Die Mär von den gefährlichen Hunderassen

    3. Mai 2019, 16:22
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    Laut einer großangelegten Studie ist keine Hunderasse grundsätzlich böse

    Wien – Mensch und Hund sind gar nicht so verschieden: Grundsätzlich böse Hunde gibt es nicht. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Vetmeduni, die im Rahmen des zweiten Gipfels zur Hundehaltung in Österreich präsentiert wurde.

    Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren und Monaten zu Verletzungen und sogar zu Toten aufgrund von Hundeattacken. Erst am Donnerstag wurde ein Fünfjähriger in Tirol von einem Pitbull ins Gesicht gebissen. Der Bub hatte den Hund streicheln wollen – trotz Verbots durch den Hundehalter.

    Die Studie bestätigte nun, was Hundefreunde schon seit Beginn der Diskussion rund um Maulkorbpflicht und Hundeführschein propagieren: Hunde sind vorwiegend ein "Produkt ihrer Umwelt", wie sie aufwachsen, sozialisiert und ausgebildet werden, bestimmt maßgeblich ihr Verhalten. Die Rasse hat damit – nun wissenschaftlich belegbar – nichts zu tun.

    "Kampfhund-Listen" bald Geschichte?

    13.097 Hunde von 31 unterschiedlichen Rassen wurden in der Studie auf ihre Wesenseigenschaften untersucht. Eine Berechtigung für eine Beurteilung als sogenannter "Kampf- oder Listenhund" wurde nicht gefunden, im Gegenteil: Innerhalb der Rassen gab es große Verhaltens- und Wesensunterschiede.

    Listen mit "gefährlichen" Hunderassen gibt es derzeit in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg. Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ), die die beiden Hundegipfel initiiert hat, könne "sich vorstellen", dass diese bald Geschichte sein könnten. Aus Wien kam allerdings bereits eine Absage. Es werde "keine Aufweichungen" geben, sagte die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ).

    Einheitliche Beißstatistik

    Bund und Länder einigten sich darauf, dass es künftig eine einheitliche Beißstatistik geben soll. Derzeit arbeite man mit unvollständigen Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, der Unfallkrankenhäuser und der Grazer Kinderchirurgie. Diese Daten würden jedenfalls ebenfalls nicht belegen, dass als "gefährlich" deklarierte Hunde öfter zubissen als Hunde anderer Rassen.

    Die flächendeckende Beißstatistik betreffende Details, etwa wann ein Biss als ein Biss gilt, werden derzeit erst definiert. Laut Hartinger-Klein soll die Statistik so rasch wie möglich kommen, um schon einmal auffällig gewordene Hunde kennzeichnen zu können. Veterinärmediziner sollen mithilfe eines E-Learning-Tools darin geschult werden, das Gefahrenpotenzial eines Hundes einschätzen zu können.

    Keine einheitliche Ausbildung

    Hartinger-Klein betont die Wichtigkeit einer Ausbildung für Hundehalter: "Es liegt immer beim Menschen, der den Hund hält." Ein vorhergehender "Sachunterricht" sowie der Hundeführschein sollen angehende Hundehalter im Umgang mit ihrem Hund schulen.

    Eine bundesweite Ausbildungspflicht gibt es aber immer noch nicht. Im Burgenland, in Tirol und in Kärnten werde an Gesetzesänderungen gearbeitet. In diesen Bundesländern gibt es noch für keine Rasse einen verpflichtenden Hundeführschein. (Stefanie Schermann, 3.5.2019)

    • Ein Pitbull kann gefährlich sein – oder eben auch nicht.
      foto: gaby calvo

      Ein Pitbull kann gefährlich sein – oder eben auch nicht.

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