Microsoft Build 2019: Internet-Explorer-Modus für Edge und ein Hololens-Fail

    6. Mai 2019, 19:25
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    Der Konzern setzt massiv auf den Ausbau seiner Azure-Clouddienste und Services mit künstlicher Intelligenz

    IT-Riese Microsoft hat seine Entwicklerkonferenz Build eröffnet. Dabei wählte man diesmal ein etwas geändertes Format. Denn den Start des Events markierte diesmal das Finale Start-up-Wettbewerbs Imagine Cup, bei dem es um inklusive Technologien zur Verbesserung der Lebensqualität geht. Auf der Bühne traten drei Teams mit ihren Pitches gegeneinander an.

    Der dritte Platz ging an Finder, die ein System zum KI-gestützten Auffinden von Gegenständen für Personen mit visuellen Beeinträchtigungen entwickeln. Die Zweitplatzierten, Caeli aus Indien, entwickeln eine Maske, die Luft filtern und Medikamente verabreichen können soll. Sie richtet sich an Menschen mit Atemwegsproblemen, die in Gegenden mit hoher Luftverschmutzung leben. Sieger wurde Easy Glucose aus Großbritannien, die an einem einfachen Gerät zur Ermittlung des Blutzuckerwertes über einen Augenscan arbeiten, das den vielen Diabetikern verhassten Stich in den Finger ablösen soll.

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    Virtuelle Mondlandung scheitert schon vor dem Start

    Dann stieg man gleich ein in die Zukunft des Projekts Hololens, deren zweite Generation erst vor kurzem vorgestellt worden war. Der Versuch, die mit der Unreal Engine nachgebaute erste Mondlandung (Apollo 11) zu zeigen, scheiterte allerdings sehr schnell an unbekannten technischen Gebrechen.

    Schließlich lenkte Microsoft CEO Satya Nadella die Keynote wieder in geordnete Bahnen und sprach über die Chancen von Technologie und die Ambitionen seines Unternehmens, sie vertrauenswürdig zu gestalten. Die erste Ankündigung ist ein Opensource-Tool namens Election Guard, das helfen soll, Infrastrukturen von Wahlen abzusichern. Gegen Ende des Monats soll es auf der Codehosting-Plattform Github veröffentlicht werden.

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    Diese zwei Herren wollten eine virtuelle Darbietung der Apollo 11-Mission bieten, doch die Technik versagte.

    Live-Transkription für Konferenzen

    Ganz groß im Fokus der Keynote, wie auch schon in den letzten Jahren, stand Microsofts Azure-Clouddienst, der um zahlreiche Features und Services ausgebaut wird. In diesem Bereich befindet sich Microsoft in seinem Wettrennen und rüsten mit der Konkurrenz, allen voran Amazons AWS. Man kam natürlich nicht umhin, einige Nutzer der eigenen Dienste hervorzuheben. Darunter etwa den Bierproduzenten AB Inbev, den US-Telekomriesen AT&T oder oder das St. Jude‘s Kinderspital.

    Die Kaffeehauskette Starbucks nutzt Azure und cloudbasierte KI "Deepbrew", um auf neuen Automaten individuelle Auswahlvorschläge zu liefern, die sich regional unterscheiden, da das System per Maschinenlernen den lokalen Geschmack analysiert. Zudem kommen Cloudsysteme auch zum Einsatz, um die Lieferkette des Kaffees von der Farm bis in die Filiale nachverfolgen zu können. Diese Informationen werden in einer eigenen Blockchain gespeichert.

    Anschließend demonstrierte man neu entwickelte Möglichkeiten in der Spracherkennung der Azure Speak Services, die etwa in Konferenzen Transkripte anlegen und gleichzeitig verschiedene Personen zuverlässig unterscheiden können soll – was in einer kurzen und etwas "steif" vorgetragenen Livedemo bereits recht ordentlich funktionierte.

    IQ-Upgrade für Cortana

    Von Spracherkennung schwang man hinüber zu intelligenten Chatbots und KI-Assistenten, die vor allem Unternehmen neue Vermarktungs- und Supportmöglichkeiten bieten sollen. Nadella sieht sie auf dem Bedeutungslevel von Webseiten oder eigenen Apps für Firmen. Großes Potenzial attestiert er freilich auch Mixed Reality, die zunehmend im industriellen und medizinischen Bereich sowie in der Bildung Einzug hält.

