Fluch und Segen: Whatsapp in der Pflege

    9. Mai 2019, 08:00
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    Pflege ist eine große Organisationsaufgabe. Warum nicht ein Programm wie Whatsapp dafür nutzen?

    Kommunikation ist ein menschliches Bedürfnis und sehr oft eine Notwendigkeit. Wer in der Pflege eines Menschen involviert ist, weiß, wie aufwendig es sein kann, eine lückenlose Versorgung sicherzustellen. Schon heute nutzen viele Menschen dafür Whatsapp. Kein anderes Programm ist so einfach bedienbar. Sogar Menschen über 70 Jahre, die also alles andere als Digital Natives sind, kommen mit diesem Programm bestens zurecht. Auf diese Art ist Whatsapp ein wirklich wichtiges Tool in der 24-Stunden-Pflege zu Hause geworden. Familienangehörige, Pflegepersonen, Betroffene und alle, die sonst noch involviert sein könnten, tauschen ihre Infos längst auf diese Weise aus. Das alles passiert informell.

    "Die große Frage ist, ob eine öffentliche Institution selbst die Power hätte, einen eigenen vergleichbaren Dienst wie Whatsapp aufzuziehen", fragt Sebastian Kuhn, der an der Universität Mainz einen Lehrgang für digitale Medizin eingerichtet hat. Er glaubt eher nicht, dass es Pflegeinstitutionen hinsichtlich ihrer Kommunikationssoftware mit einem Hightech-Konzern wie Facebook aufnehmen können. Whatsapp gehört jedoch zu Facebook – wenn es um sensible Patientendaten geht, würde man diesem globalen und gewinnorientierten Konzern wohl eher weniger vertrauen. Vor allem dann, wenn Befunde zwischen Pflege und dem behandelnden Arzt ausgetauscht würden.

    Schutz der Privatsphäre

    Die entscheidende Frage wird also sein, wie und ob man alle Sicherheitsfeatures als Add-on eines Tages bei Whatsapp nutzbar gemacht werden können. Im Sinne der Patienten, deren Pflege zu organisieren immer auch eine Kommunikationsleistung bleiben wird.

    Aber auch Ärzte werden zunehmend auf hochfunktionale und einfach zu nutzende Kommunikationstools angewiesen sein. Stichwort interdisziplinärer Behandlungsansatz: Das bedeutet am Ende nicht mehr, als dass verschiedene Menschen gemeinsam an einer Sache arbeiten und sich abstimmen: Befunde schicken, Einschätzungen teilen und dann zusammen die beste Lösung finden. Mit Whatsapp wäre das sicherlich machbar – doch Patientendaten der Werbewirtschaft überlassen? Damit würden wohl viele neue, vor allem ethische Probleme entstehen. (Karin Pollack, 9.5.2019)

    • Selbst Menschen über 70 kommen mit Whatsapp gut zurecht.
      foto: reuters

      Selbst Menschen über 70 kommen mit Whatsapp gut zurecht.

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