Teenager: Soziale Medien haben kaum Einfluss auf Zufriedenheit

    11. Mai 2019, 06:00
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    Soziale Medien scheinen die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen kaum zu beeinflussen, zeigt eine aktuelle Langzeitstudie

    Es ist ein Ergebnis, das man so wohl nicht erwartet hätte: Die Universität Oxford und die Universität Hohenheim in Stuttgart haben in einer weltweiten und umfangreichen Langzeitbefragung herausgefunden, dass sich die Social Media-Nutzung und die persönliche Lebenszufriedenheit von Teenagern in nur kaum messbaren Größenordnungen gegenseitig beeinflussen.

    Bisherige Studien über den Zusammenhang zwischen Social Media-Konsum und Lebensglück kämpfen meist mit einem Makel: Mal sind es geringe Teilnehmerzahlen, mal sehr einfache Auswertungen und oft handelt es sich nur um Momentaufnahmen durch wenige Befragungen in einem relativ kurzen Zeitraum.

    Anders der Datenpool, der in der aktuelle Forschungsarbeit untersucht werden konnte. Die Daten stammen aus der Langzeitstudie "Understanding Society". Für ihre Veröffentlichung werteten die Wissenschafter die Angaben von 5.492 Teenagern aus. Bis zu acht Jahre lang hatten diese regelmäßig angegeben, wie viele Stunden sie an einem normalen Schultag mit Social Media verbrachten und wie hoch ihre gegenwärtige Lebenszufriedenheit sei.

    Schwache Wechselwirkung

    Die Anzahl der Stunden markierten sie auf einer fünfstufigen Skala zwischen 0 bis 7 und mehr Stunden. Ihre Lebenszufriedenheit markierten sie auf einer Skala von Smileys mit sieben Stufen. Dabei unterschieden sie verschiedene Bereiche wie die Zufriedenheit mit Freundschaften, Aussehen oder familiärer Situation.

    Die Befragungen fanden acht Mal mit einem Abstand von jeweils einem Jahr statt. Die erste Befragungswelle begann im Jahr 2009. Die Befragungen halten bis heute an.

    "Wenn man leichte Tendenzen sucht, lässt sich sagen, dass wir eine ganz schwache Wechselwirkung zwischen Social Media Konsum und Lebenszufriedenheit gefunden haben. Nimmt der Social Media Konsum zu, reduziert sich die Lebenszufriedenheit geringfügig. Gleichzeitig steigt bei sinkender Lebenszufriedenheit auch in ganz leichtem Maße der Social Media Konsum. Die Effekte scheinen dabei für Mädchen etwas ausgeprägter zu sein als für Jungen", heißt es in der Studie.

    "Wichtiger Schritt"

    Die Effekte seien jedoch minimal: "In Zahlen ausgedrückt lassen sich Veränderungen in der Lebenszufriedenheit nur zu weniger als einem Prozent auf den Social-Media-Konsum zurückführen", so Tobias Dienlin vom Fachgebiet Medienpsychologie der Universität Hohenheim. Um das Ergebnis einzuordnen: Die Häufigkeit, mit der Jugendliche und Eltern das Abendessen teilten, habe einen etwa gleich großen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit.

    "Die Studie ist ein wichtiger Schritt, um Technikfolgen für das Wohlergehen von Heranwachsenden zu bestimmten", so Andrew Przybylski, Director of Research am Oxford Internet Institute.

    Gleichzeitig könne die Auswertung von Befragungen nur ein erster Schritt sein, betont Amy Orben, Doktorandin und College Lecturer an der Universität Oxford. Um die detaillierten Auswirkungen der Sozialen Medien auf Teenager zu verstehen, sei es nötig, Zugriff auf die Daten der Social Media-Anbieter zu erhalten.

    Rahmen schaffen

    Es sei deshalb dringend an der Zeit, den notwendigen politischen, ethischen und wissenschaftlichen Rahmen für solche Untersuchungen zu schaffen, so die Forderungen der Forscher.

    Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscherinnen und Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" (PNAS).

    Für ihre Auswertung nutzten die Universitäten Oxford und Hohenheim die Methode "Random Intercept Cross-Lagged Panel Model". Dabei wird untersucht, inwiefern Zu- oder Abnahme einer der beiden Variablen in Zusammenhang steht mit der Zu- oder Abnahme der anderen Variable – über einen Zeitraum von jeweils einem Jahr. Die Methode gilt aktuell als die bestgeeignete, um einen besseren Eindruck über den kausalen Zusammenhang der Variablen zu erhalten. (red, 11.5.2019)

    • Die Forscher analysierten Angaben von 5.492 Teenagern aus einem achtjährigen Befragungszeitraum.
      foto: istock

      Die Forscher analysierten Angaben von 5.492 Teenagern aus einem achtjährigen Befragungszeitraum.

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