Pixel 3a ausprobiert: Googles günstiges Handy mit Premium-Features

    7. Mai 2019, 20:21
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    Premium-Features, High-End-Kamera und langer Support treffen auf leicht abgespeckte Hardware – Kopfhörerbuchse als Bonus

    Es gab eine Zeit, da waren Google-Smartphones für Android-Auskenner die einzige logische Wahl. So manches Nexus-Gerät konnte mit einem Preis-Leistungs-Verhältnis aufwarten, bei dem dereinst kein Konkurrent mithalten konnte. Die aktuelle Pixel-Reihe erfreut sich zwar ebenfalls des Kritikerlobs, ist aber dafür auch erheblich teurer. Nun will Google nicht nur in die Mittelklasse zurückkehren, sondern diese gleich ganz gehörig aufmischen.

    Pixel 3a

    Im Rahmen der Keynote bei der Entwicklerkonferenz Google I/O hat das Unternehmen am Dienstag zwei neue Smartphones präsentiert: Pixel 3a und Pixel 3a XL sind dabei keine direkten Nachfolger der aktuellen Spitzengeräte von Google, sie sollen vielmehr die Hardwarepalette des Android-Entwicklers nach unten abrunden. Die Idee: etwas schwächere Hardware kombiniert mit Support und Features, wie man beides sonst nur aus dem Premiumbereich kennt.

    foto: proschofsky / standard
    Das Pixel 3a: Auf den ersten Blick nur schwer vom Pixel 3 zu unterscheiden, im Detail gibt es aber einige Unterschiede – und vor allem einen wesentlich günstigeren Preis.

    Die Kamera

    In Spezifikationen ausgedrückt bedeutet das vor allem eines: Die vielgelobte Kamera des Pixel 3 erbt das Pixel 3a. Es kommt der gleiche 12,2-Megapixel-Sensor (1,4μm, f/1.8) zum Einsatz, und Google verbaut auch hier den eigenen Pixel Visual Core, der unter anderem jene smarten Features ermöglicht, für die die Kameras der Pixels bekannt sind. Dazu gehört etwa die Nachtsicht-Funktion, die bei besonders schwachen Lichtverhältnissen angeboten wird, der mithilfe von KI Objekte verfolgende Motion Autofocus ist ebenso mit dabei wie ein Porträtmodus. Einen kleinen Abzug gibt es bei der Hardware aber dann doch: Der Spektral/Flimmersensor des Pixel 3 fehlt hier.

    Doch es gibt noch eine weitere Einschränkung im Vergleich zu den Premiummodellen: An der Vorderseite ist nämlich nur eine einzelne Acht-Megapixel-Kamera angebracht, den zusätzlichen Weitwinkelsensor des Pixel 3 sucht man insofern vergebens. Interessanterweise verwendet Google beim Pixel 3a einen leicht anderen Sensor für die Front, und zwar einen mit 1,12μm Pixelgröße, einer Blende von f/2 und einem Blickfeld von 84 Grad. Damit erfasst die Frontkamera einen etwas größeren Ausschnitt als ihr Pendant beim Pixel 3 (75 Grad), aber deutlich weniger als der Weitwinkelsensor (97 Grad), der vor allem mit einem Feature namens Gruppenselfies beworben wurde.

    Erste Erfahrungen

    Der erste Eindruck ist dabei durchaus positiv: Die Bildqualität ist tatsächlich nicht von jener des großen Pixel 3 zu unterscheiden – und das ist in diesem Fall durchaus ein Lob. Auch die Frontkamera liefert gute Bilder. Einzige Einschränkung: Wer viele Fotos in schneller Abfolge tätigt, wird die schwächere Hardware bemerken.

