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12. Mai 2019, 08:00

Lässige Sounds und eine fette Party statt Selbstgebasteltes und Blumenstrauß zum Muttertag: In der Wiener Albertina-Passage fand im Vorfeld des Muttertags erstmals ein Clubbing für Mütter und ihre Kinder statt. Veranstaltet wurde die Party von Ö3-Moderatorin Gabriela Euler-Rolle (47) und ihrem Sohn Elijah (22). Gemeinsam feierten sie zu Daft Punk und Amy Winehouse bis in die frühen Morgenstunden.

Was anderen Müttern und Kindern (zumindest in manchen Lebensphasen) peinlich sein könnte, ist für die beiden kein Problem. Sie wagten das Clubbing-Experiment unter dem Titel "Merci Mama", um zu zeigen, dass generationenübergreifendes Feiern durchaus Spaß macht. "Irgendwann kommt der Punkt, an dem es wieder ganz cool ist, mit Mama zu feiern", sagt Elijah. Entstanden ist die Idee, weil Euler-Rolle mit 24 in ihrem Freundeskreis verhältnismäßig früh schwanger wurde, ihren Sohn von Anfang an zu Events mitnahm und auch dann ganz selbstverständlich mit ihm feierte, als er ins Mama-ist-uncool-Alter kam.

Drei junge Mutter-Kind-Paare erzählen

Junge Mütter erleben mit dem Nachwuchs ganz andere Situationen als späte. Und das sowohl in den ersten Jahren als auch dann, wenn die Kinder aus dem "Gröbsten raus" sind. Drei junge Mutter-Kind-Paare schildern dem STANDARD, wie sie mit dem gar nicht so großen Altersunterschied umgehen, erzählen über Stolpersteine und positive Aspekte, wenn man jung Mutter wird – oder eben eine Mama hat, die nicht wesentlich älter ist.

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foto: heribert corn
Gabriela Euler-Rolle (47) mit Sohn Elijah (22)

"Wir machen gern gemeinsam Party"

Gabriela: "Eltern und Kinder haben bei unserem Event gemeinsam zu Daft Punk, Amy Winehouse und Pomplamoose getanzt – unser Muttertags-Clubbing war ein voller Erfolg. Mehrere Generationen hatten zusammen Spaß. Mein Sohn und ich machen immer wieder gemeinsam Party: Die Idee ist entstanden, weil Elijah als Jugendlicher gern bei den Silvesterfeiern mit unseren Freunden dabei war.

Feiern verbindet, weil wir uns auf einer anderen Ebene kennenlernen, wo Spaß eine große Rolle spielt. Doch gewisse Grenzen und Respekt sind wichtig. Mit Freunden sollten Kinder anders reden als mit den Eltern. Wir haben ein sehr offenes Verhältnis, er erzählt mir alles und war immer stolz, mit mir unterwegs zu sein. Peinlich war ihm selten etwas. Elijah war von Anfang an immer überall dabei, weil ich eine der ersten Mütter im Freundeskreis war. Wir waren eine Clique, alle haben sich um Elijah gekümmert.

"In den Zwanzigern ist es nicht so schlimm, wenig zu schlafen."

Das Gute an der jungen Mutterschaft: Mit Mitte 20 geht man etwas naiver an die Sache heran. Ich habe mein Leben nicht nur auf das Kind ausgerichtet, habe viel unternommen und war auch immer berufstätig. Allerdings war auch meine Mutter sehr involviert. Ich habe auch noch eine zehnjährige Tochter, die ich mit 36 bekommen habe, und merke schon, dass ich nicht mehr so belastbar bin. In den Zwanzigern war es nicht so schlimm, wenn ich manchmal nur ein paar Stunden geschlafen habe. Jetzt ist Elijah aus dem Haus, und ich nehme mir Zeit für ein neues Projekt: Als Moderatorin bei Ö3 bin ich gerade ein Jahr in Bildungskarenz und kümmere mich mit meiner Partnerin Marie Carlier um den Aufbau unserer Schmucklinie "Mine"."

foto: heribert corn
Gemeinsam Partys zu organisieren, verbindet.

Elijah: "Ich bin gern mit meiner Mama im selben Club, es kommt aber sicher auf das Alter an: Mit 16 will man wohl eher nicht mit den Eltern feiern, auch wenn sie noch relativ jung sind. Es könnte unangenehm sein, neben ihnen mit Mädels zu flirten. Später geht das schon, da ist das Thema Freundin dann normal.

Irgendwann kommt dann der Punkt, dass es ganz cool ist, mit Mama zu feiern – natürlich nicht mit jeder (zwinkert verschmitzt). Trotzdem bleibt die Mama die Mama und der Papa der Papa. Neben unserem Clubbing feiern wir auch ganz traditionell Muttertag. Ich stehe früh auf, hole Blumen, mache Frühstück – Mama tut überrascht und freut sich. Es ist schön, auch einmal Danke zu sagen!"