    Als nächstes Zukunftsthema für Azure sieht man autonome Systeme – von Transportrobotern bis hin zur automatischen, selbstlernenden Klimakontrolle in Fabrikshallen. Ebenfalls an Unternehmen richtet sich die Dynamic 365-Plattform für die Umsetzung von Business-Apps, die zahlreiche Funktionserweiterungen bekommt. Mit einer Open Data Initiative will man Firmen erleichtern, die Kontrolle über ihre Datenschätze besser zu wahren.

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    Stärker vernetzen will man Windows, Office, den Browser Edge und die Unternehmens-Organisations-Plattform Teams. Auch die KI-Assistentin Cortana, die auf Windows zuletzt in den Hintergrund gerückt ist, soll vermehrt an alle "Endpunkte" der Produktivitätsangebote von Microsoft (Microsoft 365) andocken und relevante Informationen liefern.

    Sie soll zu einem "Multi Domain Assistant" in einer "Multi Domain"-Welt werden. Ziel ist es, dass sie intelligent Informationen aus diversen Quellen kombinieren, komplexere natürliche Sprache besser verstehen und mehrere Schritte "vorausdenken" kann.

    Edge für macOS, bald mit Internet-Explorer-Modus

    Schließlich kamen auch Neuerungen für die eigene Desktop-Software und Windows zur Sprache. Schon bekannt ist, dass man Edge von einer eigenen Browser-Engine auf Webkit umstellen und zur Entwicklung dieser Plattform beitragen wird. Der Browser soll nicht nur auf Windows 10, Windows 7, Android und iOS landen, sondern wird von Microsoft auch auf Apples macOS gebracht.

    Dazu rüstet man den Browser für Unternehmen auf, etwa durch die Integration von Microsoft Search, um schnell Dokumente und andere wichtige Informationen in der eigenen Cloud zu finden. Und weil in vielen Firmen noch alte Webtechnologie im Einsatz ist, integriert man Support für den Internet Explorer ebenfalls direkt in Edge, sodass keine zwei Browser gleichzeitig verwendet werden müssen.

    Nutzer erhalten künftig feinere Einstellungen für den Umgang mit Cookies und Trackern. Eine neue "Log"-Funktion zeigt etwa, wie viele Tracker auf einer Seite im Einsatz sind, wie viele man erlaubt und welche man geblockt hat.

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    Kollaboration von überall

    Ein neues Feature namens Collections erlaubt es, Inhalte verschiedener Seiten übersichtlich zu gruppieren, als auch einfach zu teilen. Edge kann aus diesem Sammlungen eigene Dokumente generieren, die in den Fußnoten automatisch Verweise auf ihre Quellen enthalten.

    In Arbeit hat man weiters "Fluid Framework". Damit lassen sich Services bauen, die performant in verschiedenen Browsern und Softwareprodukten funktionieren sollen und Echtzeitkollaboration ermöglichen. So können Nutzer etwa gleichzeitig in Teams, Chrome und Word an einem Dokument arbeiten. Dabei lassen sich allerlei Prozesse einbinden, beispielsweise automatische Übersetzung oder live aktualisierte Diagramme.

    Teams wird ebenfalls smarter. Nachrichten können mit unterschiedlicher Priorität ausgestattet werden und freie Konferenzräume lassen sich nach räumlicher Nähe finden. Die Whiteboard-Kamera kann künftig durch Menschen vor dem Whiteboard "durchsehen", wenn diese ins Bild treten – natürlich vorausgesetzt sie kennen den dahinter liegenden Inhalt bereits. Auch Mixed-Reality-Treffen mit der Hololens 2 lassen sich nun damit organisieren und einbinden. Hier verlief die Demonstration übrigens ohne technische Gebrechen.

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    Gamestack

    Schließlich hatte man auch noch Nachrichten für Gamer. Man wolle es ermöglichen, Spiele auf PCs, Konsolen und Mobilgeräten über die eigene Streamingtechnologie xCloud genießen zu können und auch selbst eigene Inhalte für Games oder eigene Spiele zu schaffen.

    Dementsprechend hat man auch allerlei spielfokussierte Cloud-Dienste auf Azure im Sortiment. Zudem verwies man auch noch auf den Microsoft Gamestack einer im März gestarteten Initiative, die alle spielefokussierten Dienste und Tools bündelt. (gpi, 06.05.2019)

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