    google deutschland

    Performance

    Den zentralen Unterschied zu den Premiummodellen bildet der Prozessor: Hier kommt nämlich ein Snapdragon 670 zum Einsatz. Der Chip ist dabei durchaus wohlgewählt. Zwar bietet dieser nicht dasselbe Leistungsniveau wie ein aktueller Topprozessor, der Achtkerner hat aber den Vorteil, auch eine eigene KI-Einheit zu besitzen, was für die lokale Verarbeitung von Googles diversen KI-Features essenziell ist. Den größten Leistungsunterschied dürften die Nutzer bei der Grafikleistung merken, der Adreno 615 ist merklich langsamer als andere aktuelle Smartphone-GPUs der Oberklasse. Der dem Prozessor zur Seite gestellte RAM beläuft sich auf 4 GB (LPDDR4x) – wiederum derselbe Wert wie beim Pixel 3.

    Für eine abschließende Beurteilung war der Testzeitraum beim Hands-on natürlich noch zu kurz. Die Basisinteraktion wirkte aber im ersten Eindruck sehr flink. Auch Apps sind flott gestartet. Dabei zeigt sich wieder einmal: Wirklich große Performance-Unterschiede gibt es bei Smartphones eigentlich nur mehr in wenigen Fällen oder bei schlecht optimierter Software zu bemerken.

    foto: proschofsky / standard
    Die Kamera ist eine der großen Stärken des Pixel 3a.

    Sowohl von den Abmessungen als auch vom Aussehen her sind die beiden neuen Geräte den aktuellen Topmodellen sehr ähnlich. Es gibt also je nach Variante einen 5,6 oder einen 6 Zoll großen OLED-Bildschirm, beide mit einer Auflösung von 2.220 x 1.080 Pixel. Auf einen Notch verzichtet Google vollständig, dafür fällt der Rahmen ober- und unterhalb des Bildschirms im Vergleich zu anderen aktuellen Smartphones relativ groß aus. Die Rückseite ist aus Polykarbonat, während die teureren Pixels auf Glas setzen. Subjektiv fühlt sich das sehr ähnlich an wie das Pixel 3 – und hat noch dazu den Vorteil, dass es weniger leicht beschädigt werden kann. An Farbvarianten gibt es Weiß, Schwarz und einen sehr hellen Violettton, den Google Purple-ish nennt. Die hellen Varianten fallen dabei mit orangen und gelben Highlights am Power-Button auf.

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    Extras

    Ansonsten übernimmt das Pixel 3a viele Extrafeatures seiner Geschwister: Dazu zählt der Sicherheitschip Titan M, der Pixel-Geräte und darauf gespeicherte sensible Informationen besser vor Angriffen sichern soll. Auch die Active-Edge-Funktion, mit der der Gehäuserahmen leicht gequetscht werden kann, um den Google Assistant aufzurufen, wird übernommen. E-SIM-Support ist ebenfalls mit dabei, womit in Kombination mit dem ebenfalls vorhandenen Nano-SIM-Slot Dual-SIM-Unterstützung geboten wird – auch wenn dieser mit dem aktuellen Android 9 noch stark eingeschränkt ist. Erst mit dem Update auf Android 10 soll es dann Dual Standby geben, wie man es von anderen Geräten gewohnt ist. Ein Fingerabdrucksensor darf natürlich auch nicht fehlen, er befindet sich auf der Rückseite.

    foto: google
    Die drei Farbvarianten.

    Das Pixel 3a und 3a XL bieten aber auch ein Feature, das man bei den Topgeräten der meisten großen Hersteller – und das inkludiert Google – mittlerweile vermisst: eine Kopfhörerbuchse. Der Akku ist mit 3.000 beziehungsweise 3.700 mAh angegeben, aufgeladen wird mit 18 Watt USB-C-Fast-Charging. Das soll in 15 Minuten eine Ladung liefern, die für sieben Stunden Betrieb reicht. Drahtloses Laden wird hingegen nicht geboten. Der lokale Speicherplatz liegt bei 64 GB. Eine Möglichkeit zur Erweiterung gibt es nicht, Google verzichtet schon lange auf Micro-SD-Slots – und das ändert man auch für die Mittelklasse nicht.

