Antisemitismus-Vorwürfe: Aufregung vor Metal-Konzert in Greller Forelle

    29. April 2019, 16:22
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    In München und Berlin wurde der Auftritt von zwei Bands nach Kritik linker Aktivisten abgesagt. In Wien soll zumindest eine der Gruppen auftreten

    Wien – Am Freitag werden im Wiener Club Grelle Forelle mehrere Metalbands auftreten. Zwei davon – die polnische Gruppe MGLA und die Supportband Deus Mortem – werden Antisemitismus und Rassismus vorgeworfen. Der Veranstalter des Wiener Konzerts, Redback Promotion, hat mittlerweile angekündigt, dass Deus Mortem deswegen nicht in Wien auftreten werde. Beim Konzert von MGLA bleibe es allerdings.

    In München wurde ein für den 1. Mai geplanter Auftritt der beiden Bands abgesagt, nachdem linke Aktivisten einen offenen Brief an den Geschäftsführer des Veranstaltungsorts geschrieben haben.

    Was den Bands vorgeworfen wird

    Darin begründet das Bündnis gegen Antisemitismus, dass Paweł Pietrzak, Mitglied von Deus Mortem, auch bei der polnischen Rechtsrock-Band Honor und in der NSBM-Band (NSBM steht für National Socialist Black Metal, Anm.) Infernal War spiele. Deren Sänger habe in einem Interview erklärt: "Ist es Politik, über den judeo-christlichen Völkermord und die Vernichtung der heutigen degenerierten, multikulturellen Welt zu singen? Ich denke nicht. Es ist keine Sache des Kompromisses, es ist eine Frage des Konzepts. Wir haben unsere Ansichten über nichts geändert. Sieg heil!"

    Auch MGLA sei in der NSBM-Szene gut vernetzt, heißt es. Mikołaj Żentara, der Kopf der Band, habe mit seinem früheren Musikprojekt "Leichenhalle" etwa einen Song namens "Judenfrei" veröffentlicht. Eine Distanzierung von dieser antisemitischen Veröffentlichung sei nicht bekannt.

    Plan B in München: Konzert gegen Antisemitismus

    Im Münchner Kulturzentrum Backstage zog man in der Folge die Reißleine: Der Auftritt beider Bands wurde abgesagt, stattdessen findet am 1. Mai nun ein Benefizkonzert gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus statt. Die Vorwürfe gegen MGLA habe man nicht umfassend prüfen können, hieß es in einer Presseaussendung. Die Band habe aber eine rote Linie überschritten, indem sie Antisemiten – Deus Mortem – eingeladen habe und sich mit ihnen auf eine Bühne stelle. Auch in Berlin wurde die MGLA-Show abgesagt.

    In Wien fällt die Reaktion anders aus. Die Veranstalter teilten am Montagnachmittag ein Statement von MGLA, in dem die Band von Diffamierung schreibt. "Wir sind Ziel einer Hetzkampagne", heißt es in dem Schreiben. Die Vorwürfe seien allesamt falsch, und man werde sich juristisch wehren.

    In Wien: Spendenbox gegen rechts

    "Wir stehen als lokaler Veranstalter zu 100 Prozent hinter diesem Statement", schreibt Redback Promotions auf der Seite zur Veranstaltung in Wien. Zuerst habe man nicht die Absicht gehabt, sich "mit dieser Problematik der stumpfen Anschuldigungen einer offensichtlich politisch motivierten, linksextremen Vereinigung auseinanderzusetzen beziehungsweise hierzu ein eigenes Statement abzugeben und somit darauf zu reagieren". Man habe sich aber dennoch dazu entschlossen, Deus Mortem "nicht in Wien auftreten zu lassen", es gebe "zu viele ungeklärte Fragen".

    Das Konzert am 3. Mai werde "wie geplant" stattfinden, statt Deus Mortem spielt nun aber Misanthropic Might. Am Einlass soll außerdem eine Spendenbox stehen, "in die jeder von euch einen Beitrag für den 'Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V.' spenden kann", heißt es vom Veranstalter.

    Die Geschäftsführung der Grellen Forelle war für ein Statement zunächst nicht erreichbar. Die Veranstaltung ist ausverkauft. (lhag, 29.4.2019)

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