Überreste eines römischen Tors in der Wiener Innenstadt freigelegt

    10. Mai 2019, 16:57
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    Bauarbeiten bringen Fundamentsteine der alten Porta Decumana ans Licht – allerdings nur für kurze Zeit

    illustration: apa/stadtarchäologie wien/7reasons
    So in etwa hat das Stadttor laut Wiener Stadtarchäologie einst ausgesehen.

    Wien – In der Wiener Innenstandt sind im Bereich Graben / Tuchlauben archäologische Fundstücke aus der Zeit, als hier noch das römische Legionslager Vindobona stand, ans Licht gekommen – und das genau genommen nicht zum ersten Mal. Laut Constance Litschauer und Martin Mosser von der Wiener Stadtarchäologie wurden hier vor rund hundert Jahren Leitungen eingebaut, die an der Fundstätte vorbei führten. Die Bedeutung des Fundes wurde damals aber offenbar noch nicht erkannt.

    Am Ende der Straße

    Laut den Archäologen gehörten die Steinquader, die nun aufgrund von Bauarbeiten nach einem Gasgebrechen erneut zum Vorschein kamen, zum Fundament eines Tors. Hier soll in der Römerzeit die Via Decumana in einem Stadttor, der Porta Decumana, geendet haben.

    Die Via Decumana führte direkt von der Vorstadt ins Lager von Vindobona. Die Reste der Umgebungssiedlung sind auf dem benachbarten Michaelerplatz zu sehen. Spaziert man von dort über den Kohlmarkt Richtung Graben, wandelt man somit auf historischen Spuren: Man geht direkt auf jenen Platz zu, an dem einst die Eingangspforte ins Lager Vindobona stand.

    foto: apa/martin mosser
    Neben der Leitung sind die Fundamentsteine zum Vorschein gekommen.

    Vor den an beiden Seiten angrenzenden Mauern befand sich der in solchen Fällen übliche Graben mit diversen Verteidigungseinbauten. Das Tor selbst bestand bis ins 12. Jahrhundert, als auf den Fundamenten des römischen Vermächtnisses neu aufgebaut wurde. Anstatt der Porta Decumana wurde das sogenannte Peiler- oder Bairertor errichtet, das bis 1731 dort stand.

    Nur ein kurzer Einblick

    Dank der nun gemachten Zufallsentdeckung kann die südwestliche Haupteinfahrt ins ehemalige Kastell nun ziemlich genau verortet werden. Wenige Meter entfernt wurde ein weiterer Quader freigelegt, der die Fahrbahnmitte bzw. die Teilung des Tores markiert haben könnte. Auch Schotterreste wurden gesichtet. Der Fahrbahnbelag der technisch relativ weit entwickelten Römer war laut den Archäologen hochwertiger als jener später im Mittelalter.

    foto: apa/martin mosser
    Schnell noch einen Blick darauf werfen!

    Die nun ausgegrabenen Reste werden allerdings bald wieder zur Gänze unter dem Pflaster verschwinden, weitere archäologische Grabungen wird es dort nicht geben. Dafür hofft man andernorts auf weitere Entdeckungen: Auch die benachbarte Rotenturmstraße folgt nämlich der alten Lagergrenze, und auch dort finden derzeit Bauarbeiten statt. (APA, red, 10. 5. 2019)

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