Salzburg gewinnt ÖFB-Cup gegen Rapid

    1. Mai 2019, 18:38
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    Red Bull ist nach einem 2:0 gegen Rapid zum sechsten Mal Cupsieger. Die Tore in Klagenfurt erzielten Patrick Farkas und Munas Dabbur

    Klagenfurt – Sie tanzten am Tag der Arbeit, stemmten den von ÖFB-Boss Leo Windtner überreichten Pokal in den Himmel über Klagenfurt. Der österreichische Klubfußball ist um keine Überraschung reicher, Red Bull Salzburg nach einem 2:0 gegen Rapid zum sechsten Mal Cupsieger. Die Wiener müssen es bei 14 Titeln belassen.

    Marco Rose hatte im Vorfeld von einem Match "zwischen zwei großen Mannschaften" gesprochen. Der Mann hat Stil, auch deshalb hat ihn Borussia Mönchengladbach verpflichtet. Red Bull Salzburg, die eine große Mannschaft, muss damit leben. Rapid, die andere große (?), ist fußballerisch völlig ausgehungert, man lechzt nach jenen Erfolgen, die Salzburger Alltag sind. Die Hütteldorfer waren zuletzt 1995 Cupsieger, der letzte Meistertitel hat noch nicht ganz so einen grauen Bart, er geschah 2008.

    Gut gefüllt

    1. Mai 2019, österreichisches Cupfinale, Nummer 84. Das Klagenfurter Wörthersee Stadion war mit 24.200 Zuschauern gut gefüllt, rund 85 Prozent der Fans waren Rapid zugetan, der Heimvorteil war somit eklatant. Auf einem Transparent stand geschrieben. "Den Kampf gewinnen, die Roten Bullen bezwingen, den Pokal stemmen und Ruhm erringen." Das hat sich fast gereimt. Möglicherweise hatte Rapid einen psychologischen Vorteil (Hunger!), wobei Rose betonte, "dass Titel immer etwas Besonderes sind und niemals Alltag sein können"." Kollege Dietmar Kühbauer konnte sich Motivationsansprachen sparen. "Wir haben Gänsehaut. In einem Spiel ist alles möglich."

    Salzburg musste den verletzten Kapitän Andreas Ulmer vorgeben (Muskelfaserriss), Patrick Farkas ersetzte ihn. Boli Bolingolli konnte dafür an Rapids linker Seite verteidigen. Kühbauer entschied sich im defensiven Mittelfeld für Dejan Ljubicic und Srdjan Grahovac, Kapitän Stefan Schwab sollte in der Offensive gemeinsam mit Thomas Murg Akzente setzen. Rapid startete besser, mutiger, aggressiver, verbuchte die ersten Torannäherungen. Salzburg hinterließ zunächst einen überraschend passiven und fehleranfälligen Eindruck. Die ersten passablen Chancen hatte trotzdem nicht Rapid. Maximilian Hofmann schoss sich im Strafraum den Ball an die eigene Hand, Schiedsrichter Manuel Schüttengruber verzichtete auf einen Elfmeterpfiff, andererseits blieb er nach einem Rempler von Andre Ramalho an Mario Sonnleitner auch stumm. 28. Minute: Munas Dabbur spielt Xaver Schlager frei, Richard Strebinger pariert dessen Schuss. Rapid schaltete mitunter schnell um, die Konter gerieten aber unpräzise.

    Doppelschlag

    Jene der Salzburger nicht. 37. Minute: Dabbur setzt gekonnt Farkas ein, der fabriziert aus spitzem Winkel ein Spitz, der Ball findet durch Strebingers Beine hindurch den Weg zum 1:0 ins Netz, der Goalie ist nicht von Schuld freizusprechen. 39. Minute: Maßflanke von Zlatko Junuzovic auf den famosen Dabbur, der Mittelstürmer köpfelt das 2:0. Es war eine Art Abschiedsgeschenk, der Israeli wechselt zum FC Sevilla. Und Rapid war nach dem Doppelschlag ganz klein. Salzburg geriet in der zweiten Halbzeit selten ins Wanken. Ausnahme, 60. Minute: Mert Müldür köpfelt an die Latte. Der Wille war bei Rapid vorhanden. Farkas wurde nach Schiedsrichterkritik ausgeschlossen (84.).

