Aus für den Life Ball: Für Wien ein Verlust

Kommentar10. Mai 2019, 18:11
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Die Krise des bombastischen Eventkonzepts der vergangenen Jahre hat sich immer klarer gezeigt

Es soll wohl ein großer Abgang werden und ein ebensolcher finanzieller Erfolg. Das mag erklären, warum sofort ein zusätzliches Kartenkontingent für den Life Ball 2019 angekündigt wurde, nachdem dessen Begründer und Alter Ego, Gery Keszler, mitgeteilt hatte, dass die heurige Benefiz-Großveranstaltung für HIV-infizierte und aids-kranke Menschen die letzte sein werde.

Spekulationen über einen hoffnungsgetragenen Plan B wurden durch eine Vielzahl von Dankesworten relativiert. Sie klangen nach endgültigem Abschied. Dass nach Keszlers Auftritt neue Financiers als Ersatz für abgesprungene Sponsoren auftauchen könnten, scheint wenig wahrscheinlich.

Auch hatte sich die Krise des bombastischen Eventkonzepts der vergangenen Jahre immer klarer gezeigt. Es wurden internationale Stars eingeflogen, die sich oft gar nicht unters normale Ballvolk mischten. Das schlug sich mit der ursprünglichen Absicht, die Krankheit Aids, die in Europa zuallererst homosexuelle Männer heimsuchte, durch eine schrille Feier der schwulen Community zu enttabuisieren.

Letzteres verlor an Relevanz, als sich das Virus in weiteren Bevölkerungsgruppen verbreitete. Dazu kam – zum Glück – der medizinische Fortschritt, der Aids, früher ein Todesurteil, zu einer lebenslangen chronischen Krankheit machte. Was bleibt, ist Bedauern, dass mit dem Life Ball das Fest einer Gegenkultur und ein Wiener Alleinvertretungsmerkmal enden – während Opern- und Akademikerball florieren. (Irene Brickner, 10.5.2019)

  • Life Ball Organisator Gery Keszler verkündete das Aus des Life Balls.
    foto: apa/robert jaeger

    Life Ball Organisator Gery Keszler verkündete das Aus des Life Balls.

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