    Weiter Spezifikationen: Es gibt WLAN 802.11ac (2x2 MIMO), Bluetooth 5.0 und NFC. Die Mobilfunkverbindung ist mit LTE Cat. 11 angegeben. Stereo-Lautsprecher werden ebenfalls geboten, wovon aber nicht beide an der Vorderseite sind. Gespart hat man bei den Mikrofonen, das Pixel 3a (XL) hat nur zwei davon statt der drei der teureren Google-Modelle. Die Abmessungen des Pixel 3a liegen bei 151,3 x 70,1 x 8,2mm bei einem Gewicht von 147 Gramm.

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    Drei Jahre Updates

    Als Software kommt bei den beiden neuen Smartphones das aktuelle Android 9 zum Einsatz. Überhaupt soll der Software-Support einer der Punkte sein, wo man sich von vielen Geräten dieser Kategorie abheben will. Die kommende Android-Generation werden Pixel 3a und 3a XL am ersten Tag bekommen, sowohl Sicherheits- als auch große Betriebssystem-Updates garantiert Google über einen Zeitraum von drei Jahren. Wer nicht auf die stabile Version von Android 10 warten will, kann übrigens auch die gerade veröffentlichte Beta 3 schon am Pixel 3a installieren.

    Der Preis

    Angesichts der zahlreichen Leaks im Vorfeld blieb bis zuletzt vor allem eines offen: der Preis. Mit 399 Euro für die günstigste Variante des Pixel 3a und 479 Euro beim Pixel 3a XL liegt der Android-Hersteller schlussendlich unter dem, was so manche Beobachter im Vorfeld erwartet haben. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob der preisliche Abstand zu Geräten aus der Oberklasse groß genug ist, um die Käufer von den neuen Google-Smartphones zu überzeugen.

    foto: proschofsky / standard
    Zwei Modelle, die sich nur durch die Größe unterscheiden: Pixel 3a und Pixel 3a XL.

    Nicht in ...

    Der Knackpunkt bei den aktuellen Pixel-Geräten ist für viele die regionale Verfügbarkeit. Und hier gibt es schlechte Nachrichten: Diese soll nämlich gegenüber dem Pixel 3 weitgehend unverändert bleiben. Das bedeutet auch, dass Pixel 3a und 3a XL nicht offiziell in Österreich in den Handel kommen werden. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass lokale Händler die Smartphones bald selbst importieren und in ihr Angebot aufnehmen werden. Auch ist es für Interessierte nicht sonderlich schwer, sich ein solches Gerät aus Deutschland zu bestellen.

    Hintergrund

    Die beiden Neuvorstellungen kommen zu einem spannenden Zeitpunkt, zeigt der Premium-Smartphone-Markt derzeit doch massive Schwächen, selbst Apple musste zuletzt einen Rückgang der iPhone-Verkäufe um 30 Prozent hinnehmen. Auch die großen Pixel-3-Modelle sollen sich – nach einem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft – mittlerweile unter dem Niveau des Vorgängers verkaufen. In dieser Situation versucht Google nun also – zusätzlich –, in neuen Kategorien Fuß zu fassen.

    Fazit

    Dieser Plan könnte durchaus aufgehen. Für einen doch deutlich günstigeren Preis zeichnet sich das Pixel 3a durch verblüffend wenige Abstriche gegenüber den aktuellen Topgeräten von Google aus. Und mit der sehr guten Kamera und dem im Kontext der Android-Welt herausragenden Support hebt man sich erfreulich von den meisten Konkurrenten in diesem Preissegment ab. Google könnte hier also endlich das geschaffen haben, was viele lange gefordert haben – einen würdigen Nachfolger für seine Nexus-Reihe. (Andreas Proschofsky aus Mountain View, 7.5.2019)

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Eintrittskarte für die Google I/O wird von Google zur Verfügung gestellt.

    Link

    Google I/O

    Nachlese

    Pixel 3 XL im Test: Google begeistert mit Smartphone-Kamera

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