Regisseurin Mirjam Unger: Festwochen, "Vorstadtweiber" und Emanzipation

    Kopf des Tages10. Mai 2019, 16:54
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    Ein gesellschaftskritischer Blick zeichnet die meisten Arbeiten Ungers aus, da darf man mit den "Vorstadtweibern" schon mal auf den Putz hauen

    Als sie noch ein Kind war, war die Eröffnung auf dem Rathausplatz der Teil, über den sie den Zugang zu den Wiener Festwochen gefunden hat. An Falco und Hansi Lang auf der großen Bühne erinnert Mirjam Unger sich noch immer. Heuer ist die 48-jährige Filmemacherin selbst als Regisseurin für den Auftakt des Kulturspektakels verantwortlich. Als Ikonen stehen am Freitagabend allerdings zu über 80 Prozent Frauen auf der Bühne. Das ist nicht nur Ungers Verdienst, ein Team arbeitet seit einem halben Jahr an der Show.

    Emanzipatorisch und feministisch ist Ungers Arbeit aber schon lange. Man kennt die Wienerin mittlerweile vor allem als Regisseurin. Mit Maikäfer flieg! verfilmte sie 2016 die Kriegserinnerungen von Christine Nöstlinger. Aktuell hat sie ihre Finger etwa bei den Vorstadtweibern im Spiel. Bei fünf Folgen der im Herbst anlaufenden vierten Staffel führte sie Regie.

    Begonnen hat Unger jedoch beim Radio und vor der Kamera. ZickZack auf Ö3, X-Large und Nitebox im ORF-Fernsehen heißen die Stationen, beim alternativen Radiosender FM4 moderierte sie bis 2012 Connected und Homebase. Da war Unger aber bereits auch filmisch durchgestartet und hatte gerade Oh Yeah, She Performs! über heimische Musikerinnen gedreht.

    Gesellschaftskritischer Blick

    Ein gesellschaftskritischer Blick zeichnet die meisten Arbeiten Ungers aus. In der Doku Vienna’s Lost Daughters porträtiert sie etwa Frauen, die 1938 als Kinder aus Wien geflohen waren. Unger hat selbst jüdische Wurzeln. Für die ORF-Reihe Am Schauplatz drehte Unger über Kinderarmut und Frauen im österreichischen Heer.

    Dann darf man mit den Vorstadtweibern schon einmal auf den Putz hauen und feministische Themen von der anderen Seite aufzäumen? Wer es so schlicht sieht, irrt. Serienregie ist nach wie vor sehr männlich besetzt, insofern zählt auch diese Arbeit als Statement. Weil Frauen anders erzählen als Männer und diese Stimme wichtig ist, berät Unger beim FC Gloria, der sich für die Interessen von Frauen in der österreichischen Filmbranche einsetzt, als Mentorin junge Kolleginnen.

    Musik liebt die zweifache Mutter nach wie vor und gestaltet daher für Ö1 das Poplexikon im Radiokolleg. Nächstes Kinoprojekt ist der Streifen Girl and gun, an dem Unger mit Marie Kreutzer, Sandra Bohle und Johanna Moder arbeitet. Ein Drehbuch zu Michael Köhlmeiers Das Mädchen mit dem Fingerhut liegt indes auf Eis. Es geht um unbegleitete minderjährige Zuwanderer – so was sei gerade schwer zu finanzieren. (Michael Wurmitzer, 10.5.2019)

    • Filmemacherin Mirjam Unger (rechts) führte auch bei der Verleihung des Österreichischen Filmpreises 2018 Regie.
      foto: apa

      Filmemacherin Mirjam Unger (rechts) führte auch bei der Verleihung des Österreichischen Filmpreises 2018 Regie.

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