Rätsel um Wachstum: Blauwal-Fossilien stellen Theorien zur Wal-Evolution infrage

    5. Mai 2019, 17:51
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    Aktuelle Studie lässt vermuten, dass die Größenzunahme der Bartenwale früher einsetzte als gedacht

    foto: reuters/noaa
    Der Blauwal (Balaenoptera musculus) ist das größte Wirbeltier aller Zeiten.

    Ein internationales Forscherteam hat fossile Überreste analysiert, die die Evolution der Bartenwale in ein neues Licht rücken könnten: Die vor 13 Jahren freigelegten Knochen deuten darauf hin, dass sie früher zu den Riesen der Ozeane geworden sind als bisher gedacht.

    Bartenwale sind gewaltige Lebewesen. Der größte unter ihnen, der Blauwal, ist nicht nur das größte lebende Tier, es ist sogar das größte Wirbeltier, das die Evolution je hervorgebracht hat. Seit vielen Jahren diskutieren Zoologen darüber, warum diese Wale solche Ausmaße erreichten und wann diese Entwicklung in ihrer Stammesgeschichte eingesetzt hat.

    Schnell gewachsen

    Nach letztem Stand der Debatte hat das enorme Größenwachstum der Mysticeti, wie die Bartenwale im Fachausdruck heißen, erst überraschend spät begonnen. Viele Paläontologen tippen auf einen Zeitraum vor rund 500.000 bis 300.000 Jahren. Als Ursache für die überaus schnelle Größenzunahme vermuten die Wissenschafter einen Klimawandel, der die Verteilung des Krill, der Hauptnahrungsquelle dieser Wale, beeinflusst hat: Um zu überleben, mussten die Bartenwale immer größere Mengen der Kleinkrebse gleichzeitig aufnehmen, um dann weite Strecken zur nächsten Futterquelle schwimmen zu können.

    foto: g. bianucci
    Die bei Matera in Süditalien entdeckten Überreste eines riesigen Blauwals passen nicht zu den Theorien zur Bartenwalevolution.

    Früher Riese

    Nun berichtet ein Team um Giovanni Bianucci von der Universität Pisa von Walfossilien, die 2006 bei Matera in Süditalien entdeckt worden waren und und die die bisherigen Theorien zum Größenwachstum der Bartenwale über den Haufen werfen könnten: Die im Fachjournal "Biology Letters" präsentierten Analysen ergaben, dass die Knochen zu einem etwa 26 Meter langen Blauwal gehörten, der damit nur wenig kleiner war als die größten rezenten Artgenossen. Verblüffend an dem Fund ist sein Alter, das auf 1,5 Millionen Jahre datiert wurde.

    Diese Resultate und Vergleiche mit anderen Bartenwalfossilien lassen für die Wissenschafter nur einen Schluss zu: Die Größenzunahme der Mysticeti setzte bereits vor mindestens 3,6 Millionen Jahren ein, vielleicht sogar vor 6 Millionen Jahren. Darüber hinaus dauerte diese Entwicklung länger als angenommen.

    Sie wuchsen also womöglich nur langsam zu den heute bekannten Titanen heran – und das stellt auch die bisherigen Annahmen über die Ursachen für das Walwachstum in Frage. Warum Bartenwale heute so riesig sind, bleibt damit weiterhin rätselhaft. (red, 5.5.2019)

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