Weißhaidingers Erfolg: Die neuen Weiten des jungen W.

    8. Mai 2019, 08:59
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    Nach tollem Saisonstart arbeitet Lukas Weißhaidinger auf eine WM-Medaille im Diskuswurf hin. Sein Erfolg fußt auch auf guter Arbeit des Leichtathletikverbands. Ein Prämiensystem schafft zusätzlichen Anreiz

    Warum ist der österreichische Leichtathletikverband so erfolgreich? Zur Beantwortung dieser Frage könnte Gregor Högler, der Sportdirektor des ÖLV, einen Vortrag halten, und genau das hat er gestern auch getan. Vertreter der fünfzig anderen Sportfachverbände haben aufmerksam gelauscht, schließlich steht außer Zweifel, dass der ÖLV vielen als Vorbild dienen kann. Högler hob drei Punkte hervor. Erstens: "Wir trauen uns, uns auf Einzelne zu konzentrieren." Zweitens: "Wir führen den Verband wie ein Unternehmen." Drittens: "Wir jammern nicht, wenn etwas nicht funktioniert, sondern fragen uns sofort, wie es doch noch funktionieren könnte."

    Der Erfolg gibt Högler recht, der im ÖLV mit Generalsekretär Helmut Baudis und Sportkoordinator Hannes Gruber an einem Strang zieht. Die Sparten, auf die sich der Verband seit Jahren konzentriert, sind der Diskuswurf der Männer, der Mehrkampf und der Marathon. Die größten Erfolge haben die Mehrkämpferin Ivona Dadic und der Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger eingefahren. Er ist 2016 als Olympiasechster in die Weltspitze vorgestoßen, im Vorjahr etablierte er sich als EM-Dritter. Und kürzlich zeigte er zum Diamond-League-Auftakt in Doha (Katar), dass auch heuer mit ihm zu rechnen sein wird.

    Stark

    Weißhaidinger (27), der von Högler betreut wird, musste sich mit 66,90 Metern allein dem Schweden Daniel Stahl (70,56) geschlagen geben. So gut ist er noch nie in eine Saison gestartet, so gut hat er noch nie in einem geschlossenen Stadion, also bei Windstille, geworfen. Er hat bereits die Norm für die Olympischen Spiele 2020 (Tokio) erfüllt, vor allem aber Selbstvertrauen für die heurige WM getankt.

    Die Titelkämpfe steigen im September ebenfalls in Doha, Weißhaidinger wird mit der Überzeugung anreisen, dass der katarische ein guter Boden für ihn ist. Und in dem Wissen, dass er im Fall eines Medaillengewinns erstmals ordentlich verdienen kann. Der ÖLV ist seit kurzem mit der Helvetia Versicherung im Bunde, hat auf diesem Wege Medaillenprämien ausgelobt. WM-Gold in Doha wäre 75.000, Silber 50.000 und Bronze 25.000 Euro wert. Olympiagold in Tokio würde jeder Leichtathletin und jedem Leichtathleten 205.000 Euro bringen.

    Doha sehen

    Doha im September wird ganz anders als Doha im Mai. Heißer. Das Stadion wird klimatisiert. Högler hat sich beim Iraner Ehsan Hadadi erkundigt, der Olympiazweiter 2012 war, aktuell in Doha hinter Stahl und Weißhaidinger auf Rang drei kam und die Gegebenheiten kennt. "Durch die vielen Düsen entstehen Wirbelungen", hat Högler erfahren, "die einem Rückenwind gleichen." Damit gilt es sich ebenso auseinanderzusetzen, wie mit der Hitze, die etwa im Marathonlauf herrschen wird, obwohl dieser eigens um Mitternacht gestartet wird, damit sich wenigstens die Sonne nicht starkmachen kann.

    Den Diamond-League-Auftakt hat Högler auch genützt, um Kontakte zu knüpfen. Österreichs Botschafter Willy Kempel, der den Bewerb vor Ort verfolgte, stellte eine Verbindung zum Steirer Markus Egger her. Der frühere Geschäftsführer von Fußballmeister Red Bull Salzburg ist "Director of Sport and Strategy" in der Aspire-Akademie von Doha, der weltweit größten Indoor-Sportanlage. Sie umfasst zwölf Fußballfelder, Squashplätze, Laufbahnen, verschiedene Sporthallen, Laboratorien, Krafträume, eine Schule, ein Schwimmzentrum und ein Wohnheim. Gut möglich, dass Egger den Landsleuten bei der WM behilflich sein kann.

    Der gute Weg

    Weißhaidinger ist auf einem guten Weg. "Ich freu mich auf jeden Wettkampf, ich freu mich aber auch auf jedes Training in der Südstadt", sagt er. Schon beim Meeting in Stockholm (30. Mai) könnte er sich fürs Diamond-League-Finale qualifizieren. Es steigt am 6. September, also noch vor der WM, in Brüssel.

    Högler sieht seinen Schützling längst nicht am Zenit. "Die besten Jahre kommen noch." In medizinischen Belangen ist Höglers Bruder Richard als Orthopäde eine große Hilfe. Regelmäßige "Injury Risk Analysen" ergeben, welcher Weißhaidinger-Körperteil gerade besonders gestresst ist. Dann wird vorbeugend behandelt. Prophylaxe, noch so ein Punkt, der in jedem Gregor-Högler-Vortrag vorkommen kann. (Fritz Neumann, 8.5.2019)

    • "Ich freu mich auf jeden Wettkampf, ich freu mich aber auch auf jedes Training in der Südstadt", sagt Lukas Weißhaidinger.
      foto: apa/herbert pfarrhofer

      "Ich freu mich auf jeden Wettkampf, ich freu mich aber auch auf jedes Training in der Südstadt", sagt Lukas Weißhaidinger.

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