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In Österreich stellen junge Mütter eher die Ausnahme. Das Alter, in dem Frauen Kinder bekommen, verschiebt sich sogar immer weiter nach hinten: 1984 waren Frauen laut Statistik Austria bei der Geburt des ersten Kindes durchschnittlich noch rund 24 Jahre alt, 2017 lag das Erstgebäralter bereits bei 29,5 Jahren. Fast ein Viertel der Frauen ist bei der Geburt des ersten Kindes schon 35 oder älter.

Viele junge Schwangere

Dennoch werden in Österreich jährlich im Schnitt 1700 Babys von Teenagermüttern auf die Welt gebracht, allein in Wien sind es rund 500. Den Freuden, die Kinder später bereiten, gehen oft schwierige Jahre voraus. Denn die ökonomischen und sozialen Folgen früher Schwangerschaften sind auch in Österreich beträchtlich, sagt Julia Rainer, Sprecherin des Frauenkomitees der Bundesjugendvertretung: "Schwangerschaften im Teenageralter sind in den allermeisten Fällen ungeplant und bringen Betroffene ohne soziales und finanzielles Netz in eine prekäre und auch psychisch teils überfordernde Lage."

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foto: ferdinand neumüller
Linda Egger (45) , Tochter Charlien (25) und Enkel Theo (1)

"Ich bin froh, dass ich so jung Oma bin"

Linda: "Für mich war es nicht früh, als ich mit 19 mit meiner ersten Tochter Jolana schwanger wurde. Ein Jahr später kam dann Charlien. Ich musste zwar meine Schneiderlehre aufgeben, bin aber stattdessen gerne Bäuerin geworden. Der Vater meiner Kinder ist Vollerwerbsbauer, und ich arbeite auf dem Hof und bin Hausfrau und Mutter. Das ist ein Job, der leider zu wenig geschätzt wird. Als ich schwanger wurde, hat meine Mutter selbst noch zwei Kleinkinder gehabt, auf die ich als Teenager ab und zu aufgepasst habe. Sie hat mir so viel wie möglich geholfen, war aber auch sehr eingespannt.

foto: ferdinand neumüller
Drei Generationen – alle noch jung.

Mit 30 wurde ich mit meinem Sohn zum dritten Mal schwanger, das war ganz anders. Ich hatte viel mehr gelesen, hatte einen Informationsüberschuss und war nicht mehr so unbeschwert. Dafür bin ich bei ihm gemütlicher, denn als junge Mutter hatte ich zwar Nerven wie Drahtseile, war aber oft auch ungeduldig.

Ich bin froh, dass mein 16-jähriger Sohn noch bei uns wohnt, denn der Nachteil früher Mutterschaft für mich ist, dass man noch jung ist, wenn die Kinder ausziehen. Ich habe sie gerne um mich und hätte nichts dagegen, wenn sie noch jünger wären. Dafür habe ich viel Zeit und Energie für meinen Enkel Theo. Wenn ich auf ihn aufpasse, spielen wir den ganzen Tag. Ich bin froh, dass ich so jung Oma bin – das ist ein großer Vorteil."

"Als ich schwanger wurde, hat meine Mutter selbst noch zwei Kleinkinder gehabt."

Charlien: "Es ist super, so eine junge, fitte Mama zu haben. Das fand ich schon in meiner Teenagerzeit cool. Gemeinsam shoppen und Kleidungsstücke austauschen macht Spaß. Wir fühlen uns auf einer Wellenlänge – das hat mich wohl auch beeinflusst, selbst jung Mama zu werden. Zwar wollte ich bis zum Ende meines Studiums warten, doch es kam anders: Ich hatte noch ein Semester bis zum Abschluss meines Musik- und Englisch-Lehramts, als Theo zur Welt kam. Es war schon stressig und eine Herausforderung. Ohne die große Hilfe meiner Eltern wäre es aber schwerer gewesen. Sie übernehmen den Kleinen oft zum Babysitten, und er liebt es, bei ihnen auf dem Bauernhof zu sein.

Rückblickend würde ich es aber wieder so machen. Ich habe viel Energie und bin ziemlich entspannt. Nebenbei singe ich sehr viel, gebe Gesangsunterricht und spiele immer wieder in Musicals mit. Im Juni ist Premiere von Charleys Tante im Volxhaus Klagenfurt – da muss ich aufpassen, dass das Kostüm passt, denn mein zweites Kind kommt im September. Meine Mama wird zweifache Oma mit 46."

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Unterstützung holen

Wenn junge Frauen unter 20 schwanger werden und wenig Unterstützung durch erwachsene Vertrauenspersonen wie die eigenen Eltern, den Kindesvater, eine Lehrerin oder eine Frauenärztin haben, finden sie Hilfe bei Einrichtungen wie Young Mum im St.-Josef-Krankenhaus in Wien. Dort werden sie während der Schwangerschaft, bei der Geburt und im ersten Lebensjahr des Babys von Hebammen, Gynäkologen oder auch einem Sozial- und Rechtsberater betreut. "Meist geht es um Probleme mit Eltern, Partner, Schule, Arbeitgeber, Behörden, aber auch um gesundheitliche Belange", heißt es von der spendenfinanzierten Einrichtung. Die wichtigsten rechtlichen Fragen betreffen die Obsorge und die Vaterschaft und die damit verbundenen Unterhaltszahlungen.

