"Totally Accurate Battle Simulator" im Test: Völlig durchgeknallt

    1. Mai 2019, 11:06
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    Eigenwilliges Spiel zeigt, wie viel Spaß sich hinter einem simplen Prinzip und kuriosen Bugs verstecken kann

    Seit drei Jahren arbeitet das schwedische Studio Landfall Games an einem Taktikspiel der besondern Art. Kurios anmutende Mittelalter-Einheiten treten auf verschiedenen Schlachtfeldern gegeneinander an. Doch weniger der taktische Anspruch des Totally Accurate Battle Simulator (TABS), denn die Verläufe der chaotischen Auseinandersetzungen sind es, die seit der Vorstellung des Games für reges Interesse sorgen.

    Vor wenigen Wochen hat es der Titel nun in die Early Access-Phase auf Steam (Windows, macOS – 12,49 Euro) geschafft. Zur Verfügung stehen mehrere Dutzend Einzelspielermissionen und ein Sandbox-Modus. Der STANDARD hat das Zepter in die Hand genommen und sich an die Front begeben.

    landfall

    Worum geht es?

    Das Konzept ist eigentlich simpel. Dem Spieler wird eine Hälfte eines Schlachtfelds überlassen und ein Kostenlimit vorgegeben. Ziel ist es, aus einer vorgegebenen Auswahl an Einheiten und mit geschickter Positionierung eine Truppe aufzustellen, um die feindliche Armee zu besiegen. Diese ist meist gut sichtbar auf der anderen Seite des Feldes platziert, hin und wieder erlauben sich die Entwickler aber auch, sie schwer erkennbar zu platzieren oder überhaupt zu verstecken. In einer Kampagnenmission etwa quellen die Gegner aus einer Höhle hervor.

    Darüber hinaus sind die Eingriffsmöglichkeiten des Spielers beschränkt. Erst kürzlich wurde die Option geschaffen, eine einzelne Einheit selbst aus der Egoperspektive zu steuern. Sonst darf man ausschließlich zusehen und am irrwitzigen Geschehen erfreuen.

    Denn die meisten zweibeinigen Kämpfer sehen so aus, als wären sie aus Wurstmasse geformt. Ihre Wackelaugen und holprige Fortbewegung mindern diesen Eindruck nicht. Zur Auswahl stehen Truppen aus verschiedenen Epochen zwischen Urzeit und Mittelalter, inklusive allerlei mythologisch angehauchter Vertreter. Über Updates wird regelmäßig erweitert, zuletzt gesellten sich die "Dynasty"-Fraktion hinzu, mit fernöstlich inspirierten Einheiten sowie eigener Map und Kampagne.

    Wer nicht im Kampagnenmodus tüfteln will, kann sich im Sandbox-Modus austoben. Hier darf man beide Seiten des Schlachtfeldes nach Herzenslust mit allen Einheiten und unendlichen Geldressourcen bestücken.

    Was ist gelungen?

    Obwohl die Kämpfer in TABS nur über rudimentäre Künstliche Intelligenz verfügen, benötigt das Lösen der Kampagnenmissionen Hirnschmalz. Das Schere-Stein-Papier-Prinzip spielt dabei ebenso eine Rolle, wie eine überlegte Platzierung auf der Karte. Dabei gilt es zu bedenken, welche Attacken und Reichweiten die jeweiligen Feinde haben und den Ablauf des Geschehens einigermaßen gut vorherzusagen.

    Dem Geschehen zuzusehen ist größtenteils einfach extrem komisch. Egal ob sich Halblinge (Herr-der-Ringe-Pro-Tipp: Immer mindestens zu viert aufstellen) ihre Widersacher niederringen und anschließend ihre leblosen Körper wahllos herumwerfen, ein Bauer mit einer Schubkarre durch die feindlichen Reihen rast oder Eisbogenschützen solange auf einen Gegner feuern, bis dieser in Kältestarre verfällt – die wortwörtlich "blöden" Animationen gepaart mit der kuriosen Fantasiesprache sind immer wieder für Lacher gut.

    Die Vielfalt an Einheiten, als auch die Unberechenbarkeit der KI erlaubt dabei immer wieder neue Erlebnisse. An denen sind mitunter auch Bugs schuld. Das Highlight aus dem Test: Ein Zeus, der gegen Ende der Schlacht plötzlich in den Pazifismus-Modus wechselte und in eingefrorener Pose begann, Eiskunstlauf zu praktizieren.

    Was ist weniger gelungen?

    Die KI mag Vielfalt bringen, kann aber auch frustrieren. Denn: Startet man eine Schlacht mit unveränderter Aufstellung mehrmals, kommt nicht immer zwingend das gleiche Ergebnis heraus. Das schadet ein wenig dem taktischen Anspruch des Games. Dazu sind manche Fehler und Aussetzer zwar lustig anzusehen, führen aber teilweise dazu, dass ein Gefecht nicht beendet werden kann oder sich stark in die Länge zieht. Ein Klassiker, neben plötzlich apathisch agierenden Einheiten, sind etwa unter Leichenbergen verborgene, noch lebende Widersacher, die ohne schweren Waffen nicht mehr getroffen werden können.

    Dazu fehlt TABS auch eindeutig ein echter Mehrspielermodus. Im Moment kann man nur nach vereinbarten Regeln auf einem Bildschirm Einheiten aufeinander hetzen, Online-Funktionalität sucht man vergebens. Das führt dazu, dass manche Spieler sich originelle Lösungen einfallen lassen und als Workaround etwa das Fernverwaltungstool Teamviewer verwenden. Eine Variante, die aber technisch nicht immer einfach umzusetzen und anfällig für Verbindungsprobleme ist. Es gibt jedoch Hoffnung, denn Landfall hat bereits angekündigt, eine Multiplayeroption nachzureichen.

    Fazit

    Man kann darüber streiten, wie viel Spiel in Totally Accurate Battle Simulator wirklich steckt. Nicht diskutabel ist aber der hohe Unterhaltungswert des Games. Es ist kaum möglich, sich an den ulkigen Verkettungen mehr oder weniger unglücklicher Zufälle sattzusehen, die bei den Schlachten am laufenden Band entstehen. Eine klare Empfehlung für alle, die ein Faible für herrlich absurde Blödeleien haben. (Georg Pichler, 01.05.2019)

    • Tabs ist im Early Access auf Steam für Windows und macOS erschienen
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      Tabs ist im Early Access auf Steam für Windows und macOS erschienen

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