Frankfurter "Tatort": Ein Relikt aus dem Fernsehmuseum

11. Mai 2019, 17:00
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Erst kurz vor dem Schluss kommt vermeintlich große Knall mit dem #MeToo-Thema, aber auch das wird leider völlig verschenkt

Der Tatort ist ja immer auch Aushängeschild für die Stadt, in der er spielt. Nicht schwer fällt die Prognose, wer nach dem Sonntag eher unzufrieden sein wird: Kassel mit seinen 200.000 Einwohnern.

Dorthin verschlägt es die Frankfurter Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch), weil jener 17-Jährige dort lebte, dessen Körperteile auf halb Hessen verstreut sind. Die Stadt wird als rückständiges Kaff gezeichnet, die Polizei dort kann offenbar auch nicht alleine ermitteln. So weit, so schlecht.

Aalglatter TV-Talker

Doch auch der Kriminalfall trägt nicht zum erbaulichen Ausklang des Wochenendes bei. Der Ermordete war der Stiefsohn eines bekannten und aalglatten TV-Talkers, gespielt vom Niederländer Barry Atsma, den man in Deutschland aus der Serie Bad Banks in guter Erinnerung hat.

Von Anfang an ist klar: Der Papa ist der Mörder, aber er muss halt überführt werden. Und wir wollen wissen: Warum hat er's getan? Die Ermittlungen sind so zäh wie eine Fahrt auf der Autobahn von Frankfurt nach Kassel bei stockendem Verkehr.

Wie aus dem Fernsehmuseum gefallen

Zwar ist der smarte und scheinbar nicht zu knackende TV-Star ganz gut anzusehen, aber er wirkt in seinem Gehabe auch wie ein aus dem Fernsehmuseum gefallenes Relikt. So packend wie angekündigt sind die Verhöre auch nicht. Es wird immer später und später – und nix tut sich.

Erst kurz vor dem Schluss kommt dann plötzlich der vermeintlich große Knall mit dem #MeToo-Thema, aber dieses wird nur noch angerissen und dadurch leider völlig verschenkt.(Birgit Baumann, 11.05.2019)

  • Langeweile in Kassel: Maarten Jansen (Barry Atsma) und Polizistin Mira Herbold (Anabel Möbius).
    foto: orf / ard

    Langeweile in Kassel: Maarten Jansen (Barry Atsma) und Polizistin Mira Herbold (Anabel Möbius).

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