"Bild"-Zeitung spottet über Kurz und das "irre Ösi-Theater"

    30. April 2019, 11:22
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    Die Medien des deutschen Springer-Konzerns befassen sich am Dienstag kritisch mit Sebastian Kurz und spekulieren über Neuwahlen

    Berlin/Wien – Das deutsche Massenblatt "Bild", bisher meist dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gewogen, schlägt nun harte Töne an. In großer Aufmachung wird am Dienstag über "Das irre Ösi-Theater" gespottet und Kanzler Kurz auf die Bühne gesetzt.

    Kurzfassung des von Chefreporter Paul Ronzheimer verfassten "Polit-Schauspiels in vier Akten": "Es geht um üble Facebook-Postings, rassistische Karikaturen, ein Ratten-Gedicht aus Hitlers Geburtsstadt Braunau – und um öffentliche Drohungen von Politikern gegen Österreichs Starmoderator." Und die bange Nachfrage: "Was ist da bloß los?"

    Ronzheimer gilt als guter Kenner des Bundeskanzlers, er hat auch eine Kurz-Biografie verfasst, die im Herder-Verlag erschienen ist. Darin bezeichnete er den Kanzler als "Volkstribun" und hielt ihm seine Rolle in der Flüchtlingspolitik vor.

    Neuwahlen angeraten

    In der aktuellen "Bild" schreibt er in einem Kommentar, dass Kurz einen "Plan B" brauche, und rät ihm, in Neuwahlen zu gehen: "Er kann es (noch) als starker Kanzler tun. Er kann sagen: Ich habe es versucht, aber es hat nicht funktioniert mit dieser FPÖ. Er persönlich könnte dann bei Umbildungen oder Neuwahlen sogar noch stärker werden. Bislang hieß es immer, Kurz habe keine Alternative zur FPÖ, weil die SPÖ nicht regierungsfähig sei und die Menschen in Österreich die große Koalition schließlich abgewählt hätten. Das mag alles richtig sein, und das Ende einer ÖVP-FPÖ-Koalition müsste genau geplant und professionell umgesetzt werden. Aber klar ist: Die Entschuldigungen der FPÖ glaubt kein Mensch mehr."

    Solidarität mit Armin Wolf

    Auch Ulf Poschardt, Chefredakteur der so wie die "Bild" im Springer-Verlag erscheinenden "Welt", sieht "die FPÖ auf dünnem demokratischem Pappmaschee". Poschardt vergleicht die Mediensituation in Österreich mit jener in der Slowakei und Ungarn und kritisiert die FPÖ-Attacken "auf einen der besten, klügsten und sachlichsten Kollegen Österreichs, Armin Wolf". Den Ex-Vizekanzler und ORF-Stiftungsrat Norbert Steger qualifiziert der "Welt"-Chefredakteur als "Vor-Nicht-Denker" ab.

    Kurz selbst wird von Poschardt weiter als "eine der großen politischen Hoffnungen" bezeichnet. Am Dienstagabend ist Kurz dann bei Armin Wolf in der "Zeit im Bild 2" zu Gast.

    Allerdings: Nicht alle deutschsprachigen Medien stellen sich auf die Seite Wolfs. Die "Neue Zürcher Zeitung" zeigt Verständnis für Vilimskys Ärger: "Die Nebeneinanderstellung der Cartoons reicht nicht aus, um eine inhaltliche Verwandtschaft zwischen der FPÖ oder Teilen davon und den Nationalsozialisten zu dokumentieren. Beide Darstellungen verhöhnen zwar gesellschaftliche Gruppen, doch die Zeichnungen sind unterschiedlich und beziehen sich auf andere Zusammenhänge. Der Fall ist ein weiteres Beispiel dafür, wie in der politischen und medialen Auseinandersetzung allzu leichtfertig Nazivergleiche gezogen werden. Solche Fahrlässigkeit mündet letztlich in eine Banalisierung des Massenmords an den Juden durch die Nationalsozialisten. (...) Letztlich tat Wolf mit dem Nazivergleich dem FPÖ-Generalsekretär einen Gefallen. Vilimsky bekam die Gelegenheit geschenkt, sich als Opfer einer feindlichen journalistischen Gesinnung in Szene zu setzen." (cs, 30.4.2019)

    • Spott über die österreichische Koalition.
      foto: bild online

      Spott über die österreichische Koalition.

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