Wölfe gönnen ihren Rudelmitgliedern mehr Leckereien als Hunde

    4. Mai 2019, 07:00
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    In Versuchen sorgen Hunde schlechter für das leibliche Wohl ihrer Artgenossen als ihre wilde Stammform

    Wölfe verhalten sich gegenüber Artgenossen sozialer als Hunde zu ihresgleichen. Das zeigten Wissenschafter des Wolfsforschungszentrums (WSC) Ernstbrunn in Experimenten mit ihren in Rudeln gehaltenen, von Hand aufgezogenen Tieren. In den Versuchen konnten die Wölfe und Hunde Artgenossen in einer Aufgabe per Touchscreen Futter zukommen lassen. Die Studie erschien im Fachjournal "Plos One".

    Prosoziales Verhalten, also Handlungen, die anderen zugute kommen, sind ein wichtiges Merkmal von Kooperation. Wissenschafter gehen seit langem der Frage nach, ob dieses Verhalten bei Hunden eher durch die gezielte Auswahl im Zuge der Domestikation befördert wurde, oder ob es vielmehr auf die Anlagen der wilden Stammform unserer Hunde zurückgeht. Wölfe sind in ihrem natürlichen Verhalten stark auf Kooperation angewiesen.

    Tochscreens anschnauzen

    In ihrer Studie trainierte Rachel Dale vom WSC neun Wölfe und sechs Hunde darauf, mit ihrer Schnauze ein Symbol auf einem Touchscreen zu berühren, um Futter in ein benachbartes Gehege zu befördern, in dem sich entweder ein Artgenosse befand oder nicht.

    In mehreren Versuchen lieferten die Wölfe deutlich mehr Leckerlis an das Nachbargehege, wenn sich dort ein Mitglied ihres eigenen Rudels aufhielt. Wurde die Aufgabe mit zwei Wölfen aus unterschiedlichen Rudeln durchgeführt, zeigten sich in den beiden Versuchsanordnungen keine Unterschiede bei der "Liefermenge" des Futters.

    Hunde dagegen ließen einem Artgenossen im Nachbargehege nicht mehr Futter zukommen, wenn er aus dem eigenen Rudel stammte. Für die Wissenschafter deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Wölfe prosozialer sind als Hunde. Für sie stützt das die Hypothese, dass Haushunde ihr kooperatives Verhalten schon von ihren Vorfahren geerbt haben. "Die Studie zeigt, dass die Domestikation die Hunde nicht unbedingt prosozialer gemacht hat, sondern vielmehr Toleranz und Großzügigkeit gegenüber Gruppenmitgliedern dazu beitragen, das bei Wölfen beobachtete hohe Maß an Zusammenarbeit zu erreichen", sagte Dale. (red, APA, 4.5.2019)

    • Wer gönnt anderen mehr?
      foto: dale et al.

      Wer gönnt anderen mehr?

    • Beim Touchscreen-Test waren Wölfe großzügiger zu ihren Kumpanen als Hunde.
      foto: dale et al.

      Beim Touchscreen-Test waren Wölfe großzügiger zu ihren Kumpanen als Hunde.

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