Wie "Game of Thrones" und "Avengers" alle zu Geeks gemacht haben

    3. Mai 2019, 09:43
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    Filme und Serien beschäftigen uns so sehr wie kaum jemals zuvor – eine Entwicklung mit positiven und negativen Folgen

    Es ist länger her, dass Filme und Serien Menschen so stark beschäftigt haben, wie sie es derzeit tun. Vermutlich waren es die Harry Potter-Verfilmungen, die zuletzt Millionen Menschen weltweit bei der Cinematisierung "ihrer" Welt mitfiebern ließen.

    Am vergangenen Wochenende lief nicht nur die dritte Folge der letzten Game of Thrones-Staffel, die mit der Schlacht um Winterfell einen Schlüsselmoment in der Fantasy-Saga darstellt, sondern auch den Start von Avengers: Endgame an den Kinokassen. Der Film ist bereits jetzt auf gutem Wege, eine der erfolgreichsten Produktionen aller Zeiten zu werden. Der Guardian stellt nun die Frage: Haben wir die Kulmination dieser Entwicklung, also "Peak Geek", erreicht?

    Keine leichte Kost

    Bei der Definition dieses "Geek-Höhepunkts" geht es nicht nur um reine Zuseherzahlen. Auch wenn der Hype um beide Produktionen durchaus beeindruckend ist. Es geht auch darum, dass sowohl Game of Thrones, als auch das Avengers-Universum nicht die leichteste Kost sind. Beide bieten komplexe Geschichten mit mehreren Handlungssträngen, die schwer nachverfolgbar werden, wenn man nicht einigermaßen dranbleibt.

    Rund 70 Stunden umfasst die Serienadaption von George R. R. Martins A Song of Ice and Fire bereits. Und wenn man alle 21 Marvel-Kinofilme und verschiedene Serien zusammenrechnet, kommt man sogar auf 122 Stunden.

    gameofthrones

    Dauerbrenner

    Dieser Tage sind Endgame und Game of Thrones das Zentrum vieler Diskussionen. Für jene, die noch nicht dazu gekommen sind, die neueste Folge oder den Kinofilm zu sehen, ist das Netz ein Spoiler-Minenfeld. Längst gibt es eigene Browsererweiterungen, die dabei helfen sollen, unerwünschten Informationen auszuweichen. Und freilich gibt es wie immer auch jene Gruppe an Menschen, die stolz vor sich hertragen, dass beide Produktionen sie nicht interessieren.

    In der medialen Resonanz ist der popkulturelle Einfluss ebenfalls zu spüren. Neben Rezensionen werden Game of Thrones und Avengers aus allen erdenklichen Perspektiven beleuchtet. Vom Körperbild im Marvel-Film bis hin zu militärischen Analysen der Schlacht um Winterfell. Auch an öffentlichen Referenzen mangelt es nicht. Schon öfters warb etwa US-Präsident Donald Trump mit an Game of Thrones angelehnten Sujets für seine Positionen, durchaus zum Unmut von Rechteinhaber HBO.

    marvel entertainment

    Vom Schimpfwort zum Kompliment

    In den vergangenen Jahrzehnten hat die Bedeutung des Wortes "Geek" auch eine Wandlung durchgemacht, meint etwa Hollywood-Regisseur J. J. Abrams. Was einst einen "Verlierer, der über seine eigenen Füße stolpert" bedeutete, ist nun oft Synonym "für jemanden, der Science Fiction mag." Aus der Beleidigung wurde ein Kompliment. Videospiele sind zunehmend als Kulturgut akzeptiert, Launchevents von Firmen wie Apple werden wie kulturelle Veranstaltungen behandelt.

    Es gibt aber auch dunkle Seiten in dieser Entwicklung. Da wären etwa die Auswüchse der "Gamergate"-Bewegung, die das Ziel ausrief, ehrlicheren Videospieljournalismus erreichen zu wollen, letztlich allerdings meist mit anonymen Drohungen gegen vorwiegend weibliche Entwickler und Journalisten von sich reden machte. Auch in der Comicszene ereignete sich unter "Comicsgate" Vergleichbares, ein Feldzug gegen progressive und feministische Autoren. Zwei Forscher, Kom Kunyosying und Carter Soles, stellten 2012 die These auf, dass für manche ihr "Geektum" mittlerweile eine Art "simulierte Ethnie" ist, die sich als marginalisiert und unterdrückt sieht.

    star wars

    Einen positiven Eindruck von der "Szene" hat der Sci-Fi-Autor John Scalzi. Er beschreibt das "Geektum" als "eine Nation mit offenen Grenzen", in der es Platz für Menschen unterschiedlich großen Engagements für Popkultur gibt. Definiert sei das Wort seiner Ansicht nach auch nicht durch die Begeisterung für eine Sache, sondern durch die Freude daran, diese Begeisterung mit anderen zu teilen.

    Kein Ende in Sicht

    Bleibt die Frage offen, ob diese Welle der Begeisterung für fantastische Welten aus Büchern, Comics und Film jemals abreißen oder nicht sogar weiter anschwellen wird. Denn auch wenn Game of Thrones zu Ende geht und auch die Avengers-Saga ihren zumindest vorläufigen Abschluss gefunden hat, ist genug weiteres "Geekfutter" am Horizont.

    The Walking Dead läuft immer noch, Ende des Jahres kommt der nächste Star Wars-Teil in die Kinos, Game of Thrones bekommt Spin-off-Serien und auch der Herr der Ringe soll im Episodenformat neu belebt werden. Immerhin, wo Politik und Religion oft für Spaltung sorgen, vereint uns die Freude an solchen Werken auf globaler Ebene. (red, 3.5.2019)

    • "Game of Thrones" und "Avengers" sind derzeit das Zentrum vieler Debatten.
      foto: hbo

      "Game of Thrones" und "Avengers" sind derzeit das Zentrum vieler Debatten.

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