Chinas Megaprojekte: 216 neue Flughäfen in 15 Jahren

    15. Mai 2019, 07:00
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    In nur vier Jahren baute China das weltgrößte Netz für Hochgeschwindigkeitszüge und den zweitgrößten Flughafenterminal. Weitere Megaprojekte sind in Planung

    Die Diskussion über den Bau einer dritten Piste für den Flughafen Wien ist vielen noch in Erinnerung – sie wurde auch deshalb breit und emotional geführt, weil die Piste das Leben der Anrainer beeinflusst und massive Folgen für Luftqualität und Umwelt hat. Wenn sich einer der sechs österreichischen Flughäfen derart vergrößert, ist das für hiesige Dimensionen immerhin ein signifikantes Infrastrukturprojekt. Bis 2030 wird nun mit der Inbetriebnahme der dritten Piste gerechnet.

    216 neue Flughäfen

    In China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, wären solche Pläne kaum eine Randnotiz in den Zeitungen wert. In einem vergleichbaren Zeitrahmen, nämlich bis 2035, sollen in China sage und schreibe 216 neue Flughäfen erbaut werden. Das teilte die Zivilluftfahrtbehörde der Volksrepublik im vergangenen November mit. Damit würden sich die bisherigen Airports auf chinesischem Boden auf 450 fast verdoppeln.

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    Der Daxing Airport soll Pekings bereits bestehende internationale Flughäfen entlasten. Nur am weltgrößten Flughafen in Atlanta ist das Passagieraufkommen noch größer.

    Einer der neuen Flughäfen ist Peking-Daxing, rund 50 Kilometer südlich des Hauptstadtzentrums. Er soll schon im September 2019 fertiggestellt werden und verfügt dann mit acht Start- und Landebahnen über genauso viele wie alle österreichischen Flughäfen zusammen – nach Fertigstellung der dritten Piste am Flughafen Wien. Bei voller Auslastung wird Peking-Daxing Schätzungen zufolge jährlich mehr als 130 Millionen Menschen transportieren und damit zum größten Transporthub der Welt werden.

    Derzeit bauen 8.000 Arbeiter am 700.000 Quadratmeter großen Hauptterminal, der nach dem Terminal des Flughafens Istanbul der zweitgrößte der Welt sein wird. Extrem ist auch die Geschwindigkeit der Errichtung: Mehr als eine Million Kubikmeter Beton und 200.000 Tonnen Stahl wurden bei den nur vier Jahre dauernden Bauarbeiten verbaut.

    Unterwassertunnel

    Doch nicht nur in der Luft, auch unter der Erde und im Wasser plant China Großes: Es hat offenbar Gefallen daran gefunden, seine Landesteile immer stärker zu vernetzen. Vergangenen Oktober wurde die mit rund 30 Kilometern längste Überwasserbrücke der Welt im Perlflussdelta eröffnet – sie verbindet die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau.

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    Die West-Ost-Ausdehnung Wiens ist mit 29,4 Kilometern 200 Meter kürzer als die von China erbaute Brücke zwischen Macau und Hongkong.

    Wurden für diese Brücke bereits 6,7 Kilometer untertunnelt, um den regen Schiffsverkehr nicht zu stören, sollen beim geplanten Bohai-Eisenbahntunnel östlich von Peking gar 90 der 123 Kilometer unterhalb der Meeresoberfläche verlaufen. Der Tunnel wäre etwa zweieinhalbmal so lang wie der Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien. Die chinesische Zentralregierung hat verkündet, den mehrmals verschobenen Plan für diesen Bau nun "so bald wie möglich" beginnen zu wollen. Sie soll vorhaben, irgendwann gar eine Unterwasserverbindung ins mehrere hundert Kilometer entfernte Südkorea zu bauen. Derzeit ist Südkorea von China aus nur per Schiff oder Flugzeug zu erreichen.

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    Dürfte bis Mitte des Jahrhunderts Realität werden: der Mega-Unterwassertunnel zwischen Dalian und Yantai.

    Im Speed-Rausch

    Die hektische und getriebene Stimmung in chinesischen Großstädten spiegelt sich gewissermaßen auch in den Ambitionen für neue rasend schnelle Zugverbindungen wider: Knapp 30.000 Kilometer an Hochgeschwindigkeitsverbindungen befinden sich bereits heute auf dem Boden der Volksrepublik – das sind rund zwei Drittel der global vorhandenen Gesamtlänge.

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    Chinas Zugnetzwerk entstand innerhalb weniger Jahre. Dessen Züge rasen heute mit Höchstgeschwindigkeit.

    Dabei begann China erst 2007 mit dem Bau von Hochgeschwindigkeitszügen – binnen weniger Jahre entstand das weltweit größten Hochgeschwindigkeitsnetz. China möchte es bis 2025 auf 38.000 Kilometer und bis 2030 gar auf 45.000 Kilometer Länge ausbauen. Das wäre deutlich mehr als der Erdumfang.

    Faktor erneuerbare Energien

    Doch es gibt noch mehr Megaprojekte in China: das größte Wasserumleitungsprojekt aller Zeiten etwa, das Wasserkraftwerk mit der größten Generatorenleistung (Drei-Schluchten-Talsperre) oder den größte Windpark weltweit (Gansu). Auch zwei der drei größten Kohlebergwerke der Welt befinden sich in China. Gleichzeitig führt das Land auch bei der Produktion von Wind- und Solarenergie.

    Noch setzen die Chinesen vor allem auf fossile Brennstoffe, um die gewaltigen Megaprojekte zu stemmen und den wirtschaftlichen Fortschritt voranzutreiben. Berechnungen gehen davon aus, dass lediglich 20 Prozent des Energiebedarfes bis 2030 aus erneuerbaren Energien gedeckt werden können. Doch China hat angekündigt, in Zukunft öfter und vehementer auf umweltfreundlichere Energie zurückgreifen zu wollen. Wenn man einem Staat das Megaprojekt der Umstellung auf alternative Energien zutrauen kann, dann wohl China. (Fabian Sommavilla, 15.5.2019)

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