Österreich und Slowenien stellen Weltkulturerbe-Antrag für Lipizzaner

    7. Mai 2019, 11:51
    20 Postings

    Erklärung bei Treffen der Außenminister der beiden Staaten in Tirol unterzeichnet

    Österreich und Slowenien begehen nach jahrzehntelangem Streit einen Schulterschluss in Sachen Lipizzaner: Die beiden Länder reichen die Lipizzanerzucht bei der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe ein, erklärten die Außenminister Karin Kneissl (FPÖ) und Miro Cerar am Dienstag bei einer Pressekonferenz nach Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung in Going in Tirol.

    Die Einreichung soll bis März 2020 erfolgen, hieß es. Die gemeinsame Einreichung der Lipizzanerzucht als immaterielles Kulturerbe der Unesco verdeutliche die hervorragenden und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Österreich und Slowenien, so Kneissl. "Das ist der Ausdruck des Geistes einer europäischen Zusammenarbeit."

    Mehr Sichtbarkeit

    Neben Österreich und Slowenien sind auch Bosnien-Herzegowina, Italien, Kroatien, die Slowakei und Ungarn an der multinationalen Einreichung beteiligt. Ziel sei die Absicherung und verstärkte Sichtbarkeit der Tradition der Lipizzanerzucht, hieß es. (APA, 7.5.2019)

    Wissen Lipizzaner

    Die Lipizzaner sind nach einem Gestüt im heutigen Slowenien benannt, haben ihren Weltruhm aber als kaiserliche Hofpferde in Wien erlangt. Den Namen erhielten die weißen Edelpferde nach der Gründung des Gestüts in Lipica im Jahr 1580. Kaiser Maximilian II. holte die Pferde 1562 erstmals aus Spanien nach Wien. Er gründete in Kladrub (Böhmen) ein Hofgestüt. Die in der Reitschule verwendeten Pferde – damals wie heute nur ausgewählte Hengste – brachte man in der Stallburg, dem ältesten Trakt der Wiener Hofburg, unter.

    Als Pferderasse sind die Lipizzaner ein europäisch-arabisches Gemeinschaftswerk. Vermutlich aufgrund der nachlassenden Qualität wurden nämlich ab dem 18. Jahrhundert vermehrt Pferde aus anderen Regionen eingekauft, um die Zucht zu verbessern, etwa aus Italien, Arabien und Dänemark.

    Brenzlig wurde es die Lipizzaner am Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Lipizzaner in Hostau (Hostoun) im heutigen Tschechien in den sowjetischen Einflussbereich gelangten. Sie wurden Ende April 1945 vom US-General George Patton entgegen den Befehlen des US-Oberkommandos nach Wien gebracht. Aus Dank für diese Rettungsaktion vermachte Österreich dem US-Präsidenten Ronald Reagan im Jahr 1982 den Hengst "Amadeus" zur "lebenslangen Leihgabe". Eine weitere Rettung gab es im Jahr 1992, als während des Brandes der Wiener Hofburg 69 Pferde aus den Stallungen der Hofreitschule evakuiert wurden.

    Neben Österreich und Slowenien züchten weitere Länder Lipizzaner, aber nur in geringer Zahl. Die Gestüte in Dakovo (Kroatien), Silvasvarad (Ungarn), Topolcianky (Slowakei), Monterotondo (Italien) und Simbata de Jos (Rumänien) züchten traditionell die weißen Pferde, die als gefährdete Art gelten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit nur noch etwa 3.000 bis 4.000 reinrassige Lipizzaner. (APA)

    • Geht es nach Österreich, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Italien, Kroatien, der Slowakei und Ungarn, werden die Lipizzaner Weltkulturerbe.
      foto: apa/afp/jure makovec

      Geht es nach Österreich, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Italien, Kroatien, der Slowakei und Ungarn, werden die Lipizzaner Weltkulturerbe.

    • Der Weltkulturerbe-Status soll für mehr Sichtbarkeit der Tradition der Lipizzanerzucht sorgen, hieß es.
      foto: apa/afp/jure makovec

      Der Weltkulturerbe-Status soll für mehr Sichtbarkeit der Tradition der Lipizzanerzucht sorgen, hieß es.

    Share if you care.