Arbeiten der Filmemacherin Isabella Brunäcker: Unheimlich nah

    7. Mai 2019, 16:26
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    Sie ist die Gewinnerin des Birgit-Jürgenssen-Preises 2019. Die Akademie der bildenden Künste zeigt aktuell ihre Arbeiten.

    Ein junges Paar auf einem Bett. Wir blicken von der Seite auf sie, sie liegen so hintereinander, dass es erst scheint, als läge da nur eine Person. Dann pirscht sich die Kamera an und tastet in Großaufnahmen die einander zugewandten, schlafenden Körper ab. Die Szene ist harmonisch und schön. Das Kameraauge fokussiert die Hand des Mannes, die auf der Hüfte des Mädchens liegt, wandert dann die Körper hinunter zu den vier nackten Füßen. Schließlich bleibt es auf die Gesichter gerichtet stehen.

    A Place Called Home heißt das kurze Video von Isabella Brunäcker, dessen Idylle ab der Hälfte zu bröckeln beginnt. Nämlich als die junge Frau blinzelnd die Augen aufschlägt und das Gesicht ihres Gegenübers mustert. Sie schaut nicht liebevoll, nicht erfreut ob des erblickten Partners. Bald wacht auch er auf und schaut ebenso leer zurück. Als würden sie einander fremd sein oder skeptisch belauern. Bevor mehr passiert, endet die Szene.

    Die 35-Jährige ist heuer die Gewinnerin des Birgit-Jürgenssen-Preises. Der wird jählrich an einen Studierenden der Akademie der bildenden Künste im medialen Bereich vergeben. Zum Gewinn gehört auch eine Ausstellung im Atelierhaus in der Lehargasse.

    Körper- und Seelenstudie

    Brunäcker interessiert der Mensch. Für den Film Numb näherte sie sich ihren Modellen über deren Körperlichkeit an. Zweieinhalb Minuten lang studiert die Kamera zwei nackte Körper und zeigt Muttermale und Falten.

    In dem dokumentarischen Into The White porträtiert die Filmemacherin einen Freund, der drogenabhängig wurde. Während sie ihm mit der Kamera durch Linz folgt, erzählt er aus dem Off von Beziehungen, wie er in die Sucht hineingerutscht ist und über seine Vorstellung vom normalen Leben.

    Angefangen hat Brunäcker mit szenischen Filmen. In die Videokunst ist die gebürtige Salzburgerin hineingerutscht, nachdem sie bereits Literatur in London und Film an der Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film in Wien studiert hatte. Je mehr verschiedene Ästhetiken man kennt, desto besser ist es für die Arbeit, sagt sie.

    Mehr Festival als Galerie

    Die in ihrer Frühzeit an der Akademie gedrehten Filme – wie Numb – sind relativ spontan und unaufwendig entstanden. Jüngere Filme arbeiten wieder mit einem Team, mit Ausstattung und Narration. Brunäcker will wieder zum Spielfilm zurück. Ihr ist es wichtig, dass sich die Zuschauer mit ihren Figuren verbunden fühlen.

    Öfter als in Galerien ist Brunäcker daher auf Festivals unterwegs, 2017 etwa bei der Diagonale. Heuer hat sie auch das Jahresstipendium des Landes Salzburg für Film bekommen. Das trifft sich gut: Sie arbeitet gerade an ihrem ersten langen Spielfilm. (Michael Wurmitzer, 7.5.2019)

    • Isabella Brunäcker ist es wichtig, dass der Zuschauer nah an ihren Charakteren dran ist. "A Place Called Home" löst im Betrachter Unwohlsein angesichts eines jungen Paares aus.
      foto: isabella brunäcker

      Isabella Brunäcker ist es wichtig, dass der Zuschauer nah an ihren Charakteren dran ist. "A Place Called Home" löst im Betrachter Unwohlsein angesichts eines jungen Paares aus.

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