Dazu vergessen die jungen Mütter in der emotionalen Ausnahmesituation teilweise auf Organisatorisches wie die zeitgerechte Information des Arbeitgebers oder fristgerechte Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen. Wichtig für die Betroffenen ist auch die Info, dass es finanzielle Unterstützungsleistungen wie ein Wochen- und Kinderbetreuungsgeld, die Beihilfe für Alleinerzieherinnen, eine Wohnbeihilfe, Mietzuschüsse, den Familienhärteausgleich oder auch die Kinderbetreuungsbeihilfe des AMS gibt.

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foto: heribert corn
Valentina (27) mit Sohn Constantin (11)

"Viele halten mich für die ältere Schwester"

Valentina: "Laute Geräusche machen, Ursache und Wirkung erkunden, auch wenn es die Mama blöd findet – ich kann mich manchmal noch gut hineinversetzen, wie es ist, Kind zu sein. Das finde ich im Zusammenleben mit meinem Sohn eine schöne Sache. Ich bin mit der Aufgabe mitgewachsen. Als ich so jung schwanger war, wusste ich nicht, ob ich reif genug für ein Kind bin, und hatte meine Angstmomente. Klar war aber: Das ist mein Kind, ich kriege es. Bei meinen Eltern hat es ein wenig Überzeugungsarbeit gebraucht. Aber jetzt sind alle Großeltern gerne da. Im Alltag ist es nicht immer leicht, auch weil ich Alleinerzieherin bin. Unsere Alltagsplanung ist wie Tetrisspielen: Ich bringe zwei Jobs und eine Ausbildung unter einen Hut.

foto: heribert corn
Reisen ist eines der gemeinsamen Hobbys.

Oft werde ich für die ältere Schwester gehalten, und die Reaktionen der Leute waren nicht immer positiv, wenn sie die Wahrheit erfuhren. Beim Elternabend im Kindergarten bin ich in der Vorstellungsrunde einfach übergangen worden, weil ich nicht als Mutter wahrgenommen wurde. In der U-Bahn haben mich Fremde beschimpft, als Constantin noch ein kleines Baby war. Eh klar, bei so einer jungen Mutter kann man ja nur schreien, hieß es. In vielen Köpfen herrscht das Klischeebild, eine junge Mutter ist eine schlechte Mutter. Dass junge Mütter auch gut für ihre Kinder sorgen können, erfahre ich bei meiner Arbeit bei Young Mum immer wieder. Wichtig ist, dass sie Unterstützung erhalten.

Constantin ist froh, dass wir gemeinsam viele coole Sachen machen – wir interessieren uns beide für Zirkusartistik -, findet es aber trotzdem altersgemäß peinlich, wenn ich ihn in die Schule bringe. Generell merke ich, dass es mir leicht fällt, meinen Sohn und seine Freunde von den Handys wegzuholen und sie zu motivieren, ins Freie zu gehen.

Mein Motto ist: Leben nicht trotz Kind, sondern mit Kind. Ich weiß nicht, ob ich jemals die Schule fertiggemacht hätte, wäre ich nicht schwanger geworden. Als meine Freunde anfingen, abends auszugehen, lernte ich zu Hause. Das hatte etwas Positives. In mir steckt schon eine Rebellin, allerdings gebändigt durch eine ganz besondere Aufgabe."

"Ich mache mit meiner Mama gern akrobatische Tricks."

Constantin: "Ich mag es, mit meiner Mama akrobatische Tricks zu machen und mit ihr zu reisen. Wir waren schon mit Rucksack in Sri Lanka und fahren viel mit unserem Auto herum, das man zum Campen umbauen kann. Die nächste Station ist Costa Rica, darauf freue ich mich schon!"

Arbeit mit jungen Müttern

Seit einem Jahr arbeitet die 27-jährige Valentina bei Young Mum. Sie wurde selbst mit 14 schwanger und suchte damals Hilfe bei der Institution. In die Lage junger Frauen kann sie sich gut hineinversetzen. Jetzt zeigt sie ihnen Wege, den Alltag zu bewältigen, auch wenn die Babys schon da sind. "Wir behandeln nicht nur Themen wie Ernährung, Stillen und Entspannung, sondern machen mit den Müttern etwa auch kreative Gipsabdrücke ihrer Bäuche. Das kann sehr bindungsfördernd sein und ist deswegen auch eine wichtige Sache", sagt Valentina. Sie erlebt, dass ihre Klientinnen intuitiver und weniger verkopft sind als ältere Mütter, dafür aber an Themen wie den Beckenboden nach der Geburt erst herangeführt werden müssen.

Wie es ist, jung Mutter zu werden, erlebte auch die Kärntnerin Linda Egger, die mit 19 Jahren zum ersten Mal schwanger wurde und mit 46 bald zweifache Oma wird. Das Positive daran für sie: "Ich habe noch viel Kraft und kann mit den Enkeln unbeschwert herumtoben. Dazu fallen die Sorgen, die man sich als Mutter macht, weg. Und als Oma darf ich auch mal eine Schoko mehr erlauben." (BEOBACHTET VON: Marietta Adenberger, 12.5.2019)