"Ciao Marco"

Kolumne15. Mai 2019, 14:13
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Marco Pantani ist ein Wirtschaftsmotor für die Region rund um Cesenatico

"Ciao Marco" steht auf dem Bild. Es hängt in der Rezeption. Auch in den Gängen. Nur nicht im Speisesaal: Im Frühstückssaal des Hotel Beau Soleil in Cesenatico hängt ein Aquarell. Zweieinhalb Meter breit. Ein Glatzkopf auf dem Rennrad. Im Wiegetritt. Die Konkurrenz verschwimmt. Der Glatzkopf trägt Gelb. Nicht nur auf diesem Bild: Wo in Cesenatico Marco Pantanis gedacht wird, dominiert Gelb.

Gelb trägt im Radsport der Führende. Doch der Hinweis ist überflüssig. Denn Pantani, der "Spatz", der "Elefant", der "Pirat", ist in der Emilia Romagna auch 15 Jahre nach seinem Tod ein Volksheld. Eine Legende. Es gibt Statuen. Ein Museum. Erinnerungstafeln entlang der Hausstrecken. Und zahllose Fotos von dem Mann, der 1998 das Double – also Tour und Giro – gewann, mit "Locals". Dabei ging der Stern des 1,70 Meter kleinen 56-Kilo-Giganten vor der Selfie-Epoche auf: 1994, beim Giro. Pantani war 24 – und nahm Berge wie Massen im Sturm. Bis 1999. Da flog er auf: Epo.

Heldentum

Der Held versank in Depressionen. 2004 lag er tot in einem Hotelzimmer: Überdosis. Koks. Doch Volkshelden dürfen so nicht sterben: Bis 2015 wurde ermittelt, ob Pantani nicht zur Überdosis gezwungen worden sein könnte. Seine Familie kämpfte bis 2017 um die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Rund um Cesenatico fahren heute Tausende auf Pantanis Bergen und Routen. Der Mythos ist ein Wirtschaftsmotor. Doping? Drogen? Depressionen? Gibt es nicht. Gab es nie. In Erzählungen, Elogen und Hymnen kommt derlei nicht vor.

Da ist nur Licht. Und zwei Worte auf dem Foto: "Ciao Marco". (Thomas Rottenberg, 15.5.2019)

  • Das Aquarell aus dem Frühstückssaal.
    foto: thomas rottenberg

    Das Aquarell aus dem Frühstückssaal.

  • Wo in Cesenatico Marco Pantanis gedacht wird, dominiert Gelb.
    foto: thomas rottenberg

    Wo in Cesenatico Marco Pantanis gedacht wird, dominiert Gelb.

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