Atominstitut in Wien wird zur "Historischen Stätte" der Physik

    14. Mai 2019, 16:01
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    1974 gelang es dort dem Physiker Helmut Rauch erstmals, die Welleneigenschaften von Neutronen zu untersuchen

    Wien – Die European Physical Society (EPS) hat das Atominstitut der Technischen Universität (TU) Wien zur historischen Stätte der Physik ernannt. 1974 gelang es an der damals als interuniversitäres Institut geführten Einrichtung in Wien-Leopoldstadt dem Physiker Helmut Rauch erstmals, die Welleneigenschaften von Neutronen zu untersuchen. Überreicht wird die Auszeichnung am 22. Mai, teilte die TU mit.

    Mit der Auszeichnung als "Historic Site" würdigt die EPS Stätten in Europa, die wichtig für die Entwicklung und Geschichte der Physik waren. Bisher haben rund 45 Einrichtungen diesen Titel erhalten, darunter das Niels Bohr-Institut in Kopenhagen (Dänemark) oder der erste Teilchenbeschleuniger am Europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf (Schweiz). In Österreich ist das Atominstitut die zweite Einrichtung, der diese Ehre zuteilwird. 2015 wurde das ehemalige Institut für Radiumforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien-Alsergrund zur historischen Stätte der Physik ernannt.

    Nobelpreiswürdiges Experiment

    Gefeiert wird die Ernennung zur "EPS Historic Site" gleichzeitig mit einem Symposium am 22. Mai zu Ehren von Helmut Rauch, der am 22. Jänner seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Rauch zählt zu den renommiertesten Wissenschaftern Österreichs. Mit der sogenannten "Neutronen-Interferometrie" gelang ihm 1974 ein bahnbrechendes, oft als nobelpreiswürdig bezeichnetes Experiment. Er konnte damit nachweisen, dass nicht nur Lichtteilchen Welleneigenschaften besitzen, sondern – wie von der Quantenphysik vorhergesagt – auch massive Teilchen wie Neutronen, die aus dem Reaktor des Atominstituts stammten.

    Das Atominstitut wurde 1958 als interuniversitäres Institut gegründet und 1962 an seinem heutigen Standort im Prater mit der feierlichen Inbetriebnahme des TRIGA Mark II Forschungsreaktors eröffnet. Ursprünglich war es der Forschung und Ausbildung auf den Gebieten Atom-, Kern- und Reaktorphysik, der Strahlenphysik und des Strahlenschutzes, der Umweltanalytik und Radiochemie gewidmet. Mittlerweile sind weitere Schwerpunkte wie Quantenphysik und Quantenoptik hinzugekommen. Heute ist das Atominstitut eine Einrichtung der TU Wien. (APA, 14.5.2019)

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