Wie eine Promi-Kampagne nach hinten losgehen kann

    Kolumne2. Mai 2019, 11:00
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    Die aktuelle Kooperation von Lena Meyer-Landrut mit einem Fast-Fashion-Giganten sorgt in den sozialen Netzwerken für Diskussionen

    Vor einer Woche veröffentlichte Lena Meyer-Landrut ein Video auf Instagram. Darin ist sie in Shorts und Hemden zu sehen, die nun bei dem schwedischen Retailer H&M verkauft werden. "Es ist so wunderbar – und die Sachen wirklich schön!", schrieb Meyer-Landrut begeistert darunter. Wer sich nicht mehr so recht erinnern kann und sich nun "Lena wer nochmal?" fragt: Lena Meyer-Landrut ist jene junge Frau, die als 19-Jährige für Deutschland den Eurovision Song Contest gewonnen und das Land in einen Taumel versetzt hat.

    Fast zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass die "Bild"-Zeitung gejubelt hat: "Lena, du machst ein Märchen wahr!" Meyer-Landrut, von allen nur Lena genannt, galt von heute auf morgen als Everybody's Darling. Die ESC-Siegerin konnte im Mai 2010 bei ihrer Ankunft am Flughafen ihrer Heimatstadt Hannover einen schwarz-rot-goldenen Blumenkranz tragen und eine Deutschlandfahne schwenken, ohne dass es ihr irgendjemand übelnahm.

    Denn Meyer-Landrut war das Mädchen von nebenan – und das unterstrich sie auch mit ihrer Kleidung. Sie trug schwarze Jerseykleider, Ringelshirts, zerrissene Jeans. Eine total normale Gymnasiastin eben. Mit der Lena, die ihre 2,7 Millionen Fans heute auf Instagram täglich mit Selfies und Bildern von sich selbst beglückt, scheint sie wenig Ähnlichkeit zu haben. Ist ja auch wenig verwunderlich, ihr ESC-Sieg ist fast zehn Jahre her.

    Heute ist Lena eine singende Influencerin, die sämtliche Instagram-Posen (vom leicht geöffneten Mund bis zum schief gelegten Kopf) perfekt beherrscht. Ihr Geld verdient sie nicht nur mit Musik, sondern auch mit lukrativen Kooperationen wie der mit dem schwedischen Retailer H&M.

    h&m
    Die Kampagne mit Lena Meyer-Landrut wurde in Los Angeles produziert.

    Vielleicht sollte die Zusammenarbeit ja der Versuch sein, an die normale Ringelshirt-Lena der 2010er-Jahre anzuknüpfen. Doch irgendwie ging die Rechnung nicht auf. Stattdessen passierte etwas Bemerkenswertes, etwas, was vor zehn Jahren nicht hätte passieren können (weil der Zeitgeist ein anderer war und weil es soziale Netzwerke wie Instagram noch nicht gab).

    "Warum kooperierst du nicht mit einem nachhaltigen Modelabel?", klagten die Follower – und zwar reihenweise. Die Proteste der Generation Klimawandel scheinen im Mainstream Spuren zu hinterlassen. Wenn sich Lena Meyer-Landrut die Kommentare unter ihren Postings durchgelesen hat, wird sie hoffentlich gemerkt haben, dass sie ganz schön kluge, kritische Fans hat. (Anne Feldkamp, 2.5.2019)

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