Vorfolgte Christin Asia Bibi konnte laut Anwalt Pakistan verlassen

    Kopf des Tages8. Mai 2019, 18:07
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    Mit der Ausreise entkommt die Frau dem von Islamisten geforderten Tod in Pakistan

    Alles begann im Juni 2009, als die Feldarbeiterin Asia Bibi im Dorf Ittanwali im südpakistanischen Punjab aus einem Brunnen trank. Muslimische Nachbarinnen warfen der Christin vor, mit der Aktion das Wasser verunreinigt zu haben. Ein Streit brach zwischen der Christin und den Musliminnen aus. Dabei soll Bibi gesagt haben: "Was hat euer Prophet jemals getan, um die Menschheit zu retten?" Sie selbst bestreitet das, doch im November 2010 wurde sie als erste Frau in Pakistan, wo der Islam Staatsreligion ist, wegen Blasphemie zum Tod verurteilt. Acht Jahre verbrachte die heute 48-Jährige in Einzelhaft in der Todeszelle. An dem Todesurteil hagelte es fortwährend internationale Kritik. 2018 schließlich wurde sie von Pakistans Oberstem Gericht freigesprochen.

    Doch fast zeitgleich mit dem Freispruch verhängte das Land eine Ausreisesperre über die Frau. Sie wurde aus der Haft in die Obhut des Militärs gebracht, an einen unbekannten Ort – zu gefährlich war das Leben für Asia Bibi auf freiem Fuß in Pakistan. Denn seit Jahren fordern dort radikale Islamisten ihren Tod.

    Der richterliche Freispruch und die gleichzeitige Ausreisesperre verdeutlichten die explosive Zerrissenheit, in die der Fall Asia Bibi Pakistan gestürzt hat. Die zweifache Mutter wurde zur Symbolfigur für die Rechte von Minderheiten auf der einen Seite. Für andere wurde sie zum Hassobjekt, das den Kopf für politisierte Religionskonflikte, Kastenprobleme und postkoloniale Frustrationen hinhalten muss.

    Liberale Politiker ermordet

    Man werde doch nicht vor den Forderungen "des Westens" einknicken, lautet die Logik mancher derer, die auf den Straßen regelmäßig lautstark Bibis Tod fordern. "Hängt Asia", steht auf ihren Plakaten. Radikale Religionsführer haben ein Kopfgeld auf Bibi ausgesetzt. Liberale Aktivisten und Politiker, die sich für sie einsetzten, bezahlten dafür teilweise mit ihrem Leben. So etwa Salman Taseer, Gouverneur des Punjab, der von seinem Leibwächter Mumtaz Qadri ermordet wurde. Die radikalislamische Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) wurde gegründet, um Qadri vor dem Todesurteil zu bewahren.

    Und ebendiese Partei veranstaltet immer wieder Demonstrationen, die Bibis Tod fordern. So kam ihr Freispruch – wäre sie in Pakistan geblieben – ebenfalls einem Todesurteil gleich. Erst die Ausreise ermöglicht ihr und ihrer Familie ein Leben. Am Mittwoch soll Asia Bibi Pakistan endlich verlassen haben. (Anna Sawerthal, 8.5.2019)

    • Seit Jahren gab es internationale Forderungen, Asia Bibi freizulassen.
      foto: afp/arif ali

      Seit Jahren gab es internationale Forderungen, Asia Bibi freizulassen.

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