Der größte Schwimmkäfer der Welt könnte doch noch unter uns weilen

    30. April 2019, 10:00
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    Megadytes ducalis ist einzig durch das 1880 gefundene Typusexemplar bekannt. Jetzt fanden Forscher in Paris Hinweise darauf, wo dieser Käfer noch heute leben könnte

    Er gilt als verschollener Koloss: Megadytes ducalis ist mit fast fünf Zentimetern Körperlänge der größte bekannte Schwimmkäfer der Welt. Gesehen hat ihn aber schon lange niemand mehr, das einzige bekannte Exemplar wurde um 1880 irgendwo in Brasilien gesammelt und befindet sich seither im Museum of Natural History in London. Die Art wird heute als ausgestorben oder verschollen geführt.

    foto: m. balke / snsb-zoologische staatssammlung münchen
    Ein männliches Exemplar von Megadytes ducalis.

    Völlig unerwartet haben deutsche und französische Forscher in bisher unbearbeiteten Teilen der Pariser zoologischen Sammlungen nun weitere 10 Exemplare von M. ducalis entdeckt. Den Wissenschaftern gelang es, die über 100 Jahre alten historischen Ortsbezeichnungen der konservierten Käfer in heutige Standortdaten zu übersetzen. Diese weisen auf Santo Antônio da Barra (heutiger Name Condeúba) im südlichen Teil von Bahia hin.

    Gezielte Expeditionen

    Vermutlich sei die Art in den feuchteren Teilen der brasilianischen Savanne oder Cerrado verbreitet, hoffen die Entomologen. Nun soll in Expeditionen nach lebenden Exemplaren dieses Riesenschwimmkäfers gesucht werden, sagte Lars Hendrich von der Zoologischen Staatssammlung München: "Es wird nun zum ersten Mal für unsere brasilianischen Kollegen möglich sein, gezielt nach dieser Art zu suchen. Diese Entdeckung unterstreicht einmal mehr den Wert von historisch gewachsenen naturkundlichen Sammlungen für die globale Biodiversitätsforschung und den Artenschutz."

    foto: m. balke / snsb-zoologische staatssammlung münchen
    Rückenansicht eines Weibchens.

    Nach Europa gebracht wurden die nun wiederentdeckten historischen Exemplare vom französischen Entomologen und Naturforscher Pierre-Émile Gounelle (1850-1914), der von 1884 bis 1914 sieben selbstfinanzierte wissenschaftliche Expeditionen in den Osten und Nordosten Brasiliens unternahm. Dort sammelte er viele Insekten, Spinnen und Pflanzen, die später im Muséum National d'Histoire Naturelle in die Sammlungen aufgenommen wurden.

    Vergleichbar große im Wasser lebende Käfer existieren übrigens auch in Europa: Der Große Kolbenwasserkäfer (Hydrophilus piceus) erreicht in seiner adulten Form annähernd fünf Zentimeter, seine Larven werden sogar sieben Zentimeter lang. In Österreich ist er unter anderem rund um den Neusiedlersee und in den Donauauen anzutreffen, gilt aber insgesamt als stark gefährdet. (red, 30.4.2019)

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