichert, und die bestehenden mobilen Dienste und persönlichen Assistenzen deckten den Bedarf keineswegs.

    Dass die Bundesregierung angekündigt hat, den ursprünglich bis 2020 terminisierten Aktionsplan darüber hinaus fortzuführen, sei grundsätzlich positiv, sagte Landau. Etwa um die Barrierefreiheit zu fördern, im öffentlichen Raum ebenso wie in Wohnungen, worauf am Dienstag auch der Behindertenanwalt Hansjörg Hofer hinwies.

    Für einen Inklusionsfonds

    Hierbei handle es sich um "kein Nischenthema", auch ältere, mobilitätseingeschränkte Personen und junge Menschen mit Kinderwagen seien betroffen. "Um wirkliche Verbesserungen zu erzielen, braucht es einen von Bund und Ländern alimentierten Inklusionsfonds", sagte Hofer. Und es brauche Inklusionsschulungen, für Stadtplanungsverantwortliche ebenso wie für das Gesundheitspersonal, gegen "die Barrieren in unseren Köpfen". (bri, 14.5.2019)

    • Der Bedarf sei durch das Angebot mobiler Dienste und persönlicher Assistenzen keineswegs gedeckt, sagte Caritas-Chef Michael Landau.
      foto: apa / fohringer

      Der Bedarf sei durch das Angebot mobiler Dienste und persönlicher Assistenzen keineswegs gedeckt, sagte Caritas-Chef Michael Landau.

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