Schachingers "Daneben gehen": Autowaschen für Anfänger

    Kolumne8. Mai 2019, 11:00
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    Zu den sehr gern späten Erfahrungen im Leben zählt der Besuch eines "Car-Wash-Kompetenzzentrums". Allein mit einer rostigen Kiste zwischen Angeberschüsseln

    Es gibt Tätigkeiten im Leben, die man nicht unbedingt selbst probiert haben muss, damit man später einmal sagen kann, man hätte ein erfülltes Leben gehabt. Versuchen wir die Top drei oder vier der vernachlässigbarer Unternehmungen thematisch ein wenig zu streuen:

    1. Segeln und mit dem Motorboot fahren. (Der Adler fliegt, er schwimmt nicht.)

    2. Kuchenbacken. (Fleisch ist mein Gemüse.)

    3. Rasenmähen. (He, ich habe auch eine Schwester!)

    4. Ein Konzert vom Hulapalu. (Die Leute riechen, dass man nicht dazugehört.)

    5. Das Auto waschen. (Es regnet doch ohnehin dauernd – und beim Service in der Werkstatt schämen sie sich regelmäßig derartig fremd, dass die Kiste supersauber zurückkommt.)

    Mistwagen mit Leasingvertrag

    Unter Umständen, die jetzt nicht näher erörtert werden müssen, wurde ich jüngst an einem strahlend blauen Sonntag an den Stadtrand von Wien gefahren, um aus erster Hand eine sogenannte Autowaschanlage kennenzulernen.

    Netter Versuch, ich habe in meinem Leben sicher mehr als zwei Handvoll Filmmorde in Autowaschanlagen gesehen – und ich weiß, dass in meiner Stammtankstelle in Ottakring die dortige Anlage am Sonntag einen magischen Anziehungspunkt für Fahrer von glänzend-schwarzen bayerischen Mistwagen mit Leasingvertrag bildet.

    Um diesen Andrang zu vermeiden also auf ins "Car-Wash-Kompetenzzentrum" am Stadtrand. Es war eine Sensation. Wir und der alte VW Passat waren die Sensation. Alte Leute in einem prähistorischen Fahrzeug aus den Vranitzky-Jahren, mit Diesel betrieben, pfui, geil!

    Zwischentrocknung mit Osmose

    Eingekeilt zwischen einmal Porsche, mehrfach BMW und zweimal Audi Quattro Stagioni, die alle aussahen, als ob sie hier jeden Tag mit Hochdruck, Bürstenwäsche, Wheel-Flash, Shine Tecs und "Zwischentrocknung mit Osmose" verwöhnt werden würden wie die Schoßhündchen russischer Oligarchengattinnen, wartete der alte Passat ergeben auf sein Schicksal – und das abschließende Happyend am "Saugplatz".

    Alle hatten Spaß. Die Diskothekenanlagen der jungen Bartträger pumpten muskulösen Wiener-Außenring-Befahrungssound. Bezüglich Schlauchtechnik gab es manch guten Rat der Jungen an die Alten. Auf die obligate abschließende Wildlederpolitur mussten wir allerdings verzichten. Die kompetente Hochdruckspritze hatte schon genug Rost an der Karosserie freigelegt. (Christian Schachinger, 8.5.2019)

    • Ein Happyend für BMWs am "Saugplatz".
      foto: ap

      Ein Happyend für BMWs am "Saugplatz".

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