Leben in der Impfgegner-Blase: "Immun gegen Fakten" mit Hanno Settele

2. Mai 2019, 17:00
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Die Doku wirkt wie ein Brennspiegel unserer Zeit: Immer mehr Menschen lassen sich immer weniger von Fakten überzeugen

Wo er selbst steht, macht Hanno Settele gleich zu Beginn klar: Wer glaube, man werde in der ORF-Dokumentation" Immun gegen Fakten" (Donnerstag, 20.15 Uhr, ORF 1) den Boden der Wissenschaft verlassen, sei "im falschen Film", sagt der Journalist. Aber man werde den Argumenten der Impfgegner zuhören, ihnen nachgehen und versuchen, Hintergründe zu beleuchten. Um es vorwegzunehmen: Dieses Versprechen hält Settele ein – so sehr, dass es beim Zusehen wehtut.

Zu Wort kommen unter anderen: ein Professor für Kinderheilkunde, eine Immunologin, ein Mann, der mangels Schutzimpfung an Kinderlähmung erkrankt ist. Und ein Vater, der davon überzeugt ist, seine beiden Kinder mit Bioessen und Bewegung vor ansteckenden Krankheiten schützen zu können. Eine Frau, die glaubt, der Tod zweier Kinder ihrer Familie sei das Werk einer profitgierigen Pharmaindustrie.

Ein "impfskeptischer" Arzt irrlichtert bei der Erklärung von Seuchen zwischen esoterischer "Bestimmung" und verquerer Schuldtheorie. Nur "die Natur" könne heilen. Die Doku wirkt wie ein Brennspiegel unserer Zeit: Immer mehr Menschen lassen sich immer weniger von Fakten überzeugen, wenn diese ihre – oft kruden – Überzeugungen erschüttern könnten. Leben in der Filterblase ist einfach und klar.

Am Ende fragt Settele ein Mitglied des Nationalen Impfgremiums, warum dessen Sitzungsprotokolle nicht veröffentlicht werden. Immerhin gehe es um Aufklärung verunsicherter Eltern. Das Nein der Frau aus dem Ministerium klingt kategorisch. Erklärt wird es nicht. Die Verschwörungstheorien wabern weiter. (Petra Stuiber, 2.5.2019)

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