Keine Panik vor Robotern

Kommentar9. Mai 2019, 18:28
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Der digitale Wandel macht Arbeit nicht obsolet, erfordert aber eine neue Schule

Der Aufstieg des 2009 gegründeten kalifornischen Fahrdienstvermittlers Uber war stets von Kassandrarufen begleitet. Tenor: Die Ausbreitung der Uber-App auf immer mehr Städte werde dazu führen, dass global Millionen von Jobs verlorengehen. Via Uber-App ließen sich Fahrten schließlich effizienter organisieren, es brauche insgesamt weniger Taxler. Die Arbeitsplätze in Taxifunkzentralen würden überhaupt obsolet.

Die derzeit umfassendste Studie zum Thema, veröffentlicht von der Oxford Martin School, kommt zu einem anderen Ergebnis. Mit Uber sind die Jobs bei Fahrdienstanbietern nicht weniger geworden, sondern zusammengenommen um 50 Prozent gestiegen. Zu welchem Preis für Fahrer und Klima – das steht auf einem anderen Blatt.

Das Beispiel steht sinnbildlich dafür, wie der technologische Wandel die Arbeitswelt verändert. Es geht nicht so sehr darum, dass Jobs durch Digitalisierung, durch Roboter und Computer, verschwinden, sondern dass sie sich verändern. So arbeiten inzwischen viele Taxiunternehmen selbst mit Apps. Die meist von pessimistischen Untertönen geprägten Untergangsszenarien bewahrheiten sich nicht.

Berüchtigt ist ein Thesenpapier aus dem Jahr 2013, in dem der Ökonom Carl Benedikt Frey und der Informatiker Michael Osborne vorhersagen, dass allein in den USA die Hälfte der Berufe bedroht ist. Abgefragt wurden für diesen Befund allerdings nur Szenarien von zehn Wissenschaftern. Das Papier ist also nicht viel mehr als ein Blick in die Glaskugel.

Digitaler Wandel

Ein am Donnerstag veröffentlichter OECD-Bericht zu den Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Arbeitswelt kommt zumindest ohne fatalistischen Unterton aus. Tatsächlich zeigt sich in den meisten Industrieländern, auch in Österreich, nämlich ein anderes Bild: Die Beschäftigung steigt. Das Volumen an geleisteten Arbeitsstunden in Österreich war laut Statistik Austria noch nie so hoch wie aktuell. Selbst wenn Jobs verlorengehen, weil sie von Computern erledigt werden, kommen andere hinzu. Der Bedarf an Pflegekräften, IT-Experten, Bauarbeitern steigt. So weit die gute Nachricht.

Die schlechte lautet: Die Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt sind keine Zukunftsszenarien, der Wandel ist seit Jahren im Gang. Die Zahl der Jobs für Menschen ohne höhere Ausbildung nimmt rapide ab. Die Anforderungen der Unternehmen sind auf nahezu allen Ebenen gestiegen. "Selbst einfache Lagerarbeiten verlangen heute schon die Fähigkeit, mit Logistiksoftware arbeiten zu können", sagt der Chef des Arbeitsmarktservice Johannes Kopf. Dass die Beschäftigung insgesamt steigt, liegt daran, dass wir als Gesellschaft gebildeter werden. Aber: In den 1970er-Jahren konnten Schulabbrecher noch hoffen, einen guten Job in der Industrie zu bekommen. Das ist heute fast unmöglich. Gesucht werden IT-Experten, die Produktionsmaschinen programmieren können.

Die Arbeitslosenquote unter Pflichtschulabsolventen hat sich seit den 1990ern in Österreich verdoppelt. Die wichtigste Lehre daraus: Das Schulsystem gehört umgebaut, die Zahl der Schulabbrecher muss sinken. Schüler bereits als Zehnjährige zu segregieren ist fatal, das Ziel muss lauten: Matura für alle. Kombi-Angebote von Lehre und Matura sind eine gute Option. Aber noch mehr muss geschehen. Wie die Transformationen aussehen, weiß niemand. Das kann aber nur bedeuten, dass die Schule den Kindern die Lust am Lernen, das Interesse und vor allem die Neugier nicht verderben darf. (András Szigetvari, 9.5.2019)

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