Was dem aussterbenden Europäischen Aal besonders zusetzt

    14. Mai 2019, 07:00
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    Schwermetalle stellen für die weitreisende Fischart auf lange Sichte eine große Gefahr dar, wie eine aktuelle Studie zeigt

    foto: reuters/cathal mcnaughton
    Der Europäische Aal gilt als stark gefährdet.

    Bremerhaven – Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist akut vom Aussterben bedroht. Fischfang ist nur zum Teil Ursache dafür, dass es diesen Fisch womöglich in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird. Ein anderer Grund könnten Umweltgifte sein, die den Aal-Weibchen und in weiterer Folge ihren Nachkommen erheblich zusetzen. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass die Weibchen während ihrer Wanderung eingelagerte, potenziell giftige Schwermetalle an ihre Eier abgeben. Dies kann die Gesundheit und auch die Fortpflanzung der Tiere beeinträchtigen, berichten Forscher im Fachjournal "Pnas".

    Die Wissenschafter um Marko Freese vom Bremerhavener Thünen-Institut für Fischereiökologie, darunter Mitarbeiter der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, untersuchten den Abbau unter anderem von Knochen- und Muskelsubstanz während der Geschlechtsreifung der Aale. Dabei entdeckten sie, dass in Muskeln, Knochen und Leber angesammelte Schwermetalle wie Cadmium und Quecksilber in die Eierstöcke der weiblichen Aale gelangen.

    Hochgradig schadstoffbelastet

    Umweltschützer hatten schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass Europäische Aale vor allem aus industriell genutzten Flüssen hohe Schadstoffgehalte aufweisen. "Schwermetalle und einige andere Schadstoffe setzen sich in Fluss-Sedimenten ab, in deren Nähe wiederum die Aale bevorzugt leben und belastete Nahrung aufnehmen", sagte Freese. Im Gegensatz zu vielen anderen Fischarten reproduzieren sich Aale nur einmal im Leben, bis dahin vergeht über ein Jahrzehnt. "Während dieser Zeit fressen und wachsen die Aale und speichern dabei laufend Schadstoffe in ihren Körpern", so Freese.

    foto: apa/afp/stan honda
    Die winzigen Glasaale haben eine gefährliche Reise vor sich.

    Zum Laichen schwimmen die Aale dann bis zu 6.000 Kilometer weit in die Sargassosee im westlichen Atlantik. Während dieser langen Wanderung fressen die Tiere nicht, stattdessen bauen sie Energiereserven ab und beginnen auch damit, Eier und Samenzellen zu bilden. Nach erfolgreicher Vermehrung kehren die aus den Eiern geschlüpften sogenannten Weidenblattlarven nach Nordafrika oder Europa zurück. Jene wenigen, die die gefährliche Reise überleben, entwickeln sich vor den Küsten zu Glasaalen, die etwas später als "Gelbaale" flussaufwärts in Richtung Heimat ihrer Eltern wandern, wo sie zu adulten Aalen heranwachsen.

    Knochenverlust für die Nachkommenschaft

    Das Forscherteam analysierte für die Studie die Körper Europäischer Aale verschiedenen Geschlechts und Alters unter anderem per Computertomographie (CT). Die Analyse etwa von Knochen, Muskeln, Leber und Keimzellen ergab, dass die Tiere auf dem Weg in die Sargassosee unter anderem ihr Skelett als Mineralstoffquelle nutzen. Die Knochenmasse nimmt stark ab, darin enthaltene Stoffe wie Phosphor und Kalzium werden frei. Beide Substanzen braucht der Aal für die Reifung. Der Knochenverlust sei bei den Weibchen besonders stark ausgeprägt, schreibt das Team.

    "Aale können wie andere Salzwasserfische auch gelöstes Kalzium aus dem Meerwasser aufnehmen, aber gerade für den Bedarf an Phosphor nutzen sie ihre eigenen Körperreserven", erläuterte Freese. Bei dem Aufbauprozess würden auch Schwermetalle in die sich entwickelnden Eier übertragen. "Die Erkenntnisse der Studie zeigen, dass neben Flussverbauung, Fischerei, Parasiten und Krankheiten auch der Transfer von Schadstoffen wie den Schwermetallen vom Mutterfisch auf die Eier dem Europäischen Aal das Überleben schwer machen kann." (red, APA, 14.5.2019)

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