Italiens Kulturminister kritisiert Nitsch-Ausstellung in Mantua

    7. Mai 2019, 11:10
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    Unterschriftensammlung gegen Künstler vorgelegt, der Direktor des Palazzo Ducale verteidigt Schau

    Rom – Der italienische Kulturminister Alberto Bonisoli hat Bedenken über Hermann Nitschs Ausstellung "Katharsis" im Palazzo Ducale von Mantua geäußert, die vergangene Woche eröffnet wurde und bis zum 30. Juni läuft. Bonisoli empfing in Rom eine Gruppe von Tierschützern, die Unterschriften gegen die Schau des österreichischen Künstlers in Mantua gesammelt hat.

    "Zeitgenössische Kunst muss zu Debatten anregen, doch warum muss man eine Ausstellung dieser Art ausgerechnet im Palazzo Ducale veranstalten? Das finde ich einen übereilten Beschluss schlechten Geschmacks", so der Kulturminister auf Facebook. Er frage sich, ob die Ausstellung die Sensibilität von Tierschützern respektiere.

    Zu sehen sind bekannte Werke Nitschs wie "Das letzte Abendmahl" aus dem Jahr 1983 und das Triptychon der Grablegung. "Kulturminister Bonisoli ist herzlich eingeladen, die Nitsch-Ausstellung zu besuchen und sich selber ein Bild davon zu machen, statt auf eine Gruppe zu hören, die bei ihm Audienz bekommen hat", kommentierte der Direktor des Palazzo Ducale, der Tiroler Peter Assmann im Gespräch.

    Protest von rechts und links

    Mit Protesten gegen die Nitsch-Ausstellung hatte Assmann, der am 1. November Geschäftsführer der Tiroler Landesmuseen wird, eigentlich gerechnet. "Es ist interessant, dass Kulturpolitiker sowohl von links als auch von rechts gegen die Ausstellung protestieren, jeder möge daraus seine Schlüsse ziehen", so Assmann. Bei der Einweihung der Schau kam es zum Protest weniger Tierschützer. "Dieselben Leute hatten bereits protestiert, als Nitsch einen Vortrag in der Brera-Akademie in Mailand hielt", kommentierte Assmann.

    Auch die Region Lombardei, zu der Mantua gehört, reihte sich unter die Kritiker des Vertreters des Wiener Aktionismus ein. Nitsch, der im norditalienischen Ort Asolo (Provinz Treviso) seinen Zweitwohnsitz hat, sorgt mit dem regelmäßigen Einsatz von Blut, Gedärmen und Kadavern immer wieder für Aufregung bei Tierschützern. (APA, 7.5.2019)

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