    Das nächste Cupfinale kommt bestimmt. Wo es am 1. Mai 2020 ausgetragen wird, ist unklar. Sicher nicht in Saudi-Arabien, Katar, Peking, Amstetten und auch der Mond ist viel zu weit weg. Der ÖFB hat einen Vertrag mit der Wiener Austria abgeschlossen, die Polizei war diesmal aufgrund von Sicherheitsbedenken gegen eine Austragung in der Generali Arena, also sprang Klagenfurt ein. Verbands-Geschäftsführer Bernhard Neuhold verhandelt mit Austrias Chef Markus Kraetschmer neu, vielleicht wird die Partnerschaft ganz aufgelöst. Wobei ein Finale zwischen Hartberg und Mattersburg unbedenklich wäre. (Christian Hackl, 1.5.2019)

    ÖFB-Cup-Finale, Mittwoch

    Red Bull Salzburg – SK Rapid Wien 2:0 (2:0)
    Klagenfurt, Wörthersee-Stadion, 24.200 Zuschauer, SR Schüttengruber

    Torfolge:
    1:0 (37.) Farkas
    2:0 (39.) Dabbur

    Salzburg: Walke – Lainer, Ramalho, Onguene, Farkas – Samassekou – X. Schlager, Wolf (68. Minamino), Junuzovic (72. Szoboszlai)- Gulbrandsen (77. Daka), Dabbur

    Rapid: Strebinger – Müldür, Sonnleitner (87. Ivan), Hofmann, Bolingoli – Grahovac, D. Ljubicic (65. Knasmüllner) – Murg, Schwab, Schobesberger – Pavlovic (70. Badji)

    Gelb-Rote Karte: Farkas (83./Kritik)

    Gelbe Karten: Gulbrandsen, Walke, Dabbur bzw. Müldür, Hofmann

    Stimmen:

    Marco Rose (Salzburg-Trainer): "Wir haben den Cupfight angenommen. Es war eine schwierige Anfangsphase, das ist für mich aber auch völlig nachvollziehbar: auf Augenhöhe, zwei gute Kader gegeneinander. Dann haben wir zwei schnelle Tore geschossen und dann zu Ende gefightet. Das Foul an Patson Daka ist zumindest kartenwürdig. Dann bekommen wir Gelb-Rot, das ist schwer nachvollziehbar."

    Patrick Farkas (Salzburg-Torschütze): "Solche Geschichten schreibt der Fußball. Ich habe seit einem Jahr kein Bewerbsspiel hinter mir, außer die zehn Minuten beim WAC. Dann kommt der Trainer gestern zu mir, sagt, dass er mir vertraut, dass ich super trainiert habe. Das beweist den Zusammenhalt der Mannschaft. Ich habe meine Chance bekommen und wollte unbedingt zeigen, dass ich ein Teil der Mannschaft bin."

    Zu Gelb-Rot: "Mir ist es darum gegangen, dass in einen Kollegen reingesprungen wurde und er (der Schiedsrichter, Anm.) nichts gepfiffen hat. Es sind einfach Emotionen, es ist das Cupfinale. Ich habe ein Jahr nicht gespielt, da ist man in einem Tunnel drinnen. Das war eine Dummheit von mir. Ich bin einfach nur heilfroh, dass ich heute spielen habe dürfen."

    Alexander Walke (Salzburg-Tormann): "Es war ein ganz schwieriges Spiel. Unverdient war der Sieg nicht, obwohl wir zum Schluss noch einmal unter Druck geraten sind. Das zielstrebige Spiel hat uns heute etwas gefehlt. Es war aber auch von den Platzverhältnissen her schwierig zu bespielen."

    Munas Dabbur (Salzburg-Torschütze): "Es war ein großer Kampf. Es war klar, dass es so wird. Rapid hat teilweise dominiert, dann haben wir die zwei Tore geschossen."

    Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "Wir waren eigentlich ein bisschen besser als Salzburg im Spiel. Dann passiert der Doppelschlag. Heute hat nicht die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft gewonnen. Aber man muss schon anerkennen, dass Salzburg diese Qualität hat, dass sie eben diese Möglichkeiten genutzt haben."

    Mario Sonnleitner (Rapid-Verteidiger): "Eigentlich war es ein sehr konzentriertes Spiel von uns, bis auf die drei Minuten, die der Gegner ausgenützt hat. Wir waren trotzdem immer da und haben versucht, den Anschlusstreffer zu erzielen." Zu seinem aberkannten Tor: "Ich glaube, dass es regulär war."

    • Winner.
      foto: apa/erwin scheriau

      Winner.

    • Und der neue Pokal.
      foto: apa/erwin scheriau

      Und der neue Pokal.

    • Rapid muss weiter hungern.
      foto: apa/gert eggenberger

      Rapid muss weiter hungern.

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